Antwort zu Preiserhöhungen findet sich in der PM (Allgemeines Forum)

agw, NRW, Mittwoch, 06.07.2016, 13:40 (vor 3567 Tagen) @ musicus

Die starren Flexpreise hingegen sind Humbug.

Wie schon geschrieben: Für den Kunden nicht, weil er weiß was eine Fahrt maximal kostet.

Das weiß er ja mit den dynamischen genauso. Eben 20% mehr oder wenige an den Tagen.
Das ist so wie im Nahverkehr. Da kostet das Einzelticket vielleicht immer das gleiche, das muss man sich nicht merken, aber man merkt sich eben, an welchem Tag man vermutlich stehen muss. Beim Auto ist das auch so, da weiß man auch, wann man 20% länger zur Arbeit braucht, ganz ohne Ticket. Diese Leistung kann der Mensch erbringen.

Als "ICE-Experte" empfiehlt man ja sogar, den Großkampftag Freitag zu meiden oder zumindest zu reservieren. Das ist also eh schon verinnerlicht.

Im Moment hat der Flexpreis überhaupt nichts mit der Auslastung zu tun. Das kann man ändern, ohne irgendeinen der Systemvorteile vom Flexpreis abzuschaffen.

Und wie ebenfalls schon geschrieben: Im Kundensinne kann eine Eskalation der Preislotterie schlicht nicht sein.

Es ist ja keine Preislotterie. Das ist so, als wenn du sagst, es gibt eine Auslastungslotterie "man weiß nie, ob der Zug Freitagnachmittag leer oder voll ist".

Wenn ich mich mittel- oder langfristig an ein irgendein Verkehrsmittel binde, wie etwa als Flexpreiskunde mit BC50, brauche ich zumindest eine grundlegende Kalkulierbarkeit um eine Wahl u.a. nach halbwegs ökonomischen Kriterien überhaupt treffen zu können.

Zum einen finde ich, ist ein Jahr nicht mittel- oder langfristig. Die Kalkulierbarkeit ist ja gegeben, wenn die Maxpreise für die Hochlasttage gegeben sind. Dass es auch mal günstiger werden kann, ist ja jetzt auch schon so.

Was du auch außer acht lässt: Zur Kalkulierbarkeit gehört ja auch die Auslastung.
Muss ich von Düsseldorf nach Frankfurt pendeln, dann gucke ich ja nicht nur auf den Preis für Zug und Auto. Ich gucke auch, wie lange ich brauche und (im Zug), ob ich einen Sitzplatz bekommen kann. Es ist also nicht so, dass man jetzt noch alles zu 100% kalkulieren kann und jetzt der um x% höhere Flexpreis alles durcheinander bringt.

Bei keinem anderen innerdeutschen Verkehrsmittel schwankt der Preis innert 7 Tagen um 83% (=Differenz 14,25€-SP zu 1,2-facher Maximalpreis mit BC50 2. Klasse). Was nur los wäre, wenn der Spritpreis hierzulande zwischen 1€ und 5€ Achterbahn fahren würde... Aber um solche Szenarien zu vermeiden werden heutzutage bereits Kriege geführt.

Beim Auto schwankt die Reisezeit um 83%. Wo kann ich mich da beschweren? Gibt's deswegen auch Krieg? Ach, ja, der Krieg auf der Autobahn.
Du kannst halt nicht nur den Preis rausnehmen, sondern musst das Gesamtbild sehen.

Am Samstag will keiner Flexpreise kaufen (ohne Bahncard schon gar nicht) und am Freitag sind die Züge überfüllt.

Der Flexpreis ohne BC war und ist ein Phantasiepreis, der nur jenes Kundensegment erreicht, das 2-3 mal jährlich spontan reist. Persönlich würde ich eher dafür plädieren freitags die erlösarmen SP-Kontingente weiter einzudämmen oder ganz zu streichen. Eine weitere Mutmaßung meinerseits: Auch freitags sind nicht ausschließlich Flexpreiskunden auf der Schiene.

Da stimme ich zu und wenn man sich die SP-Preise von November/Dezember anschaut, dann geht es auch in die Richtung. Der Sparpreis-Aktion oder Sonderkontingente machen das natürlich wieder kaputt.

Flexpreise ohne BC bzw BC50 sind aber keine Phantasie: Die BC50 First lohnt sich erst ab 1552 Euro Flexpreis-Umsatz 1.Klasse. Wenn ich nur einmal im Monat jemanden besuchen muss, dann lohnt sich das nicht. Die BC25(F) lohnt natürlich eher, spart aber auch eher wenig: 1000 Euro (1.Klasse-)Umsatz: 12% gespart.

Wie wäre es mit einer Inklusivreservierung für Freitagsflexfahrten, natürlich mit Umbuchmöglichkeit und einem Last-Minute-Kontingent ab 2 oder 3 Stunden vor Abfahrt des jeweiligen Zuges (für unentschlossene oder BC100-Nutzer oder Spätumbucher etc. ...)? Da wären die 5% Zuschlag wenigstens gut angelegt.

Das musst du mal genauer erklären. Vielleicht habe ich ja auch immer die 1.Klasse-Brille auf, denn da ist das ja schon so?

Abgesehen davon spricht - zumindest in der Theorie - nichts gegen Kapazitätssteigerungen oder Taktverdichtungen am Freitag et vice versa Ausdünnungen oder Kapazitätsverknappungen an ausgesprochenen Schwachlasttagen.

Sicher. D.h. aber, dass sich der neue Velaro, den du dafür bestellen musst, der dann nur am Freitagnachmittag fährt, sich auch nur durch den Freitagnachmittag rentieren muss. Der Flexpreis für diesen Freitagsvelaro müsste vermutlich bei +300% liegen.

Das ist ja der ganze Witz. Für diese "Kapazitätssteigerungen oder Taktverdichtungen" morgens um 7:30 Uhr im NV und Freitagsnachmittag im FV muss man neue Züge kaufen und bezahlen. Entweder legt man die Kosten auf alle Fahrten um und es wird für alle teurer oder eben nur auf die Freitagsfahrer.

Im NV sieht man das ja ganz gut in NRW. Dort hält die DB alte Silberlinge vor für die Verstärkerzüge. Diese sind "kostenlos".
Jetzt sind diese Züge ab am Ende und müssen bald abgestellt werden. Der nächste Verstärkerzug besteht dann aus zwei fabrikneuen Flirts oder was auch immer. Obwohl er 90% der Zeit nur rumsteht.

Wie gesagt: Die "dynamischen" Flexpreise sind die einzige Möglichkeit die Vorteile des Flexpreises (die freie Zugwahl) auf Dauer zu erhalten. Wer dagegen ist, will nur noch Sparpreise.

Das hängt aber auch von der konkreten Dynamik und ihrer Berechenbarkeit ab. Abgesehen davon habe ich auch mit variablem Flexpreis nicht die bekannte volle Flexibilität, es sei denn, ich besitze schon den teuersten Freitagsflexpreis - zumal ich im nun skizzierten Modell des differenzierten Flexpreis gezwungen bin, die Fahrt bereits am ersten Geltungstag der Fahrkarte anzutreten.

Tja, da verstehe ich manche halt nicht. Warum kauft man einen Flexpreis Tage vorher?
Es reicht doch, ihn auf dem Weg zum Zug zu kaufen.

Im übrigen hat das Argument etwas dezent zirkelschlüssiges: Wer für Flexibilität ist, braucht schwankende Flexpreise - wer gegen schwankende Flexpreise ist, braucht schwankende Sparpreise. Deine Prämisse ist schlicht, dass Preise per se schwanken müssen.

Sie müssen nicht schwanken, das kann man frei festlegen. Was man aber nicht frei festlegen kann, ist die Nachfrage. Der Kapitalist hat dafür halt eine einfache Lösung.
Und für jeden der sagt "ich muss am Freitag fahren um Kohle zu verdienen", gibt es einen anderen der sagt "wieso muss ich für einen leeren Zug am Samstag so viel bezahlen wie für einen vollen am Freitag".

Das Prinzip "alles muss immer gleich teuer/gleich billig sein", kennt man ja von billigen Parkplätzen. Wenn drumherum alles frei ist, sind ein paar Cent schon zu teuer und sie stehen leer. Wenn alles voll ist, hat man auch nichts davon, weil ja jeder mit dem Auto kommt, weil der Parkplatz halt nur ein paar Cent kostet und der Parkplatz auch wieder voll ist". Der beste Preis ist halt der, bei dem zu jeder Zeit noch ein Angebot gemacht werden und dieses genutzt werden kann. Auch, wenn es dann teurer als zu einer anderen Zeit ist.

Sag' doch gleich, dass du für eine rein marktkonforme Auslastungssteuerung und Preisgestaltung bzw. effektive Preiserhöhungen oder die Abschaffung der BC50 bist ;-) das geht alles in dieselbe Richtung.

Gerade ja nicht. Also über die konkrete Umsetzung bei der DB kann man sich streiten.
Aber Flexpreis + BC50 heisst ja nur, dass ich einen kalkulierbaren Maximalpreis habe, für den ich immer in den Zug steigen kann (Sitzplatzgarantie gibt es ja nie).
Wie hoch der Maximalpreis ist, ist davon unabhängig.
Was du willst, ist halt folgendes: Der Anbieter soll extra Züge für dich kaufen, die nur Freitags fahren, damit du zur vollsten Stunde kurzfristig noch einen Sitzplatz bekommst und die Allgemeinheit soll dies durch generell höhere Preise bezahlen. Ist ein valider Standpunkt, dürfte aber nicht von jedem geteilt werden.

Letztlich ist es auch eine Fragestellung mit politischer Dimension, nämlich über die Frage was und wie die Bahn sein und funktionieren soll: Als infrastrukturelle Grundversorgung der Allgemeinheit oder als streng ökonomischer Player, der einzig der Bewirtschaftung von Mobilitätsbedürfnissen dient. Am Ende des Tages muss jeder Freitagspendler selbst seinen Rechner zücken und überschlagen, wann welche Alternative in Erwägung zu ziehen ist.

Ja. Irgendwann wird es auch ein Problem der Infrastruktur. Beim Auto sowieso und bei der Bahn, wenn man über zusätzliche Züge auf bereits überlasteten Strecken redet.
Ist es volkswirtschaftlich sinnvoll, die Infrastruktur darauf auszulegen, dass zu einer bestimmten Stunde ganz Deutschland unterwegs sein kann? Oder sollte man hier auf Ausweicheffekte setzen, die durch flexiblere Arbeitszeiten und Heimarbeit geschaffen werden können?
Und ja, wenn die Autobahn gerade erweitert wurde, aber die Züge überlastet sind, dann können auch mal welche aufs Auto umsteigen.

Extremes Beispiel aus der Mobilfunkindustrie aus dem letzten Jahrzehnt: SMS-Verkehr kurz nach Mitternacht am 1. Januar. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die Systeme so auszurüsten, dass die gleiche Qualität wie an einem anderen Tag erreicht wird, weil man sonst 99% des Jahres 80% der Kapazität nicht gebraucht hätte. Da heißt es einfach: Silvester geht es etwas langsamer und rumpeliger zu und wer möchte, kann ja vor 12 schon was schreiben. Inzwischen schreibt ja keiner mehr SMS, daher hat sich das Problem erledigt.


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