Aus dem Leben. (Fahrkarten und Angebote)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 24.01.2026, 14:21 (vor 53 Tagen) @ Alibizugpaar
bearbeitet von Der Blaschke, Samstag, 24.01.2026, 14:25

Huhu.

warum kommen solche Klabauter-Fragen nie von mir?

Weil du die moderne Welt nicht verstehst. Es zählt ausschließlich das ICH. Und selbstverständlich habe auch ich ein Recht, jede noch so kleine Regelungslücke zu meinem Gunsten zu nutzen. Das ist ganz normales Kaufmannsgeschäft.

Unter einem Aspekt allerdings ist die Diskussion tatsächlich sinnlos: ich kann noch so viel Recht haben - das nutzt mir nix, wenn's der Schaffner anders sieht. Wenn der mich raussetzt, bin ich erstmal draußen. Und/oder der 60er ist nunmal in der Welt. Da mag ich im Nachhinein recht bekommen; der Aufwand ist aber mein. Das muss jedem bei solchen Dingen klar sein.

Merksatz für's Leben: man hat nur soviel Recht, wie man Macht hat.

Als TO würde ich gucken, ob ich mir das Tix ausdrucken kann. Dann taper ich in n Reisezentrum oder sowas, muss n bißchen voll sein, dann trage ich kurz, bündig, aber freundlich und leicht demütig den Wunsch nach Zugbindungsaufhebung vor. Ich gewinne den Mitarbeiter emotional für mich. Viel Zeit hat er aber nicht, ist ja voll. Hätte er gern, weil der Kunde, also ich, angenehm ist. Und zack, so schnell kannste gar nicht schauen, ist da der Stempel auf dem Wisch. Muss man natürlich können, entsprechend zu kommunizieren.

Und dann brauche ich während der Fahrt gar niemanden stören.

Es ist so peinlich wie neulich ein heißer Tipp auf DSO "Leute, die DB hat gebuchte Tickets wegen dem Schneesturm freigegeben. Kauft euch schnell SSP für morgen, dann habt ihr Flextickets das ganze Jahr"

Peinlich ist da eher die Unfähigkeit des Verkäufers, sein Produkt wie beworben und beschrieben auch zur Verfügung zu stellen. Dessen Dilettantismus darf ich dann auch zum eigenen Vorteil nutzen. Wo ist da das Problem?

Die Sorge um den Gemütszustand des Schaffners ist allerdings unbegründet. Denn normale Reisende sind viel zu verängstigt und ohnehin völlig ahnungslos. Die kaufen eher ein neues Ticket. Kein Witz - hab ich schon erlebt. Oder man sagte, dass man Flex statt Spar kauft aus Angst, den Anschlußfernzug zu verpassen. Auch erlebt. Und öfters wurde ich im Nahverkehr gefragt, ob man mitdürfe, auch wenn ein anderer NV-Zug gebucht sei. Da wollten auch schon welche neue Tickets kaufen. FGR sind ein völliges Fremdwort. Wieviele meinen, mit Nutzung eines Folgezuges seien ihre Rechte ausgeschöpft. Die gucken mich fragend und fröhlich erstaunt an, wenn ich die Möglichkeit der Teilerstattung erwähne. Bei einer verpassen letzten Verbindung fragte mich mal ne junge Dame, ob sie jetzt, wie vom Navigator vorgeschlagen, nachts knapp 5 Std in Eschwege warten müsse und ob es da denn Aufenthaltsräume gäbe.

Das "Problem" des Schaffners sind nicht wir 5 Freaks her, sondern all die mit Bahnfahren Überforderten. Deutschland ist Autoland und wir kein Volk von Bahnfahrern. Das merkt man; die Kundschaft fremdelt zum größten Teil mit diesem Verkehrsmittel. Ich kann den Job als Fahrgastbefrager nur empfehlen - für etliche hier wäre das Realitätsschock; ihr würdet staunen, was da alles an Banalitäten gefragt wird. Im zweiteiligen Triebwagen werden Lokführer und ich gefragt, in welche Richtung es zur Toilette geht. Kein Witz, war tatsächlich so. Der Zug nach Düsseldorf soll laut Fahrplan um 13.49 Uhr von Gleis 4 nach Düsseldorf fahren. Der Kunde kommt um 13.43 Uhr auf Bahnsteig 4 an. Der Zugzielanzeiger zeigt "Düsseldorf" an. Am (einzigen) Zug steht "Düsseldorf" dran. "Ähm, der Zug fährt nach Düsseldorf?". Ja, fährt er. "Kann ich schon einsteigen?". Auch das. Sitzen ja schon welche drin. Osnabrück Gleis 5 Nord, Studentin: "Hält der Zug auch in Bremen?" Ja klar, warum denn nicht? "Da steht sonst immer Bremen dran. Aber jetzt steht hier Bremerhaven!". Ja, Bremen kommt vor Bremerhaven. Alle 2 Std fährt der Zug weiter als nur bis Bremen. "Ach so. Aber der hält dann auch in Bremen?!?". Ja.

Da sind die Leute froh, eine Zugfahrt heil und unbeschadet überstanden zu haben und überhaupt einigermaßen im Zeitrahmen am Ziel angekommen zu sein. Da kommt man doch nicht auf die Idee, wegen 2 Minuten die Zugbindung aufheben zu lassen, auch wenn man das Recht selbstverständlich hätte. Das sind reine Freak-Diskussionen hier im Forum. Das ist auch völlig in Ordnung. Spiegelt nur nicht den Alltag draußen wider.

Es wäre allerdings begrüßenswert, würde die Kundschaft selbstbewusster auftreten und deutlich nachhaltiger ihre Rechte einfordern. Das abgehoben selbstherrliche Gebaren insbesondere von DB Fern, den Zugverkehr ausschließlich nach eigenem Gutdünken und eigener Lust und Laune durchzuführen, bekäme herbe Dämpfer. Solange die Kundschaft aber viel zu brav, naiv, dümmlich ist, muss es DB Fern ja nicht stören. Wenn dann quasi als Gegenpol ein paar Freaks aus SSP Flextix machen und wegen 2 Min die Zugbindung aufheben lassen, dann ist da nichts verwerfliches kann. DB Fern könnte ja im angebotenen Fahrplan fahren.


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)


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