Oberleitung vs. Batterien vs. Wasserstoff. (Allgemeines Forum)

Chrispy, Freitag, 15.01.2021, 17:22 (vor 48 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von Chrispy, Freitag, 15.01.2021, 17:26

Hallo Oscar

als Anfang des 20. Jahrhunderts die Elektrifizierung des Europanetzes durchgeführt wurde, entschied die UK anders.
30.000 km mit Fahrdraht versehen... kann das nicht vernünftiger?
Ja, das ging. Diesel Power! Das Land wurde von "diesel electrics" regiert = Kraftwerk im Zug, statt auf dem Land.

In UK hatte man das problem, dass die gängigen Lichtraumprofile extrem klein waren/sind. Das ist halt der Fluch, wenn man als erstes ein neuartiges Transportsystem einführt. Auch heute noch gibt es viele Strecken, auf denen ein regulärer Containerzug nicht fahren kann und das schon ohne Oberleitung. Daher ist das Elektrifizieren der Bahnstrecken auf der Insel jeweils enorm aufwändig und teuer.

1. Oberleitung:

+ hohe Stromabnahme möglich, daher gut für Highspeed und Heavyhaul geeignet
+ Rückspeisung von Bremsenergie möglich
- Stapelhöhe limitiert

Würde ich nicht behaupten. Eine Oberleitung limitiert in der Regel nicht die Stapelhöhe, sondern die Objekte unter denen die Oberleitung durch muss (Brücken und Tunnel). Im Prinzip kann man sie so hoch hängen wie man will, wenn man bei Null beginnt. Beispiel dazu: Indien.

- störungsempfindlich (Eisbildung, Wind, Lawinen, Stromschlag)

Eis ist selten ein Problem, denn es gibt da die möglichkeit, die Oberleitung mit dem eigenen Strom zu heizen. Ist halt fraglich ob die Lösung auch überall implementiert ist. Wind, ok, den lass ich dir, aber Lawinen? Wenn da auf der Strecke eine Lawine zu liegen kommt, dann garantiere ich dir, dass die beschädigte Oberleitung nicht das Problem ist.

2. Batterien:

+ elektrische Infra nur für Nachladen nötig
+ umweltfreundlicher als dieselelektrisch
- geeignet für Lastmile, Rangierfahrten und Regio, (noch?) nicht für Highspeed/Heavyhaul

Ich würde noch hinzufügen:
+ Verlustarmer Energiespeicher (um 90% Effizienz).

- benötigt seltene Erdmetallen

Die man aber prinzipiell gut rezyklieren kann.

3. Wasserstoff:

+ keine elektrische Infra benötigt (dafür dann Tankstellen)
+ umweltfreundlicher als dieselelektrisch
- geeignet für Lastmile, Rangierfahrten und Regio, (noch?) nicht für Highspeed/Heavyhaul

Die Idee dabei ist ja, dass die Brennstoffzelle immer mit der effizientesten Leistung betrieben wird. Um Verbrauchsspitzen zu decken verwendet man dann Kondensatoren und Batterien. Die Krux dabei ist halt, dass die optimale Lösung, betreffend Brennstoffzellenleistung und Energiespeichervermögen, streckenprofilabhängig wird. Dies erschwert dann auch das Entwickeln einer kostengünstigen universellen Zugplatform.

- H2 muss zuerst erstellt werden, das kostet zusätzlich Energie die man bei Batterien nicht braucht

Zudem wird momentan Wasserstoff vor allem durch Dampfreformierung aus Methan gewonnen, das ist effizienter als durch Elektrolyse in Wasser. Das problem dabei, aus dem C in Methan wird wieder CO2. Da hat man dann am ende also nichts gewonnen! Der Wasserstoff muss zusätzlich komprimiert werden. Das macht das ganze dann noch ineffizienter. Darum sehe ich Wasserstoff auch nicht als Zukunftstechnologie im Bahnbereich.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum