Doppelstockwagen im Mittelstreckenverkehr !!! (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Samstag, 18.12.2010, 11:05 (vor 5594 Tagen) @ grounder
bearbeitet von Oscar (NL), Samstag, 18.12.2010, 11:08

Hallo ICE-Fans,


ich habe mich das Artikel, die heutige Situation bei der Bahn sowie die Beiträgen hier angeschaut, und bin der Meinung, dass Doppelstockwagen für den Fernverkehr ungeeignet sind, aber im Mittelstreckenverkehr Sinn machen. Mit einem gut ausgeklügelten Geschäftsmodell kann es sogar ein Riesenerfolg a la IC'79 erneut erleben!

Ich komme selber aus einem Land wo Doppelstockzüge im "Fernverkehr" zum Alltag gehören. Von Den Helder via Amsterdam und Utrecht bis Maastricht, von Vlissingen bis Amersfoort, von Den Haag via Rotterdam bis Venlo fahren Doppelstockzüge als "IC". Auf meiner Stammstrecke Eindhoven-Utrecht sogar in 15-Minutentakt und in der HVZ mit 12 Wagen die alle gebraucht werden. Vereinzelt sind alle 1168 Plätze einer solchen 12-Wagen-IC-Dosto besetzt und muss man sogar in der 1. Klasse stehen.

In diesem Absatz habe ich absichtlich die Worte "Fernverkehr" und "IC" in Zitatszeichen geschrieben. Das hat 2 Gründe:

1. Die genannte Begriffe sind in NL und DE unterschiedlich. Nur die Aufgabe des Produktes ist dieselbe: schnelle Verbindungen zwischen Städten schaffen (in Deutschland erfüllt auch der ICE diese Aufgabe).
2. Die NL-Dostos sind ursprünglich gar nicht als IC konzipiert worden; für den IC hatten man bereits 1981 schon Wagenzüge (ICR) und einige Jahre später die Koploper-Triebwagen (ICM). Daher auch der name IRM: InterRegioMaterial.

Wenn man Doppelstockwagen im deutschen Fernverkehr einführen möchte, muss man folgendes bedenken:

1. Im deutschen Fernverkehr reisen sowohl Geschäftsleute als Urlauber. In einem Doppelstockzug muss man irgendwie Treppen steigen. Das geht locker mit einer Aktentasche, aber nicht so locker mit 2 schweren Gepäckstücken. In NL reisen dagegen meistens Pendler mit dem Zug, oder Tagestouristen mit relativ wenig Gepäck.
2. In Deutschland ist die Bahnsteighöhe meistens 76 cm. Damit wird es schwierig, einen Doppelstockzug zu konzipieren, bei dem zumindest ein Stockwerk stufenfrei begehbar ist. In CH und FR sind die Bahnsteige niedriger und geht das also. In NL hat man das Problem nicht gelöst sondern ausgehebelt: Rucksacktourist statt Snacktrolleyfahrer. Das deutsche Cateringangebot reicht aber nicht für einen Rucksack aus. Zudem verbleibt bei einem "Mittelstockeinstieg" den Mobilitätseingeschränkten nur noch die Balkons.
3. Ich kenne (abgeshen von CNL) keine Doppelstockzüge mit Abteilen. "Alles Grossraum" durfte für viele ICE-Fahrgäste unerwünscht sein.
4. Der Sitzplatzgewinn zu einem einstöckigen Zug ist nicht so groß wie man denkt: in NL etwa 20%. Dafür schafft man aber viel Raum für Klappsitze, Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen usw.

"Ja, aber in Frankreich fahren doch auch schon mehr als 15 Jahre TGV-Duplex?"
Das hat aber folgende Gründe:

1. bereits einige Monate nach Inbetriebnahme der TGV musste man die Leistungen Paris-Lyon mit Doppeltraktionen fahren. Züge noch länger machen ist dort nicht möglich (in DE auch nicht).
2. die Zugfolgezeit auf der LGV war schon auf 3 Minuten verkürzt. Mehr Trassen konnte man damals nicht mehr hinkriegen. Es müsste dann eine neue Strecke gebaut werden, dafür fehlte aber das Geld.
3. man hatte bereits die Sitze enger aufeinander gestellt. Noch enger wäre ein grosser Komforteinbuss.

Von der bei 2 beschriebenen Situation ist man in Deutschland aber noch weit entfernt: auf K-F fahren die ICEs nur 7x pro 2 Stunden, auf K-(N/S)-M verkehren noch reichlich Züge als 1x403 und ICs mit 12 oder mehr Wagen muss man in Deutschland gut suchen.

Dennoch denke ich, dass Doppelstockzüge in Deutschland Sinn machen. Allerdings nicht im Fernverkehr, sondern im Mittelstreckenverkehr! Also etwa die Abstände die bei uns als "Fernverkehr" gelten.

1. im Mittelstreckenverkehr gelten die negativen Gepäckargumente weniger;
2. im Mittelstreckenverkehr liegen oft kleinere Bahnhöfe, wo ein IC-Langzug nicht halten kann, aber interessant genug sind für etwas mehr als ein stündlicher 5-n-Wagen-RE;
3. die Kosten pro Sitzplatz durften geringer sein als die des IC-Wagenzuges;
4. Mittelstreckenverkehr ist stärker nachgefragt als Fernverkehr.

Ehere Beiträge zum Thema: 1, 2.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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