Sorry, aber... (Allgemeines Forum)

worfie, Freitag, 25.07.2014, 17:18 (vor 4281 Tagen) @ Felix

Es ist Sache der Fahrgäste, ihre Erwartungen an die Realität anzupassen oder weiterhin immer wieder enttäuscht zu werden.

Ich glaube, daß ein Großteil der Fahrgäste unrealistische Erwartungen an die Bahn hegt aber aus weltanschaulichen Gründen nicht davon lassen kann. Darum die Unzufriedenheit, darum das ständige Gemecker und vielleicht darum auch die hohen Fahrpreise, die immer noch von vielen bereitwillig gezahlt werden.


Verzeihung, aber so etwas komisches habe ich schon lange nicht mehr gehört.

Richtig, Verspätungen und andere Sachen können schon einmal passieren. Aber hast du einmal im Entferntesten auf die Häufigkeit geschaut, wie oft Züge in Deutschland 10 Minuten oder sogar noch stärker verspätet sind und wie bei der Deutschen Bahn nicht nur mit Verspätungen sondern auch mit völlig allgemeinen und simplen Grundeigenschaften wie Sauberkeit und Dienstleistungsqualität umgegangen wird?

So eine "Leistung" schafft man nur, in dem man über Jahre hinweg jegliche Investitionen in Infrastruktur, Personal und Qualität völlig ausblendet und sich stattdessen lieber mit Weltmachtsfantasien wie Anlagenbau in Arabien oder Containertransport in China beschäftigt. Aber gut, auch im Inland sind mit Sicherheit gerade viele gut bezahlte Leute mit wichtigen Aufgaben beschäftigt, z.B. in welchem Benutzungszustand sich Servietten zu befinden haben, wenn man sie am Bahnhof gegen Fahrscheinvergünstigungen abgeben möchte.


Um auf die Ausgangsfrage von Artur zurückzukommen. Dieses Jahr führe ich nicht Buch über sämtliche Verspätungen. Im letzten Jahr sah es so aus: Letztes Jahr sah es so aus: http://www.ice-treff.de/index.php?mode=thread&id=246803#p246814
Für die letzte Woche habe ich allerdings noch 6 ausgefüllte Fahrgastrechteformulare, dazu noch eine andere Sache, die nächste Woche an den Rechtsanwalt geht.
Das schönste Erlebnis diese Woche, neben den vielen Klimaanlagenausfällen und war eine Fahrt in einem Ersatz-ICE-T (Doppelgarnitur) statt eines ICE1. Außer eines nutzlosen Hinweises am Display gab es am Bahnsteig keine Hinweise, wo man denn einsteigen solle. So war dann die erste Klasse bis auf den letzten Platz besetzt, während die andere 1. Klasse am anderen Ende des Zuges vermutlich nur heiße Luft transportierte. Toll war auch der Dialog zwischen einer Fahrgästin, die später zustieg und ihren Platz suchte und der Zugbegleiterin, die nur Bahndeutsch sprach.

Kundin: "Ich kann meinen Platz nicht finden."
Die Zugbegleiterin antwortete gekonnt auf Bahndeutsch: "Unser Zug fährt heute abweichend mit anderen Wagen. Sie haben heute freie Platzwahl."
Schweigend schaut die Kundin über die vollbesetzten Sitzreihen während sie vermutlich im Kopf die Antwort der Zugbegleiterin in die Deutsche Sprache übersetzt ("Tja, da haben sie Pech. Machen Sie, was Sie wollen.")
Daraufhin die Kundin: "Und was mache ich jetzt mit meiner Reservierung?"
Die Zugbegleiterin weiterhin auf Bahndeutsch: "Die können Sie sich im Nachhinein erstatten lassen", oder übersetzt für Leser, die lediglich der deutschen Sprache mächtig sind: "Tja, da können sie später selbst hinterher rennen. Von mir kriegen Sie jedenfalls keinen Cent zurück. Aber Sie können gerne bei mir einen Kaffee bestellen, den werde ich dann selbstredend sofort bar von Ihnen abkassieren."


Man könnte natürlich obige Folgerung auch auf andere Branchen ausweiten.

Wie gern stelle ich mir da den Bauherren vor, der sein frisch gebautes Haus beziehen möchte und stattdessen ein "Einsturzgefährdet - Betreten verboten" Schild vorfindet. Aber die ausführende Firma hat natürlich die passende Erklärung zur Hand: "Ach was, ist nicht so wild. Sie sollten nur ihre Erwartungen an die Realität anpassen. Außerdem, wenn sie mit einem Haus nichts machen, stürzt jedes Haus nach ein paar Jahrzehnten oder ein paar Jahrhunderten ein."

Oder das Unfallopfer, dass verblutend auf der Straße liegt: "Vielen Dank, dass sie den Notruf gewählt haben. Leider sind im Moment alle Leitungen belegt. Der nächste freie Mitarbeiter ist bereits für Sie reserviert. Es befinden sich noch 13 Personen vor Ihnen in der Warteschleife. Die geschätzte Wartezeit beträgt 42 Minuten. Bitte haben Sie einen Moment Geduld und passen Sie Ihre Erwartungen an die Realität an. Wenn sie vorsorglich Ihr Testament aufnehmen möchten, drücken Sie bitte die 1."


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