Analytik vs. Empirik (Allgemeines Forum)

musicus, Montag, 06.11.2017, 10:17 (vor 3076 Tagen) @ john.lennon

Aber der Punkt "man kann sehr wohl Platzkapazitäten zur Verfügung stellen", ist graue Theorie. Die Bahn hat nicht genügend Overhead, um das machen zu können.

Dazu wären belastbare Zahlen in der Tat hoch interessant. Ich fürchte nur, dass das bei Bahnens als Betriebsgeheimnis klassifiziert ist.

Um die Auslastung in der Praxis besser zu steuern, bräuchten wir (i) Reservierungszwang

Mein Reden. Eine Inklusivreservierung wäre ein Schritt um die Effekte in der Praxis zu testen. Je höher die Auslastung in der Praxis ausfällt, desto mehr erweist sich die theoretische Flexibilität eines Flexpreises als Utopie.

(ii) wesentlich mehr Spielraum beim Preis.
Es müsste möglich sein, dass ein Ticket für den ICE Sprinter München-Berlin am Vorabend 300 oder 400 Euro einfach kostet (in der 2. Klasse!)
ohne dass darauf noch 50% oder mehr Rabatt (per Bahncard o.ä.) möglich ist.

Die BahnCard-Rabatte sind ohnehin eine nachrangige Tariffrage.
Aber gesetzt, 400€ wären der dann günstigste bzw. maximale Zweitklassflexpreis (also vergleichbar mit einem heute BC50-rabattierten Flex), komme ich auf einen unrabattierten Flexpreis der 1. Klasse von 1.349€. Grotesk.

Und man dürfte auch mit Flexticket nicht in den Zug einsteigen, wenn man auf einen anderen gebucht ist, sondern könnte sich höchstens auf die Warteliste setzen lassen (und mitfahren, wenn ein anderer Passagier wegfällt).

Dazu genügt es, Stehplätze im Zug zu verbieten.

Jetzt könnte man fragen: Ist das jetzt wirklich praxisnäher als die Steuerung über das Zug-/Fahrtenangebot?
Antwort: Absolut!

...nicht! Eher der Todesstoß des Bahnwesens.

Natürlich mag das politisch nicht gewollt sein, dass Zugpreise so stark schwanken wie Flugpreise und das die Bedeutung von "flexibel" eingeschränkt wird. Aber wenn der politische Wille da wäre, ginge es.

VW würde jubeln und mal wieder das Kanzleramt mieten, um dort eine fette Hauptstadtsause für Minister und Staatssekretäre zu schmeißen. Schampus, Schlampen, Schalentiere....
Ein Konzept, das bei einem halben Dutzend Spontanreisefälle pro Jahr und Person zu Summen (>2€/Pkm) führt, die sogar einen Neuwagen billig erscheinen lassen, kann politisch nicht gewollt sein, weil die dann konsequenterweise erfolgende Explosion des motorisierten Individualverkehrs zum Infarkt führen würde. Politischer Wille wird immer sein müssen, gemessen an Reisezeit und -komfort keine allzu absurden Differenzen zwischen verschiedenen Verkehrsträgern zu haben. Der Maximalfaktor von derzeit 14,47 für eine Beförderungsleistung sollte daher gerade nicht auf Werte jenseits der 90 aufgepumpt werden. Aber sogar wir beide hatten exakt diesen Streit bereits.

Hingegen ist eine substantielle Erhöhung des Angebots (wofür vor allem mehr Gleise benötigt würden) kurzfristig nicht möglich.

Dürfte stimmen - vorausgesetzt, die Prämisse, dass man bereits jetzt an der absolut obersten Streckenkapazitätsgrenze fährt, ist wahr, was ich nicht weiß.

Selbst wenn man bereit wäre, viele zusätzliche Milliarden in die Hand zu nehmen, bräuchte der Kapazitätsausbau eben Jahrzehnte.

Eine schwarze Null in Berlin steht dem Infrastrukturausbau im Weg.


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