Verkehr Güter versus Personen (Allgemeines Forum)

ICE-T-Fan, Freitag, 22.10.2010, 01:58 (vor 5690 Tagen) @ bigbug21

Hallo ICE-T-Fan,

Wenn man allerdings von einer Konstanthaltung der Anzahl der Personenzüge ausgeht und diese in Zukunft einfach besser auslastet, bleibt als einzige Wachstungssparte noch der Güterverkehr und dafür wäre eine güterzugtaugliche Strecke zwischen Stuttgart und München durchaus sinnvoll.


Damit widersprichst du sowohl der Entwicklung der letzten 15 Jahre als auch sämtlichen Szenarien der einschlägigen Verkehrsprognosen. Diese gehen zwar im Güterverkehr von einem deutlich stärkeren Wachstum als im Personenverkehr aus, sehen aber die Schiene teils stärker wachsend als die Straße. (Dass für den Prognosehorizont 2025 ein Ölpreis im überschaubaren zweistelligen Dollar-je-Barrel-Bereich angenommen wird, mag später noch zu einem noch stärkeren Wachstum der Schiene beitragen.)

Diese Szenarien sind sicherlich in sich stimmig und teilweise auch richtig, aber sie gehen immer von der Prämisse bzw. optimistischen Haltung aus, dass das Schienennetz entsprechend ausgebaut sein wird.

Aber seien wir doch mal ehrlich, die Infrastrukturausbauten dauern derzeit fast doppelt solange wie ursprünglich geplant, weil die Finanzierungsmöglichkeiten (politisch) abgenommen und die Streitfragen zugenommen haben.

Ich bin eher skeptisch, was das Wachstum der Schiene insgesamt in Relation zu Individualverkehr, Flugverkehr und Binnenschifffahrt angeht.

Teilweise ist die vorhandene Substanz der Bahninfrastruktur sogar rückläufig und zwar, dass ist ja das schlimme, als einziges Verkehrssystem in Deutschland. Es werden ständig neue Straßen gebaut und Flughäfenausbauten begonnen, die Binnenschifffahrt läuft in Sachen Infrastruktur stabil vor sich her, nur die Eisenbahn wird stetig reduziert.

Auch wenn ich deine Meinung bzgl. der Preissteigerung für fossile Brennstoffe teile, so wird doch der Systemvorteil der Bahn derzeit durch Kapazitätsrückgang aufgezehrt.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht völlig gegen Neubauvorhaben wie S21, SFS Leipzig-Nürnberg oder Y-Trasse bin, aber Probleme mit der singulären Anwendung auf den Personenverkehr habe. Trotz aller Zusagen halte ich größeren Güterverkehr auf den Neubaustrecken für kaum durchführbar, da die Trassen aus verschiedenen sicherlich nachvollziehbaren Gründen so gebaut werden, dass Güterverkehr nur mit massiven Einschränkungen (Steigungen, Tunnelbegegnungsverboten, geringe Trassenkapazitäten aufgrund hoher Personenzuggeschwindigkeit) möglich sein wird.

Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass die deutsche Bevölkerung schrumpft und damit auch die rechnerische Fahrgastnachfrage. In 30 Jahren wird in Deutschland auf einigen Korridoren mehr Transit- als Binnenverkehr herrschen und Transitverkehr besteht nun einmal zum größten Teil aus transportierten Gütern und nicht so sehr Fernreisenden, weil die nach wie vor eher das Flugzeug nehmen werden, auch wenn die Preise deutlich steigen werden, um die höheren Brennstoffkosten zu decken.

Aus all diesen Gründen und der schon geführten Diskussion zum nächtlichen Verkehrslärm auf den Bestandsstrecken, welche durch Siedlungen führen, glaube ich nach wie vor, dass man besser fährt, wenn man Neubaustrecken für Güterverkehr optimiert und Güterverkehr von den Altstrecke auslagert.


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