Technischer Hintergrund (Allgemeines Forum)

rheinbahn95, Düsseldorf, Sonntag, 21.05.2023, 22:04 (vor 374 Tagen) @ rheinbahn95
bearbeitet von rheinbahn95, Sonntag, 21.05.2023, 22:06

Der Vorteil eines klassischen Drehgestells ist erst einmal der, dass sie engere Radien zulassen, als Achsen bzw. längere Wagenkästen bei gleichem Radius, da sich die Achsen frei vom Wagenkasten drehen können. Ein weiterer Vorteil ist der ruhigere Lauf des Drehgestells, da die Kräfte zunächst nur auf eine von zwei Achsen einwirkt. Weiterhin erreicht man eine geringere Achslast - so sind wieder längere Wagen möglich bzw. schwerere (bei Reisezügen nicht unbedingt das ausschlagendste Argument). Dies schont auch die Infrastruktur.

Ein großer Nachteil von Achsen und daher auch Drehgestellen ist der Sinuslauf. Ist der Sinuslauf bei Geschwindigkeiten bis ca. 180 km/h von großem Vorteil (Selbstzentrierung), so muss man ab diesem Wert gegenwirken - z.B. durch größere Schwingungsdämpfer oder flacherem Radprofil.

Bei Talgozügen hast du keinen Sinuslauf. Hier hat man also einen ruhigeren Lauf. Der fehlende Sinuslauf wirkt sich aber negativ auf den Radkranz und die Infrastruktur aus, da in Gleisbögen die Räder auflaufen. Dies wird durch die passive Neigetechnik der Züge kompensiert (Drehpunkt ist hier oben und nicht unten wie beim ICE-T).

Ein Problem der Losradaufhängung ist die verminderte mögliche Achslast, weswegen die Talgowagen allesamt deutlich kürzer sind, als die uns bekannten ICE-Wagen.

Ein höhere Vorteil ist aber der: Talgozügen sind in Bereichen ohne Drehgestelle (erster und letzter Wagen) barrierefrei und können ebenerdig betreten werden (schnellerer Reisendenwechsel).

Warum also Talgo-Züge? Weil es nicht das perfekte System für Züge über 180 km/h gibt


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