Ja, das Pflegen von Vorurteilen ist wichtig (Allgemeines Forum)

liebe70, Mittwoch, 11.01.2012, 17:42 (vor 5411 Tagen) @ BR_103

Das ist eben die ganz grosse Frage. Ungeachtet dessen das ich auch schon sehr oft vom Ostbahnhof los gefahren bin und zu Zub ohnedies meistens erst hinter Spandau kommen, ...

Das Zub beginnt bei aus Berlin in Richtung Hamburg/Wolfsburg abfahrenden Zügen zu 99,9% erst in Spandau mit der Fahrkartenkontrolle. Vorher hat es auch gar keine Zeit dafür.

...so möchte ich die Aussage aus dem Betreff ganz massiv in Frage stellen.

Ich nicht.

...das das Berliner Personal sowohl konzernintern wie auch bei den Fahrgästen einen sehr üblen Ruf hat.

Soso, Berliner Personal hat einen sehr üblen Ruf. Kann ich nicht nachvollziehen.

Gehts jetzt hier um Mitarbeiter im Reisezentrum?

ja aber..........

Ralf schrieb in seinem Betreff ausdrücklich was von Zugbegleitpersonal

... auch um die Zub

Mein B1 und ich werden immer ganz entgeistert angesehen, wenn bekannt wird, daß wir in der Berliner Einsatzstelle arbeiten: "Waaas? Ihr seid Berliner?" Anfangs fragten wir anfangs immer nach, was daran denn so unglaublich sei. Tja - dann kam immer das Vorurteil, von wegen faules und arrogantes Berliner Personal, verbunden mit der Feststellung seitens der Kollegen, daß das ja gar nicht stimmt. Wir erfuhren dann Storys, wie in anderen Einsatzstellen gearbeitet bzw. das Fremd-Zub eingeteilt wird. Es kam nicht selten vor, daß die Fremdpersonale Wagen 1-7 kontrollieren sollten, während sich die übrigen Zub einen Bunten in den restlichen Wagen machten.

Bei mir und meinem B1 wurde und wird das Personal so eingeteilt, daß niemand zuviel oder zu wenig arbeitet. Wenn einer der Kollegen Pause machen möchte, dann macht er seine Pause - und geht danach wieder in seinen zugeteilten Bereich. Bei den anderen Einsatzstellen war es so, daß ihm das schlichtweg verboten wurde.

So etwas hatte ich in den ersten Jahren, die ich in Berlin arbeitete, auch erlebt: Ich sollte in den Wagen 1 - 4, oft auch Wagen 1 - 5 Fahrkartenkontrolle machen - und wehe, wenn ich den Bereich verlasse. Damals bin ich sehr viel mit Kollegen aus Frankfurt gefahren. Nun, das prägt.

Als ich dann wieder Zugführer in Berlin wurde, habe ich nicht gleiches mit gleichem vergolten, sondern habe es so gemacht, wie ich es schon früher gern gehabt hätte: jeder macht nicht zuviel und nicht zu wenig. Alles wird gerecht verteilt. Die immer noch positiven Reaktionen geben mir Recht. Manchmal läßt es sich nicht vermeiden, daß die Arbeitsbereiche etwas ungünstig verteilt werden müssen, dann sehe ich aber zu, daß der Kollege wenigstens halbwegs vernünftig Pause machen und seinen Kaffee (oder was auch immer) trinken kann.

Das Berliner Zugbegleitpersonal kommt mittlerweile aus folgenden aufgelösten und teilweise noch existierenden Einsatzstellen:

Wenn also ein "cooler" Kölner Zub nach Berlin wechselt, wird er automatisch ein arroganter Berliner? Interessant...

Ob da nun in Berlin die Mitarbeiter der RZ wirklich durchgehend unfähig für den Kundenkontakt sind, möchte ich darüber hinaus auch bezweifeln. Ich hab schon öfter in Berliner Reisezentren und Lounges Kontakt mit dem Personal gehabt und kann mich nicht erinnern, dass ich schlechter oder besser behandelt wurde als in anderen Städten.

Die Mitarbeiterinnen der Lounges in Berlin, Leipzig und Dresden haben schon seit geraumer Zeit eine "neue" Chefin. Sie läßt gar nicht zu, daß ihre Mitarbeiter schlecht mit dem Kunden umgehen. Ich kenne sie persönlich und schätze sie sehr. :-)

Wobei es da gerade auch in der Lounge einige Mitarbeiter gibt die, sagen wir mal, sehr spröde sind. Um das einfach mal noch halbwegs vorsichtig auszudrücken.

Klar. Noch ein Vorurteil. Versuche Dich doch ganz einfach mal, in die Lage der betroffenen Personen hineinzuversetzen. Das kannst Du wahrscheinlich nicht. Versuche es trotzdem:

Stell Dir vor, Du verlierst aufgrund einer Umstrukturierung Deinen Job. Du wirst zwar in der Firma weiterbeschäftigt, aber völlig beschäftigungsfremd zu dem, was Du gelernt und jahrelang gearbeitet hast. Manche der Kolleg/innen haben in der Tat "Akten sortiert", sprich, sie hatten überhaupt keinen Kundenkontakt. Plötzlich haben sie ihn ungewollt, denn sie landeten in der Lounge, bei den Gastronomen im Zug oder gar im Zugbegleitdienst. Die Umgewöhnung, plötzlich ein Dienstleister zu sein, geht nicht von heute auf morgen und schon gar nicht per Verordnung. Das ist ein jahrelanger Lernprozeß. Je älter der einzelne Mitarbeiter ist, desto länger dauert es.

Im Übrigen waren die Deutschen noch nie Dienstleister und werden noch ewig brauchen, bis sie soweit sind. Vergleiche die südländische Gastfreundschaft mit der deutschen. Italiener, Griechen, Türken sind gefühlt gastfreundlicher als Deutsche, Franzosen und Briten.

Entsprechen Deine Vorurteile wirklich noch der Realität? Ich habe den Eindruck, daß manche ihre Vorurteile regelrecht pflegen, weil sonst ihre vermeintlich "heile" Welt zusammenbricht. Ich hoffe nicht, daß Du dazugehörst.


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