Früher gab es 1. Klasse im Regionalverkehr! (Allgemeines Forum)

HBNTrader, Sonntag, 23.08.2020, 12:41 (vor 2236 Tagen) @ Altmann
bearbeitet von HBNTrader, Sonntag, 23.08.2020, 12:43

Auch die Wiener S Bahn hat längere Strecken. Warum macht das in Wien keinen Sinn?


Sicher, kann man auch drüber nachdenken. Aber der Vorteil einer ersten Klasse ist doch eher dort vorhanden, wo jemand wirklich längere Strecken fährt (ja, klar, man kann theoretisch mit der S-Bahn von Gänserndorf nach Wiener Neustadt fahren - aber Hand aufs Herz, hat das schon mal jemand gemacht?).

Wer nach Neustadt fährt, wird wahrscheinlich durchaus den Railjet für den Abschnitt ab Wien nehmen. Aber was ist mit den Leuten, die nach Baden oder Vöslau wollen? Da ist es nur sinnvoll, im RE oder eben in der S-Bahn zu bleiben.

Und es gibt durchaus Leute, die auch auf kürzeren Strecken einen Aufschlag zahlen würden, zumindest in Form eines Jahresaufschlages. Manchmal ist es doch ganz praktisch, wenn man auch auf 20 Minuten nicht stehen muss, sondern sich in einem Ledersitz entspannen kann. Ich fahre regelmäßig von Erfurt nach Berlin Ostkreuz und setze mich auf dem letzten Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Ostkreuz auch immer in den RE, weil mir die 1. Klasse für die gesamte Fahrstrecke zusteht und weil es, vor allem mit mehreren Koffern und Taschen, nun mal komfortabler ist. Wenn man es oft genug macht oder eine Daueraufschlagskarte hat, dann wird man die 1. Klasse wohl auch für wenige Minuten nutzen wollen.

Außerdem würden permanent Fahrgäste durch die 1. Klasse durchwandern auf der Suche nach ihrem Sitzplatz (oder sich in die 1. Klasse setzen trotz fehlendem Fahrschein). An ruhiges Arbeiten oder Entspannen wäre wohl kaum zu denken.

In Deutschland wird es so gehandhabt: im Dosto ist die 1. Klasse immer auf dem Oberdeck (und keiner hat Lust, extra eine Treppe hochzugehen - außer, er will sich in die 1. Klasse setzen und hat die entsprechende Fahrkarte), und in Nicht-Dostos ist sie immer an einem Zugende.

Selbst ohne Ruhe bietet die 1. Klasse i.d.R. höheren Komfort. Und man muss da nun mal (fast) nie stehen.

Und letztlich würden bei jedem Halt Fahrgäste erst mal ihren Einstieg suchen und die Haltezeit des Zuges in der Station verlängern (was auf der überlasteten Stammstrecke mittellustig wäre).

Wie gesagt, in Deutschland funktioniert es auch. Bin regelmäßig auf der Strecke Nürnberg-Coburg und Suhl-Erfurt unterwegs und wenn ich die 1. Klasse nicht sofort finde, dann steige ich halt in den Zug und frage oder gehe dahin.


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