Antwort zu Preiserhöhungen findet sich in der PM (Allgemeines Forum)

musicus, Mittwoch, 06.07.2016, 01:11 (vor 3565 Tagen) @ agw
bearbeitet von musicus, Mittwoch, 06.07.2016, 01:12

Warum ist das Humbug? Bei der Sparpreisen ist das ja schon so.

Ich kann's nicht beweisen, aber ich habe Zweifel - vielmehr gehe ich davon aus, dass die Preisgestaltung vom Tag und der Relation bzw. der Nachfrage auf dieser konkreten Relation abhängt und eben nicht ganz stumpf alle SP freitags 20% höher liegen.

Solange die Züge auch mit +20% noch voll sind, ist doch alles gut.

Für die Bahn ja; aber auch hier meine Zweifel: Ich mutmaße mal, dass bei einer flächendeckenden Preiserhöhung von 20% - an welchen Tagen auch immer - die Auslastung anders ausschaut. Diese Dimensionen machen schon ordentlich Druck, so irre niedrig sind die Flexpreise nämlich selbst mit BC50 auch nicht angesetzt, erst recht, wenn man nicht mehr alleine sondern zu mehreren reist.

Die starren Flexpreise hingegen sind Humbug.

Wie schon geschrieben: Für den Kunden nicht, weil er weiß was eine Fahrt maximal kostet. Und wie ebenfalls schon geschrieben: Im Kundensinne kann eine Eskalation der Preislotterie schlicht nicht sein. Wenn ich mich mittel- oder langfristig an ein irgendein Verkehrsmittel binde, wie etwa als Flexpreiskunde mit BC50, brauche ich zumindest eine grundlegende Kalkulierbarkeit um eine Wahl u.a. nach halbwegs ökonomischen Kriterien überhaupt treffen zu können. Bei keinem anderen innerdeutschen Verkehrsmittel schwankt der Preis innert 7 Tagen um 83% (=Differenz 14,25€-SP zu 1,2-facher Maximalpreis mit BC50 2. Klasse). Was nur los wäre, wenn der Spritpreis hierzulande zwischen 1€ und 5€ Achterbahn fahren würde... Aber um solche Szenarien zu vermeiden werden heutzutage bereits Kriege geführt.

Am Samstag will keiner Flexpreise kaufen (ohne Bahncard schon gar nicht) und am Freitag sind die Züge überfüllt.

Der Flexpreis ohne BC war und ist ein Phantasiepreis, der nur jenes Kundensegment erreicht, das 2-3 mal jährlich spontan reist. Persönlich würde ich eher dafür plädieren freitags die erlösarmen SP-Kontingente weiter einzudämmen oder ganz zu streichen. Eine weitere Mutmaßung meinerseits: Auch freitags sind nicht ausschließlich Flexpreiskunden auf der Schiene.
Wie wäre es mit einer Inklusivreservierung für Freitagsflexfahrten, natürlich mit Umbuchmöglichkeit und einem Last-Minute-Kontingent ab 2 oder 3 Stunden vor Abfahrt des jeweiligen Zuges (für unentschlossene oder BC100-Nutzer oder Spätumbucher etc. ...)? Da wären die 5% Zuschlag wenigstens gut angelegt. Abgesehen davon spricht - zumindest in der Theorie - nichts gegen Kapazitätssteigerungen oder Taktverdichtungen am Freitag et vice versa Ausdünnungen oder Kapazitätsverknappungen an ausgesprochenen Schwachlasttagen.

Wie gesagt: Die "dynamischen" Flexpreise sind die einzige Möglichkeit die Vorteile des Flexpreises (die freie Zugwahl) auf Dauer zu erhalten. Wer dagegen ist, will nur noch Sparpreise.

Das hängt aber auch von der konkreten Dynamik und ihrer Berechenbarkeit ab. Abgesehen davon habe ich auch mit variablem Flexpreis nicht die bekannte volle Flexibilität, es sei denn, ich besitze schon den teuersten Freitagsflexpreis - zumal ich im nun skizzierten Modell des differenzierten Flexpreis gezwungen bin, die Fahrt bereits am ersten Geltungstag der Fahrkarte anzutreten.
Im übrigen hat das Argument etwas dezent zirkelschlüssiges: Wer für Flexibilität ist, braucht schwankende Flexpreise - wer gegen schwankende Flexpreise ist, braucht schwankende Sparpreise. Deine Prämisse ist schlicht, dass Preise per se schwanken müssen. Sag' doch gleich, dass du für eine rein marktkonforme Auslastungssteuerung und Preisgestaltung bzw. effektive Preiserhöhungen oder die Abschaffung der BC50 bist ;-) das geht alles in dieselbe Richtung. Letztlich ist es auch eine Fragestellung mit politischer Dimension, nämlich über die Frage was und wie die Bahn sein und funktionieren soll: Als infrastrukturelle Grundversorgung der Allgemeinheit oder als streng ökonomischer Player, der einzig der Bewirtschaftung von Mobilitätsbedürfnissen dient. Am Ende des Tages muss jeder Freitagspendler selbst seinen Rechner zücken und überschlagen, wann welche Alternative in Erwägung zu ziehen ist.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum