Interessante ITinerarii im Immunisierungs-Impf-Iahr: Okt 2/2 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Mittwoch, 07.12.2022, 22:58 (vor 1199 Tagen) @ Krümelmonster

Nun sind wir schon bei der Rückfahrt angelangt. Wir schreiben mittlerweile schon den 1. November (in dem Monat bin ich eigentlich fast nie unterwegs^^).
Am letzten Morgen deckte ich mich ein für die lange Zugfahrt und besorgte die Grisbi-Kekse. Ich kaufte zwei Croissants, zwei Flaschen Wasser, fünf Sandwiches und neun Packungen Kekse (nur letztere waren dafür bestimmt, den Tag zu überleben^^). Dafür zahlte ich fast 70 €, das war mehr als mein Sparpreis 1. Klasse von Bari nach Bologna. :-O (Der Grund für die 1. Klasse war halt der günstigere Fahrpreis :p)

Mein Zug war in Lecce gestartet, wenn ich das richtig gesehen habe, war in Bari nach gut 1½ h in Bari schon Tf-Wechsel. Er nannte sich IC, war vom Halteschema her aber eher mit einem deutschen RE vergleichbar: In den folgenden fast 7 h würde er 23 x halten. Bis zum ersten Zwischenhalt war er 18 min unterwegs, dann folgten Halte im Abstand von 5, 6 und schließlich 7 min. Der längste Nonstop-Abschnitt waren 45 min bis Pescara, nur dreimal lagen zwischen zwei Halten mehr als 25 min.^^ Aber selbst dieser Zug hat in der zweitkleinsten Region Italiens nur einen einzigen Halt. :D
Fast die ganze Fahrt führte entlang der Küste, die man auch wirklich oft sehen konnte. Könnte also schlimmer sein. =) Die Ticketkontrolle fand erst nach 2½ h statt, da war der Zug bereits in der dritten Region (die italienischen Regionen sind vergleichbar mit unseren Bundesländern, es gibt 20 Stück, die Kompetenzen der Regionen in der Gesetzgebung dürften mindestens so groß sein wie die unserer Bundesländer). In Apulien war es zunächst noch sonnig. In Molise, die bereits zu Mittelitalien gehört, zog es sich zu. Und später begann es just am Übergang von Mittel- zu Norditalien das erste Mal zu regnen.^^ Nach gut 3 h wurde gleich mal 9 min vor Plan Pescara erreicht – trotz nur 2 min Planaufenthalt fand hier eine Überholung statt.^^
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547 Allein unter Snobs
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548 (Halb-)tote Züge in San Severo, dem nördlichsten Halt in Apulien
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549 Schneller als der Sturm
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550 Dabei haben wir Süditalien doch gerade verlassen… :-s
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551 Blick aufs Meer in Molise, der zweitkleinsten Region Italiens (ca. 1¾ x die Fläche vom Saarland^^)
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552 Kutter bei Ortona, schon in Abruzzen, der nächsten Region
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553 Die Regionshauptstadt Pescara schaut nicht so einladend aus^^
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554 Auf dem Nebengleis fährt der Frecciabianca nach Venedig ein
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555 Da zieht er weiter
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556 IC haben Triebköpfe, die wie unsere ICE-Triebköpfe ausschauen, aber Freccebianche sind Lok-Wagen-Züge mit Sandwich-Bespannung^^
Der nächste Tf war womöglich starker Raucher, denn nun überschritt der Zug an jeder Station die Wartezeit deutlich. Zwischenzeitlich war der Zug mal bei + 14. Oder es lag daran, dass sich der Zug in der Region Marken an jeder Station erheblich füllte. Erst in der Regionshauptstadt Ancona gab es etwas mehr Aussteiger als Einsteiger. Nun war ich durch zumindest 18 der 20 italienischen Regionen wenigstens durchgefahren, mir fehlen nur noch Sardinien und das Aosta-Tal.^^
Ab Ancona ging es noch mit + 9 weiter. Zwischen Pesaro und Riccione brauchte er nur 12 min statt der planmäßigen 19. :-O In Riccione, dem ersten Halt in der Region Emilia-Romagna begann es zeitweise zu regnen. Nach Riccione fährt der O-Bus von Rimini als einspurige Überland-Strecke, so etwas hatte ich auch noch nie gesehen. Die Haltestellen waren zweispurig und mit Ampeln ausgestattet, dazwischen war nur Platz für einen O-Bus, aber die Oberleitung für beide Richtungen getrennt vorhanden – wäre ja sonst unpraktisch. ;-) Richtung Bologna wurde das Wetter dann zusehends depressiv. :/
Bologna wurde 1 min vor Plan erreicht. In Pescara waren 20 Grad gewesen, 2½ h später in Riccione, wo der Regen begann, immer noch 17 Grad, weitere 1½ h später waren in Bologna nur noch 13 Grad übrig.^^
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557 Da oben auf dem Berg liegt Silvi Paese
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558 Riposa in pace, puntualità
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559 Come una tartaruga
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560 Loreto, kurz südlich von Ancona
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561 Blick auf Ancona
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562 Auf die Apokalypse ist man hier vorbereitet
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563 Fluchender Bahnhof^^
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564 – 565 Blick Richtung Istrien
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566 Interessante Treppenhäuser
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567 Hier wird vermutlich nicht so häufig Mikado gespielt wie anderswo ;-)
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568 Strand
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569 Überland-O-Bus
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570 Die einspurige Strecke (aber mit nach Richtungen getrennten Oberleitungen)
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571 Die Haltestellen sind aber zweispurig
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572 Zwischen Riccione und Rimini
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573 Nun wird es wirklich novemberhaft depressiv
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574 Nach 6:53 h angekommen
In Bologna hatte ich 50 min Umsteigezeit. Der Brenner-EC wurde erst 4 min vor Abfahrt bereitgestellt, die Abfahrt gelang dann mit + 1.^^ Die Fahrt führte weiter nordwärts durch depressives Wetter.
Bei der Wahl der Verbindungen war ich sehr eingeschränkt. Den Zug mit Ankunft in München um 20:30 Uhr hätte ich nur bekommen, indem ich in Apulien kaum später losgefahren wäre als für die Verbindung bis 18:30 Uhr nach München. Also arg früh. Deshalb entschied ich mich notgedrungen für die Ankunft um 22:30 Uhr. Problematisch war gar nicht der Abschnitt entlang der Ostküste (wenige große Städte; keine Rennbahn; überwiegend, aber nicht durchgehend für 160 - 180 km/h ausgebaut, 200 erst nördlich von Ancona; kein Durchgangsverkehr, denn hinter Apulien ist ja nix mehr^^). Problematisch war auch nicht der langsame & kurvige Abschnitt übern Brenner. Problematisch an der heutigen Strecke war tatsächlich der Abschnitt von Bologna nach Verona – eine Strecke, die fast durchgehend für 190 – 200 km/h ausgebaut ist und zwei wirklich große Städte (über 250.000 bzw. fast 400.000 EW) verbindet. Bologna ist zudem eine sehr schöne Stadt, auf dem deutschen Quellmarkt bisher wenig bekannt; überdies bietet Bologna Umsteigemöglichkeiten an die Rennbahnen sowie an die Ostküstenstrecke. Zwar fahren zwischen Bologna & Verona zweistündlich Frecce (und gelegentlich auch mal ein Italo), die sind aber urst teuer, weil sie eigentlich die Aufgabe haben, die Südtiroler Separatisten an Rom (bzw. an die Rennbahnen) anzubinden. Die Frecce haben auch keine vernünftigen Anschlüsse an die Brenner-ECs. -.- Die Regionalzüge sind auf der Strecke fast 30 min langsamer. Ich wünsche mir ja seit langem die Verlängerung aller Brenner-ECs bis Bologna! Oder meinetwegen auch ein paar mehr Züge nach Venedig. Aber bitte keine unmotivierten Wenden mehr in Verona! -.- Wegen des schlechten sonstigen Angebots sitzen in den Brenner-ECs südlich von Verona regelmäßig viele schreiende Italiener.^^ Wer nur zwischen den beiden Städten fahren möchte, für den sind die Preise der Frecce abartig hoch, und die Regios fahren nicht so häufig…
In Verona stand am Nachbarbahnsteig ein komischer alter Zug. Als Betreiber wurde interessanterweise Trenitalia angesagt. :-s Es dämmerte schon reichlich und regnete noch mehr. Zum Zeitpunkt der Weiterfahrt passierte: nichts. Immer wenn ich in Italien bin und es regnet, funktioniert bei Bahnens nix mehr. Ferrovie dello Stato ist wasserscheu wie ne Katze. :D Los ging es dann mit + 9, die der Zug bis Bozen sogar auf + 17 steigern konnte. Selbst hier wurde bei der Ticketkontrolle auch der Green Pass kontrolliert – eigentlich logisch, es ist ja ein Fernzug in Italien. Nur in Schland ist das natürlich nicht möglich… Die Kontrolle erfolgte übrigens durch den Zub in DB-Uniform.
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575 Regionalzug von Bologna zum Brenner. Braucht tatsächlich „nur“ eine Dreiviertelstunde länger als der Ösi-EC.^^
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576 Kurz auf den Bahnhofsvorplatz
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577 Ich dachte immer, die am Reisetag angezeigte Reihung würde stimmen. Aber nach über 1½ Jahren Seuche zeigt die DB immer noch einen Speisewagen an. -.-
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578 Da ist das Ding
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579 Parallelausfahrt mit dem EC nach Triest
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580 Irgendwann schaffen wir es, ihn abzuhängen
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581 Ins November-Grau
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582 Wartungsfahrzeuge
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583 – 584 Zeitreisende
Nördlich der Sprachgrenze wurde die Verspätung etwas reduziert. Mit dem sonnigen 20 Grad von heute Vormittag hatte das Wetter nun wirklich gar nichts mehr zu tun. :-O Am Brenner traf der Zug noch mit + 11 ein. Etwas Aufenthalt gab’s natürlich trotzdem für das Aktivieren der Mg-Bremsen (?) und den Systemwechsel. Mit + 8 ging es bergab.
In Italien hatte ein Herr mit österreichischem Akzent die längeren deutschsprachigen Ansagen gemacht (das Trenord-Personal kann auf Deutsch häufig nur kurz den nächsten Halt ansagen). Bisher hatte ich in den Zügen immer deutsche Zugchefs gesehen. :-s Vom Brenner bis Innsbruck sprach ein Deutscher. Ab Innsbruck war es ein Urbayer, seine Ansagen nur auf Urbayrisch (kein Norddeutscher könnte das verstehen :D) und Bewärien Inglisch, aber nicht auf Italienisch. An jeder Station: "So, mei Domn und Heean, jetzad is scho widda so weid: Mir ereichans unsan näxdn Hoid…“ Er machte dann stets eine Kunstpause. „… Wöööagl. Nadierli erreichans aa hiia ååle vorxenganen Oschlisse!" :D Hinter Kufstein sprach wieder der Deutsche, der schon vom Brenner bis Innsbruck gesprochen hatte. Was machen die da? :-s Bis zur Ankunft in Kufstein konnte die Verspätung vollständig abgebaut werden.
Dennoch ging es ab Kufstein mit + 3 weiter. Und nicht gerade schnell. Die Bundespolizei ging durch und kontrollierte in meinem Wagen nur den arabisch aussehenden Typen hinter mir, bis sie merkten, dass es sich um den Gastro-Menschen handelte. Die DB schaffte es dann, dem in Kufstein noch pünktlich angekommenen Zug wieder 9 min Verspätung aufzudrücken. Als wir im Vorhof vom Herzen des Schwarzen Kontinents standen, wurde durchgesagt: „Wir müssen noch etwas warten, da unser Einfahrtsgleis noch belegt ist.“ Kurz darauf fuhren wir auf Gleis 6 ein, dem abgelegensten verdammten Gleis des ganzen Bahnhofs (Gleis 5 wird nicht genutzt, dachte ich zu dem Zeitpunkt). Währenddessen waren die Gleise 11, 12, 13 & 14 in der Haupthalle alle frei… Der Zugang zum Flügelbahnhof (mit z B Gleis 6) erfolgt über Gleis 11. Just an Gleis 11 hat man dann 2 min später den Railjet aus Budapest entladen, um das Gewühl "perfekt" zu machen. Meine Fresse! Es sollte Fv einfach verboten werden, an diesem Flügelbahnhof da hinten einen fahren zu lassen. -.-
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585 Am Brenner: Huch! Ist das etwa …!
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586 Jap, Schnee! :-O Heute Morgen erst war es doch noch sonnig! :-O Mein Knochen verkündete + 3 Grad als Temperatur.
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587 Noch mehr Schnee
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588 Angekommen in München
Jetzt stand ich da also, mit vollem Rucksack, großem Koffer, Laptop-Tasche und zwei Supermarkttüten mit Keksen.^^ Und stellte fest, dass die Unterweltsbahn nicht fuhr. Bei der Alternativroute hatte ich dann auch noch 19 min Umsteigezeit. -.- Immerhin war es mit 7 Grad stolze 4 Grad wärmer als oben am Brenner. Aber immer noch ordentlich kälter als die 21 Grad tags zuvor. -.- Dementsprechend wenig begeistert war ich über den Verlauf der Fahrt in Deutschland. ;-)

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589 Hier noch die Route


Es fehlt noch die obligatorische Statistik für die beiden Oktober-Kapitel. Es geht um die Fahrten von Berlin-Hbf. nach München-Hbf., wie immer ohne Bus. Trammen gab es ja diesmal keine.^^
Insgesamt waren es 32 Fahrten, die 50:36 h dauerten (davon 5:57 h für Zwischenhalte), also 1:35 h/Fahrt. (Die lange Durchschnitts-Dauer hat mich auch überrascht bei den vielen kurzen Fahrten zwischendurch, aber An- und Abreise waren ja doch lang). Es wurden 4.105,7 km zurückgelegt (davon 812 km in DE, 222 km in AT & 3.071 km in Italien). Das macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 92 km/h – fand ich auch überraschend bei den ganzen Fahrten auf den langsamen Nebenbahnen, aber es war ja auch einmal Berlin – München dabei (149 km/h), Bozen – Rom (94 km/h), Rom – Neapel (110 km/h, dabei war es „nur“ die Altstrecke), Caserta – Bari (ebenfalls 110 km/h) und Bari – Bologna (106 km/h). Die Ausflüge nach Alberobello/Locorotondo & nach Matera wurden in Diesel-Fahrzeugen zurückgelegt, das entspricht 5,4 % der Gesamt-Distanz. 56 Minuten Abfahrtsverspätung standen 88 Minuten Ankunftsverspätung gegenüber, jede Fahrt verlängerte sich im Schnitt also um genau eine Minute. Sechs Fahrten waren in der Ankunft um min. 5 min verspätet, das macht eine Pünktlichkeitsquote von 81 %.
In Italien schaffte ich stolze 1.300 km neue Strecke (grob gesagt 650 km Rimini – Falconara Marittima – Foggia – Bari – Brindisi, 200 km Falconara Marittima – Orte im ICN, 150 km Caserta – Foggia und 300 km Kleinvieh). Das entspricht immerhin 31,8 % der gesamten Strecke.
Der Preis lag bei recht hohen 8,7 ct/km. Normalerweise wird dieser Wert durch kurze Strecke in die Höhe getrieben und durch lange Fahrten nach unten gedrückt, aber Bozen – Rom war im Schlafwagen schon bei über 10 ct/km, Caserta – Bari lag kurzfristig gebucht (so 1 – 2 h vor Abfahrt) bei 17 ct/km und Bari – Bologna war mit 9 ct/km auch nicht gerade günstig.


Am Ende noch eine Frage an die Schwarm-Intelligenz dieses Forums: Gibt es in Italien eigentlich überhaupt hässliche Städte? :-s
Latina (Stück südlich von Rom) ist eine Planstadt aus der faschistischen Zeit, aber dahingehend ja auch wahrscheinlich interessant. Ein paar Städte wie z. B. Pescara gelten als untouristisch, aber auch nicht abstoßend hässlich. Ansonsten wüsste ich echt nichts. :-s


Ein paar km in Italien kommen im nächsten Bericht. Das wird aber kein eigener Italien-Bericht. ;-)


Ein paar Mal hatte ich ja schon erwähnt, dass ich bestimmte Sehenswürdigkeiten bewusst für einen Urlaub über Silvester übriggelassen hatte. Für Italien hielt ich die Planungssicherheit tatsächlich für relativ hoch – solange keine neue Mutation kommen. Ich wollte es eher kurzfristig buchen. Daraufhin grinste Die Seuche ganz hämisch und mutierte zur Turboseuche. -.-
Da gibt es dann also etwas Anderes zu lesen. ;-)

Bis dahin grüßt
Das Krümelmonster

--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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