Was ist an Pendeln sozial? (Allgemeines Forum)

Benjamin.Keller, Mittwoch, 23.08.2017, 21:30 (vor 3151 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Benjamin.Keller, Mittwoch, 23.08.2017, 21:31

...denn die Strecke so trassieren, dass die Anwohner dazwischen wörtlich auf der Strecke bleiben, ist halt nicht die feine englische. Sowohl in Deutschland als auch in ähh... dem Land, dessen Namen nicht genannt werden darf und nicht Schweiz heißt, hat man es möglichst so gestaltet, dass an der Show auch die Orte dazwischen was davon haben. Ja dann hat es auch am Ende wohl etwas mehr gekostet, aber der Nutzen ist hoch.

Mal um des Diskutierens willen: wer sagt denn, dass das sozialer ist, wenn er da hält? Was ist an einem Bahnhof Limburg oder Montabaur sozial? Es gibt Raumforscher, die das Gegenteil für richtig halten und folgende Beobachtungen in der Nachwende-Ex-DDR gemacht haben:
1. Strukturschwache Region
2. Infrastruktur kommt
3. Arbeitskräfte beginnen sich in die stärkere Regionen beruflich umzuorientieren und beginnen zu pendeln
4. Arbeitskräfte ziehen in die Metropolräume um
5. Strukturschwache Region hat Fachkräftemangel und die Struktur wird noch schwächer

Es gibt dagegen viele Regionen, die wirtschaftlich oder gar industriell stark sind, obwohl sie eine nur mittelmäßige bis schlechte Anbindung haben (das Lennetal im westlichen Sauerland zum Beispiel).

Natürlich ist es sozial zum Beispiel für Besucher/Familien immer nachteilig, wenn die Verkehrsanbindung schlecht ist. Aber ob eine NBS (oder Autobahn) generell gesprochen wirklich "sozial" ist kann man zumindest diskutieren.

Natürlich führen Limburg, Montabaur oder Allersberg zu mehr Fahrgästen. Sie führen aber zu mehr Pendlern, steigenden Pendelentfernungen, mehr Zersiedelung und zu einem Attraktivitätsverlust in der eigentlich Aufgabe des Hochgeschwindigkeitsverkehrs.

Besonders in diesem Land, dessen Namen nicht genannt werden darf, wo aber auf HGV-Strecken auch der Verbundtarif gilt, soweit er das Tarifgebiet berührt, wodurch die Fahrgastpotenziale natürlich steigen, so haben auch die Pendler was von teils erheblich kürzeren Fahrtzeiten ;-)

Das ist klassisches ingenieurs-mäßiges Denken. 1000 Pendler pendeln 10 Minuten zur Arbeit, wenn wir die Reisegeschwindigkeit verdoppeln halbieren wir die gesamte Pendelzeit. Dass das häufig zu erheblich mehr Pendlern (oder der Etablierung von Pendelrouten) führt und damit zu mehr Pendelzeit wird dabei oft vergessen. Und Pendeln ist a-sozial:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/taegliches-pendeln-zur-arbeit-gefaeh...


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