Gedanken zu Fernverkehrs-Dostos (Allgemeines Forum)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 18.12.2010, 14:24 (vor 5598 Tagen) @ Oscar (NL)

Moin!

Das Rundum-Sorglos-Paket zum Billigpreis, das die DB wohl haben möchte, sprich der ICX verzögert sich, so erinnert man sich des Doppelstockauftrages und zwackt da Wagen ab (die HAZ nennt Nürnberg - Leipzig als mögliche Einsatzstrecke).

ich [...] bin der Meinung, dass Doppelstockwagen für den Fernverkehr ungeeignet sind, aber im Mittelstreckenverkehr Sinn machen. Mit einem gut ausgeklügelten Geschäftsmodell kann es sogar ein Riesenerfolg a la IC'79 erneut erleben!

Das Problem in Deutschland ist, daß es keinen Mittelstreckenverkehr gibt, rein offiziell. Es gibt Nahverkehr ( = ausgeschrieben) und Fernverkehr ( = eigenwirtschaftlich) und ein paar Mischformen.

Ich komme selber aus einem Land wo Doppelstockzüge im "Fernverkehr" zum Alltag gehören. Von Den Helder via Amsterdam und Utrecht bis Maastricht, von Vlissingen bis Amersfoort, von Den Haag via Rotterdam bis Venlo fahren Doppelstockzüge als "IC".

Das würde wohl - ähnlich wie die Verkehre in der Schweiz - von Reiseweite und -dauer unter Mittelstreckenverkehr laufen.

Wenn man Doppelstockwagen im deutschen Fernverkehr einführen möchte, muss man folgendes bedenken:

1. Im deutschen Fernverkehr reisen sowohl Geschäftsleute als Urlauber. In einem Doppelstockzug muss man irgendwie Treppen steigen. Das geht locker mit einer Aktentasche, aber nicht so locker mit 2 schweren Gepäckstücken.

Das ist so korrekt.

2. [Bahnsteighöhen]

Das Problem mit den Bahnsteighöhen besteht. An 76 cm-Bahnsteigen muß man entweder eine Stufe hoch oder eine runter. Es muß allerdings gesagt werden, daß heute kein Fernverkehrszug einen niveaugleichen Einstieg aufweist.
Wenn ich vom bisherigen Äußeren unserer Doppelstockwagen ausgehe, dürfte der Einstieg durch die breiten Türen jedoch leichter sein.
Fürs Catering gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder stationär (personal- oder auch maschinenbedient) oder mobil - hier in Niedersachsen gibt es Leute, die mit ihren Cateringtrolleys die Stufen hoch und runter klappern.
Für Mobilitätseingeschränkte werden in den Wagen mit Tiefeinstieg Plätze angeboten - ich kenne das aus den Steuerwagen, die es hier nicht mit Hocheinstieg gibt. Das sollte auch kein Problem sein.
Problematischer dürfte das Gepäck sein: In Hocheinstiegwagen gibt es keine Alternative zu Gepäckfächern in den Großräumen - neben den Türen ist kein Platz und eine potentielle Gefahr für Diebstähle.

3. Ich kenne (abgeshen von CNL) keine Doppelstockzüge mit Abteilen. "Alles Grossraum" durfte für viele ICE-Fahrgäste unerwünscht sein.

Tja, Pech gehabt. Abteile werden ohnehin eine Seltenheit.

4. Der Sitzplatzgewinn zu einem einstöckigen Zug ist nicht so groß wie man denkt: in NL etwa 20%. Dafür schafft man aber viel Raum für Klappsitze, Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen usw.

Ein Fernverkehrs-Doppelstockwagen würde weniger als die 120 bis 130 Plätze eines Regionalverkehrs-Doppelstockwagens haben.
- Platz für Gepäck (der ist zwingend erforderlich)
- Größerer Sitzabstand
- Eventuell Innentüren zwischen Türbereich und Großräumen

Dennoch denke ich, dass Doppelstockzüge in Deutschland Sinn machen. Allerdings nicht im Fernverkehr, sondern im Mittelstreckenverkehr! Also etwa die Abstände die bei uns als "Fernverkehr" gelten.

Es wird zu sehen sein, wo diese Wagen eingesetzt werden sollen, so sie denn überhaupt kommen.

Die geringere Höchstgeschwindigkeit (siehe Diskussion) wirkt hier ja einschränkend. Lange Verbindungen über die NBS werden kaum darunter sein, auch Auslandseinsätze sehe ich skeptisch (Zulassung).

So sie denn überhaupt kommen, sollte man sich fahrzeugtechnisch an den bisherigen Modellen orientieren, diese funktionieren sehr gut (das ist meine subjektive Einschätzung als Fahrgast, Eisenbahner mnögen das anders sehen).

Viele Grüße, Sören

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