Auto, Auto, Auto (Allgemeines Forum)

Südfeld, Donnerstag, 06.01.2011, 23:49 (vor 5616 Tagen) @ joerg-dd

Die Bahn hat halt ein schlechtes Image in Deutschland. Wir haben kein Auto, machen unsere Fahrten mit Fahrrad, ÖPNV, Bahn (fast immer mit Sparpreisen) und seltenst Car-Sharing (man kommt ja fast überall hin) und die meisten Leute schauen uns schief an...

Wenn man z.B. das Ruhrgebiet mit Berlin oder Baden-Württemberg vergleicht, sind die Unterschiede eklatant. In vielen Großstädten, aber auch z.B. in Freiburg oder Karlsruhe steigert der Verzicht aufs Auto womöglich sogar das Ansehen, oder nicht?

Auch wenn es besser sein könnte, kann man sogar im Ruhrgebiet ohne Auto auskommen. In fast allen Städten über 200.000 Einwohnern braucht man, relativ zentrums- bzw. bahnhofsnah wohnend, definitiv kein Auto (über Leipzig und Dresden müsste ich allerdings aus verschiedenen Gründen nachdenken). Selbst in Duisburg mit dem bundesweit wohl mit Abstand schlechtesten ÖPNV-Angebot und -Management, bezogen auf andere Städte vergleichbarer Größe, geht das. Allerdings ist dort der in Frage kommende Wohnsitzbereich um Zentrum/Bahnhof, wo es ohne gravierende Komforteinbußen möglich ist, enorm eingeschränkt. Das Mobilitätsangebot der Bahn hingegen ist in allen Ruhrgebietsmetropolen im Fernverkehr top (Nahverkehr ist ein eigenes Thema).

Aber meine Mitmenschen vom Bahnfahren zu überzeugen ist sehr schwierig.

Als überzeugter Rad-, ÖPNV- und Bahnfahrer, der trotz Führerschein noch nie ein Auto besessen hat, versuche ich niemanden vom Zugfahren zu überzeugen. Das hat zwei Gründe: Zum einen möchte ich - ganz egoistisch - auch weiterhin gern günstige Sparpreise bekommen und auch im KRM-ICE mittags allein am Fenster sitzen können (zum "Glück" ist das Marketing der Bahn aufgrund der Kapazitäten insgesamt wohl kaum auf steigende Nachfrage ausgerichtet). Zum anderen möchte ich "Gutmenschentum" vermeiden. Die "moralische Überlegenheit", die überzeugte Nicht-Autofahrer gern - und häufig ungefragt - zum Ausdruck bringen, ist mir weitestgehend fremd.

Aus beiden Gründen - und der Überzeugung, dass auf absehbare Zeit die katastrophale Verkehrspolitik und das unterirdische Bahnmanagement in D nicht zu ändern sind -, bin ich auch nicht Mitglied in entsprechenden Vereinen und Verbänden.

Die Komplexität des Preissystems schreckt sicher viele ab, kann aber umgekehrt ebenso eine produktive Herausforderung darstellen - wie für Unmengen Autofahrer das Leben unter der Motorhaube. :-)


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