Russenerlebnisse, Kap. 1: Auf Abwegen zu den Russen (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Freitag, 20.03.2020, 13:56 (vor 8 Tagen)

Hallo liebes Forum,

ich nutze die aktuell reichlich zur Verfügung stehende Zeit daheim mal, um bei meinen Reiseberichten voran zu kommen. ;-)
Bevor ich’s vergesse, möchte ich mich noch herzlich für die Erhöhung der Zeichenbegrenzung bedanken! Die werde ich demnächst sicher regelmäßig brauchen. ;-)


Als ein guter Freund von mir am Telefon sagte: „Ich muss dir etwas erzählen“, fragte ich gleich: „Au fein, du machst ein Auslandssemester in Moskau, wann kann ich dich dort besuchen?!“. Ein paar Sätze später war klar, dass er nicht nach Moskau, sondern nach St. Petersburg gehen würde und wir dort exotischerweise Silvester feiern würden.
Um noch etwas mehr vom Land zu sehen, unternahm ich mit meiner Mutter im Mai eine Flusskreuzfahrt von St. Petersburg nach Moskau. Dort musste ich wenigstens den Hinflug nutzen, damit die Buchung nicht verfällt. :D

Im Jahre 2018 hat es mich also gleich zweimal nach Russland verschlagen.
Daher kommen die Teile nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern etwas vermengt. ;-)

Für Silvester war also das Ziel klar. Jetzt brauchte ich nur noch einen exotischen Weg, um dorthin zu kommen. Für eine Anreise komplett per Bahn fehlten mir (Standard-Problem) die Urlaubstage. Aber wenigstens wollte ich nicht nach Russland fliegen. Nun ja, die nächstliegenden Flughäfen sind Helsinki und Tallinn. Für den Hinflug nach Helsinki war Air Baltic mit Umstieg in Riga eh am günstigsten. Dort konnte ich eine Verbindung mit kurzer Umsteigezeit wählen, um nachmittags kurz vor Sonnenuntergang in Helsinki anzukommen. Ich kenne die Stadt, hässlich ist sie nicht, aber auch kein Muss. Stattdessen konnte ich aber auch preisgleich 7 h Umsteigezeit im mir gänzlich unbekannten Riga wählen. ;-)

So machte ich mich am Morgen des 27.12.17 weihnachtlich überfressen auf den Weg nach Tegel. Am Gate kaufte ich noch eine Flasche Wasser, der Mensch wünschte mir einen schönen Flug, und ehe ich mich versehen konnte, sagte ich: „Ihnen auch“. Ich hatte halt mit „Schönen Tag“ gerechnet. Das macht er bestimmt mit Absicht bei jedem. :D Dann erwartete mich eine brandneue, erst im März in Dienst gestellte Bombardier-Maschine der CSeries (Bitte fragt nicht, wie man das ausspricht.^^ Inzwischen wurde das Programm von Airbus gekauft und wird als 220er-Serie vermarktet.). Es gab 2-3-Bestuhlung, der Flug war voll oder fast voll mit vielen Umsteigern nach Stockholm, Vilnius, Tallinn und Helsinki. Air Baltic lebt von diesen Umsteigern und betreibt das mit Abstand größte Drehkreuz im Baltikum (Passagieraufkommen allerdings nur so groß wie am Flughafen Hannover). Die Ansagen waren auf Lettisch und Englisch. Lettisch ist ja eine herrlich lustig klingende Sprache: „Guten Flug“ heißt (lt. Google) „labs lidojums“. :D Das Flugzeug war innen auch in der Luft unglaublich leise. Die reine Flugzeit (Zeit in der Luft) war ungefähr 1:40 h plus eine Stunde Zeitverschiebung, das überlebt man auch ohne etwas zu essen. Der Flug war pünktlich.
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1 Anflug auf Riga
Riga hat einen modernen Flughafen mit kurzen Wegen und dreisprachiger Beschilderung (LV, EN, RU). Leider ist er nicht per Schiene erreichbar, so nahm ich den Bus in die Stadt. In den Vororten sprachen fast alle Businsassen Russisch, erst Richtung Zentrum kamen ein paar Letten hinzu. Auch im Zentrum hörte man durchaus vermehrt Russisch, und das waren nicht alles Touristen (bei denen waren nämlich reguläre Arbeitstage, frei ist erst die Woche nach Silvester, weil deren Weihnachten ja zwei Wochen später ist).
Ich stieg im Stadtzentrum aus und erkundete einige Stunden lang die Stadt. Es war war ein wunderschöner Wintertag, nicht zu kalt, klar und mit tiefstehender Sonne. Anbei einige Impressionen aus der Stadt mit einer hohen Dichte an schönen Jugendstilgebäuden:
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2 Blick noch aus dem Bus von der Straßenbrücke auf die Bahnbrücke über die Düna
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3 Die Petrikirche
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4 Schickes Gebäude
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5 Das prächtige Schwarzhäupterhaus
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6 Weihnachtsmarkt beim Dom
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7 Das Freiheitsdenkmal ist unverkennbar sowjetischen Ursprungs
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8 Das Opernhaus
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9 Das Nationale Kunstmuseum
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10 – 12 Die Straße Alberta iela ist gesäumt von wunderhübschen Jugendstilgebäuden
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13 Noch ein Exemplar
Da ich nicht bahnlos in Lettland verweilen wollte, fuhr ich auch ein Stück Tram. Bei einer Station dachte ich ‚Das hier ist kurz bevor ich raus muss, fahre ich mal noch eine weiter‘, und schwupps war der Stationsabstand riesig und ich durfte ewig weit zurücklatschen.^^
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14 Alte Tram
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15 Neue Tram
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16 Und nochmal alte Tram
Um 16 Uhr war es dunkel, dann fuhr ich zurück zum Flughafen in einem Kleinbus, der wohl früher als Marschrutka gedient hatte. Er nahm leider eine ziemlich umständliche Strecke zum Flughafen, sodass mir etwas unwohl wurde (bei Dunkelheit im Bus über eine kurvige Strecke mit Stop&Go mag mein Magen nicht. Es gibt zwar keine Konsequenzen, aber angenehm ist es trotzdem nicht^^). Ein Ticket zum Flughafen kostete läppische 1,10 €. Am Flughafen gab es keinerlei Ausweiskontrolle, ich zeigte bloß die ausgedruckten Bordkarte vom Online-Check-In (alles andere kostet bei Air Baltic extra), mein Gepäck wurde ohnehin durchgecheckt. Wenn mir jemand die Bordkarte geklaut hätte, hätte er damit ohne Probleme international fliegen können.^^ Das Flugzeug war nach Einschalten seiner Propeller nicht mehr so süß. Ich hatte ausgerechnet einen Platz direkt neben dem Propeller. -.- Während des Fluges war Tallinn gut zu erkennen, dann der Finnische Meerbusen, anschließend gab es bereits aus gerinerer Höhe einen schönen Blick auf das abendliche Helsinki. Der Flughafen liegt nördlich der Stadt (südlich, östlich und westlich ist ja Wasser^^), auf dem Weg dorthin war Schnee erkennbar. :-) Eine große Runde für den Anflug trieb die Flugzeit in die Höhe, insgesamt waren wir 50 – 55 min in der Luft.
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17 Helsinki
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18 Süß, solange die Propeller still sind^^
Ich ging dann zum Bahnhof, wo mich eine laaaaange Rolltreppe schon einmal auf Russland einstimmte. Als ich 2014 hier gelandet war, war der Flughafen nur per Bus erreichbar, inzwischen befindet sich hier der nördlichste Tunnelbahnhof der Welt. Von Helsinki-Hbf. startet eine Ringlinie Richtung Nordosten, biegt dann Richtung Westen ab und hält am Flughafen, um schließlich durch den Nordwesten der Stadt zum Hbf. zurückzufahren. Eigentlich wollte ich den kürzeren Weg nehmen, doch dann merkte ich, dass ich auf der längeren Fahrt mehr unbekannte Strecke mitnehmen könnte.^^ Leider war mir dafür gerade eine Bahn weggefahren, sodass ich 15 min bei ziemlich unangenehmen Temperaturen warten musste. Dann fuhr ich durch den Nordwesten der Stadt bis nach Pasila, wo ich ausstieg. Der Zug hielt an Stationen mit so wunderbaren Namen wie Huopalahti. Die Sprache ist so toll, ich könnte den Finnen den ganzen Tag zuhören! Nur verstehen tu ich nix. :D Mein Lieblingssatz ist: „Keksijä Keksi keksi keksin. Keksittyään keksin keksijä Keksi keksi keksin keksityksi.“ („Der Erfinder Keksi erfand den Keks. Nachdem der Erfinder Keksi den Keks erfunden hatte, erfand er, dass der Keks erfunden worden war.“ :D) Ich kann übrigens auch radiosuomipop.fi empfehlen, dort läuft ausschließlich finnischsprachige Musik, ideal zum Einschlafen! :D
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19 Ab in die Unterwelt
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20 – 22 Die Fahrzeuge waren relativ unexotische Breitspur-Flirts
In der Stadt war keine Spur mehr von Schnee, bei + 2 ° fiel leichter Sprühregen, wunderschönes Wetter. -.- Ich fuhr ab Pasila mit der Tram zur Unterkunft im Nordteil der Stadt und machte nicht mehr viel außer schlafen.

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Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


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