Dänische Elektrifizierung (Allgemeines Forum)

Lars(DK), Sonntag, 14.11.2010, 19:19 (vor 5640 Tagen) @ Sören Heise

Also, traditionell war der dänische Fernverkehr Schiffsverkehr mit Nachtschiffen aus der Provinz (Århus, Aalborg usw) nach Kopenhagen, da die Bahn wg der Umstiege am Grossen und Kleinen Belt (nur Güter und Schlafwagen und der Expresszug zum Englandsschiff in Esbjerg wurden trajektiert) sehr umständlich war und lange dauerte.
Dies änderte sich erst 1935 mit der Kl Belt Brücke und den neuen Dieselblitzzügen (Fahrzeit Kopenhagen-Århus nur noch 4,5 Stunden!).
Durch die Trajektierung am Grossen Belt wollte man aber weiterhin auf Dieseltriebwagen für den Expressfernverkehr setzen, weswegen die 2. Generation der Blitzzüge (MA - auf der VT 601 aufbauend) eben weiterhin Diesel war und das neue Intercitysystem 1974 (K74) setzte deswegen auch auf Diesel (und MZ, sowie später ME bestellt). Die 3. Generation Blitzzüge sollte aber ein Wagenzug werden.
Die Ölkrise 1979 bedeutete den Umstieg und man plante, die Hauptstrecken zu elektrifizieren, insbesondere, da man davon ausging, die feste Querung über den Belt stünde Anfang der 1990er fertig. Da sich zeigte, das dies nicht der Fall war, und die die Aussenstrecken in Jütland (Vejle-Herning-Struer, Lunderskov-Esbjerg, Langå-Struer) nicht rentabel elektrifiziert werden würden (wie auch die seeländischen Strecken Roskilde-Kalundborg, Ringsted-Vordingborg usw), und staatlicherseits der Ausbau und die Elektrifizierung nördlich Fredericia wg schlechter Finanzlage weggespart wurde, sowie zugleich ein neues Stundenmodell für den Fernverkehr entworfen worden war, erfolgte der Umschwung und der IC3 wurde entwickelt und die ersten Züge ab 1989 geliefert. Die Querung sollte aber weiterhin elektrifiziert wergen, gerade wg des Güterverkehrs.
(Es gibt einen kleinen Anfang von Fahrdraht in Århus, der als ELektrifizierungsmahnmal politischerseits gewollt war).
Die Elektrifizierung wurde deswegen zunächst nur bis Fredericia geplant und dazu passendes Material entwickelt, der IR 4. Da die Elektrifizierung aber schnell voran ging und der Transitgütertransport über Padborg beschlossen worden war, elektrifizierte man Richtung Süden weiter und auch nach Sønderborg, obwohl das Verkehrsaufkommen dort schwach war und ist - aber jetzt war man ja im Gange und es bot sich halt an. Zugleich ergab dies den Vorteil IR4 durchgängig einsetzten zu können.
Bei der Bestellung der IC4 Anfang des Jahrtausends war das Argument, dass die Elektrifizierung und der Ausbau nördlich Fredericia zu teuer werden würden. Also setzte man weiterhin auf Diesel.
Jetzt wird aber diskutiert, ob dies gesellschaftlich wirklich sinnvoll ist, und daher eine Elektrifizierung bis Århus/Aalborg erwogen.
So wird das nächsten Jahrzehnt bis zur Abwanderung von IC4 in Regionaldienste auf jeden Fall weiterhin Mischbetrieb bieten.
Alles in allem: typisch dänische Stop-and-go Verkehrspolitik mit vielen vertanen Chancen - man hätte halt in den 1980 doch weiterelektrifizieren sollen...von HGV ganz zu schweigen.
So bleiben die Fahrzeiten Richtung Westen und Süden weiterhin nicht wirklich aufregend ;-))
Hoffentlich war dies nicht zu viel Geschichte ;-))??
Bg
Lars


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