Antwort zu Preiserhöhungen findet sich in der PM (Allgemeines Forum)

musicus, Mittwoch, 06.07.2016, 22:50 (vor 3575 Tagen) @ agw

Für den Kunden nicht, weil er weiß was eine Fahrt maximal kostet.

Das weiß er ja mit den dynamischen genauso. Eben 20% mehr oder weniger an den Tagen.
Die Kalkulierbarkeit ist ja gegeben, wenn die Maxpreise für die Hochlasttage gegeben sind. Dass es auch mal günstiger werden kann, ist ja jetzt auch schon so.
Was du auch außer acht lässt: Zur Kalkulierbarkeit gehört ja auch die Auslastung.

Das Problem ist nur, dass man sich für den Flexibilitätsfall gedanklich mit dem Maximalpreis wappnet und eine solche Restrukturierung zunächst mal als als Preiserhöhung abspeichert, während man mögliche Vergünstigungen weniger gut in berechnende Überlegungen miteinbeziehen kann, da man zum einen nicht weiß, wann man sie nutzen kann bzw. wird und diesen Effekt ohnehin schon immer einkalkuliert hatte. Um einer Preiserhöhung aus dem Weg zu gehen, müsste für jeden um 20% verteuerten Flexpreis ein um den jeweils entsprechenden Absolutpreis verringertes anderes Ticket genutzt werden können. Meine Prognose: schwierig.
Was die Auslastung betrifft: Da hat man oft ja schon einen "Auslastungszuschlag", wenn man für 4,50€ reserviert um an vollen Tagen einen Platz "sicher" zu haben.

Im Moment hat der Flexpreis überhaupt nichts mit der Auslastung zu tun.
Das kann man ändern, ohne irgendeinen der Systemvorteile vom Flexpreis abzuschaffen.

Das ist ja gerade der Clou am Flexpreis, dass er eben nicht wie alle anderen Angebote der Bahn an Kontingente und/oder Bedingungen gebunden ist.
Man wird indes kaum umhin kommen, den Fahrtantritt am ersten Geltungstag vorzuschreiben und/oder die Gültigkeitsdauer auf einen Tag zu halbieren. Beides u. U. eine Beschneidung von Flexpreisvorteilen.

Als "ICE-Experte" empfiehlt man ja sogar, den Großkampftag Freitag zu meiden oder zumindest zu reservieren. Das ist also eh schon verinnerlicht.

Sehr subjektiv - ich persönlich kann den Freitag kaum meiden, Reservierung hab ich eigentlich nur zweimal im Jahr: Weihnachten und Ostern, das ist völlig ausreichend, auch wenn ich an diesen Tagen trotzdem ein Drittel der Zeit auf meiner 560km-Lieblingsstrecke stehen muß. Dennoch gibt es für meine Verbindungen an den übrigen Wochenenden selten SP, Würzburg-Kassel scheint schon heute ein echtes SP-Nadelöhr zu sein.

Es ist also nicht so, dass man jetzt noch alles zu 100% kalkulieren kann und jetzt der um x% höhere Flexpreis alles durcheinander bringt.

Dass nichts zu 100% planbar ist, verbuche ich jetzt mal unter Binsenweisheit. 20% Freitagszuschlag würden bei mir sehr viel durcheinanderbringen; unterm Strich ergäbe sich ein finanzieller Mehrbedarf von mindestens 12% jährlich, irgendwas zwischen 300€ und 400€ müsste ich da im Jahr drauflegen, das wär's mir der gegebene Performance definitiv nicht wert! Allerdings würde ich stattdessen auch nicht donnerstags oder samstags im Zug sitzen, sondern schlichtweg auf einen anderen Verkehrsträger ausweichen.

Beim Auto schwankt die Reisezeit um 83%.

Ich halte das für Polemik. Sorry. Eine Verfünffachung der PKW-Fahrzeit habe ich noch niemals und nirgends erlebt.

Der Flexpreis ohne BC war und ist ein Phantasiepreis, der nur jenes Kundensegment erreicht, das 2-3 mal jährlich spontan reist.


Flexpreise ohne BC bzw BC50 sind aber keine Phantasie: Die BC50 First lohnt sich erst ab 1552 Euro Flexpreis-Umsatz 1.Klasse. Wenn ich nur einmal im Monat jemanden besuchen muss, dann lohnt sich das nicht.

Genau das schrieb ich ja. Abgesehen davon halte ich dein Beispiel eines Seltenfahrers mit der teuersten Rabattkarte für schräg. Natürlich muss man schon selbst eine ungefähre Ahnung vom eigenen Reiseverhalten haben, um zu wissen ob und welche Bahncard sich jeweils rechnet oder lohnt. In Anbetracht der Tatsache, dass du 12 Monate für einen kurzfristigen Zeitraum hältst, sollte das doch möglich sein, oder?

Wie wäre es mit einer Inklusivreservierung für Freitagsflexfahrten, natürlich mit Umbuchmöglichkeit und einem Last-Minute-Kontingent ab 2 oder 3 Stunden vor Abfahrt des jeweiligen Zuges (für unentschlossene oder BC100-Nutzer oder Spätumbucher etc. ...)? Da wären die 5% Zuschlag wenigstens gut angelegt.


Das musst du mal genauer erklären. Vielleicht habe ich ja auch immer die 1.Klasse-Brille auf, denn da ist das ja schon so?

Offenbar. Die Gegebenheiten in der 2. Klasse sind durchaus andere, mit einer Verfahrensweise per Inklusivreservierung vermute ich, dass sich eine "weiche" Auslastungssteuerung bewerkstelligen ließe. Macht man wohl aber aus gutem Grund nicht - sonst ließen sich ja für einen ausreservierten Zug schwerlich noch weitere Flexpreise, obendrein mit Freitagsaufschlag, verkaufen.

Abgesehen davon spricht - zumindest in der Theorie - nichts gegen Kapazitätssteigerungen oder Taktverdichtungen am Freitag et vice versa Ausdünnungen oder Kapazitätsverknappungen an ausgesprochenen Schwachlasttagen.


Sicher. D.h. aber, dass sich der neue Velaro, den du dafür bestellen musst, der dann nur am Freitagnachmittag fährt, sich auch nur durch den Freitagnachmittag rentieren muss. Entweder legt man die Kosten auf alle Fahrten um und es wird für alle teurer oder eben nur auf die Freitagsfahrer.
Was du willst, ist halt folgendes: Der Anbieter soll extra Züge für dich kaufen, die nur Freitags fahren, damit du zur vollsten Stunde kurzfristig noch einen Sitzplatz bekommst und die Allgemeinheit soll dies durch generell höhere Preise bezahlen. Ist ein valider Standpunkt, dürfte aber nicht von jedem geteilt werden.

Nö, das muss sich nicht zwingend ad hoc rechnen, ist aber durchaus abhängig von der jeweiligen ökonomischen Ausgestaltung und von Umfang und Struktur der Erlöse aus anderen Leistungen. Im Übrigen schrieb ich expressis verbis "in der Theorie", da finde ich schon recht haltlos, was du mir so als meinen Willen unterstellst. Abgesehen davon bin ich durchaus der Ansicht, dass Preiserhöhungen grundsätzlich auf alle Fahrgäste verteilt werden sollten. Sicher kann man da durch optimierte SP-Kontingentierungen Reisende zu Spitzenlastzeiten höher belasten als andere und umgekehrt zu Schwachlastzeiten SP-Kontingente vergrößern. Es ist allerdings keineswegs einzusehen, weshalb ich mit einem Flexpreis + obendrein 20% Tagesaufschlag anderen Fahrgästen eine Reise zu 14,25€ ermöglichen soll, zumal DB-FV laut Geschäftsbericht durchaus schwarze Zahlen im dreistelligen Millionenbereich ausweist. Die 19€-Angebote sollten schleunigst verschwinden, die 29€-Angebote weiter ausgedünnt werden und die Flexpreise auf ihrem Niveau, ggf. zzgl. Inflationsausgleich, stabil bleiben. Aber offenkundig geht es darum, an gut nachgefragten Tagen jene Kunden, die sich nicht ein viertel oder halbes Jahr im Voraus festlegen können, über die bislang bezahlten Relationshöchstpreise hinaus noch stärker zu belasten. Warum man - wie auch du es darstellst - notwendigerweise täglich wechselnde Flexpreise für die objektiv gleiche Beförderungsleistung bei objektiv gleichen Kapazitäten (ohne praktische Möglichkeit einer Überbuchung) unbedingt braucht, erschließt sich mir nach wie vor nicht.

Tja, da verstehe ich manche halt nicht. Warum kauft man einen Flexpreis Tage vorher? Es reicht doch, ihn auf dem Weg zum Zug zu kaufen.

Papierticket? +city-Nutzung auf dem Weg zum Abfahrtsbahnhof? Wartezeit am Automaten umgehen? Unklarheit, ob man FR abends oder erst SA morgens fährt? Die Motive sind so unterschiedlich wie die Flexpreisnutzer an sich.

Oder sollte man hier auf Ausweicheffekte setzen, die durch flexiblere Arbeitszeiten und Heimarbeit geschaffen werden können?

Träum weiter! In der Fläche wird das noch länger dauern. Wenn ich nur daran denke, welcher Zinnober es war meine 80%-Stelle auf 4 Tage zusammenzulegen, oder was meine Vorgesetzten mir flüstern, wenn sie mich nach 19 Uhr oder am Samstag im Büro erwischen... Heimarbeit? Kann ich knicken, obwohl es mein Job locker, um nicht zu sagen lockerst, zuließe 8-12 Stunden im Büro zu sein und alles weitere von wasweißichwo zu erledigen... Da braucht es eben noch mehr Umdenken in unserer Arbeitswelt.

Extremes Beispiel aus der Mobilfunkindustrie aus dem letzten Jahrzehnt: SMS-Verkehr kurz nach Mitternacht am 1. Januar. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die Systeme so auszurüsten, dass die gleiche Qualität wie an einem anderen Tag erreicht wird, weil man sonst 99% des Jahres 80% der Kapazität nicht gebraucht hätte.

Wir reden hier allerdings nicht vom Verhältnis 80:20 sondern wohl von (52+52+2+2+2):365-(52+52+2+2+2), also eher 2,4:1. Da ist die Last schon fast doppelt so hoch.


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