wenn der Bund sich direkt einmischt, geht's Bach runter (Allgemeines Forum)

Destear, Berlin, Mittwoch, 06.07.2016, 22:27 (vor 3567 Tagen) @ J-C

Achso... ich rede aber auch von einer Politik, die dann eben fähig wäre, sowas hinzukriegen. Unter den realen Bedingungen kann man nix besser machen.

Warum das nicht so funktionieren würde, wie du es dir vorstellst, wird klar, wenn du dir die Mühe machst, den Begriff "die Politik" zu präzisieren. Der Alleineigner - der Bund - hat durch seine Eigentümerstellung zwar vollständigen Einfluss auf die Entscheidungen bei der Bahn, die organisatorische Trennung und Entscheidung, die Bahn in ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen zu überführen, ist aber erstmal gar nicht falsch. Bei richtiger Herangehensweise ist das die Organisationsform, mit der die Bahn am Markt am flexibelsten reagieren kann. Und da liegt dann auch schon der wesentliche Unterschied zur Vergangenheit: Es gibt zunehmend einen immer klassischer werdenden Markt, weil Verkehrsverhältnisse stärkerer Diversifikation unterliegen; die Liberalisierung des Fernbusverkehrs war dazu der aktuell wesentlichste, sicher aber nicht der letzte Schritt. Was gab es damals? Auto, Bahn, irgendwann Flugzeug, aber nicht in den Massen, wie es heute der Fall ist.

Holt der Bund die Kalkulation wieder zurück auf die Verwaltungsebene - auf Politikebene lässt sich das nicht heben, Entscheidungsausführung (also etwa Kalkulation etc.) findet nicht am Kabinettstisch, sondern in der Ministerialverwaltung statt! - beraubt man sich des einzigen Vorteils, den die jetzige Organisationsstruktur hat.

Verwaltung funktioniert organisatorisch anders, schon das Instrumentarium, dass ihr gesetzlich an die Hand gegeben wird, ist nicht zwingend dazu geeignet, einen Großkonzern zu führen, egal in welcher Form der organisiert ist.

Das eigentliche Problem ist, dass es an einer kohärenten Leitstrategie bei der DB fehlt, bei der es auch schwer ist, zu erkennen, dass es sich um einen Baustein einer gut abgestimmten Verkehrspolitik handelt. Ein etwas klarerer Auftrag würde hier schon gut tun - dieses "Alles-nichts-oder" aus möglichst viel Gewinn, weil möglichst viel Dividendenausschüttung, möglichst hohe Fahrgastzahlen und irgendwie möglichst hohe Flächenabdeckung widerspricht sich. Da müsste der Mehrheitseigner sich stärker um die Formulierung einer kohärenten Strategie bemühen, und die könnte auch sein, der DB AG völlige politische Freiheit einzuräumen. Das wäre jedenfalls konsequenter.

So wie es jetzt läuft, ist es zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig - aber trotzdem: Eine Bundesbahn wäre keine Lösung der Probleme, bei heutiger Lage viel eher noch eine Verschärfung. Ein solches Konstrukt wäre niemals konkurrenzfähig und warum der Bund bei den heute etlichen Fortbewegungsmöglichkeit so dermaßen die Schiene bevorzugen sollte, ist einfach unklar. Genau so sinnvoll wäre dann die Forderung nach einem Staatsbus- oder einer Staatsairline. Nur, dass das halt für den jungen Bahnfahn mit den DB-gemusterten Scheuklappen auf den Augen nicht besonders erstrebenswert wirkt.

In dem Sinne schönen Abend!


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