Analytik vs. Empirik (Allgemeines Forum)

john.lennon, Montag, 06.11.2017, 08:30 (vor 3074 Tagen) @ ThomasK
bearbeitet von john.lennon, Montag, 06.11.2017, 08:32

Das Problem ist nicht lösbar. Dahinter steckt das Problem, dass bei stochastischem Anfall von Anforderungen keine garantierte zeitliche Leistung möglich ist!


Zwar kann man bei Flexpreisen keine Garantie geben, sehr wohl kann man aber dergestalt Platzkapazitäten zur Verfügung stellen, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von z.B. der dreifachen Standardabweichung (0,99865...) kein Fahrgast stehen muss.

Keine Kritik an deinen maß- und wahrscheinlichkeitstheoretischen Überlegungen, die ich nachvollziehen kann.

Aber der Punkt "man kann sehr wohl Platzkapazitäten zur Verfügung stellen", ist graue Theorie. Die Bahn hat nicht genügend Overhead, um das machen zu können. (Die bindende Restriktion ist m.E. hier nicht -- wie ein anderer Poster impliziert --, dass es nicht genug Ersatzzüge gibt. Meist dürfte es eher das bereits voll ausgelastete Streckennetz sein.)

Um die Auslastung in der Praxis besser zu steuern, bräuchten wir (i) Reservierungszwang (zumindest für einen Zug, nicht notwendigerweise einen bestimmten Platz in diesem Zug) und (ii) wesentlich mehr Spielraum beim Preis.

Es müsste möglich sein, dass ein Ticket für den ICE Sprinter München-Berlin am Vorabend 300 oder 400 Euro einfach kostet (in der 2. Klasse!), ohne dass darauf noch 50% oder mehr Rabatt (per Bahncard o.ä.) möglich ist. Und man dürfte auch mit Flexticket nicht in den Zug einsteigen, wenn man auf einen anderen gebucht ist, sondern könnte sich höchstens auf die Warteliste setzen lassen (und mitfahren, wenn ein anderer Passagier wegfällt).

Jetzt könnte man fragen: Ist das jetzt wirklich praxisnäher als die Steuerung über das Zug-/Fahrtenangebot?

Antwort: Absolut! Natürlich mag das politisch nicht gewollt sein, dass Zugpreise so stark schwanken wie Flugpreise und das die Bedeutung von "flexibel" eingeschränkt wird. Aber wenn der politische Wille da wäre, ginge es.

Hingegen ist eine substantielle Erhöhung des Angebots (wofür vor allem mehr Gleise benötigt würden) kurzfristig nicht möglich. Selbst wenn man bereit wäre, viele zusätzliche Milliarden in die Hand zu nehmen, bräuchte der Kapazitätsausbau eben Jahrzehnte.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum