Du argumentierst als Bahnnutzer*in (Fahrkarten und Angebote)

Eingleisigkeit, Montag, 04.11.2019, 11:51 (vor 2328 Tagen) @ telemaxx

Hallo telemaxx,

bitte entschuldige die sarkastische Formulierung. Ich fand es nur unfair von dir, mitten in der Argumentation die Rolle zu wechseln von "ich sehe ein Problem für meine Fahrten" zu "ich kann es mir vielleicht noch leisten, aber die anderen nicht. Um die mache ich mir Sorgen". Wenn du solche Haken schlägst, ist es schwierig darauf zu antworten.

Ich widerspreche dir dahingehend, dass der SPFV (und das war ja dein gewähltes Beispiel) in den letzten Jahren überproportional teurer geworden ist.
Teilt man den Umsatz der DB Fernverkehr AG durch die Verkehrsleistung ergibt sich 2009 ein Yield von 10,1 Ct/pkm [Quelle]
2018 ein Yield von 11 Ct/pkm [Quelle]
Also eine Preissteigerung von 9 Prozent über 9 Jahre.

Der Durchschnittspreis für Normalbenzin lag 2009 bei 127,5 Ct/l
2018 lag er bei 145,6 Ct/l [Quelle]
Autofahren (nur auf den Treibstoff reduziert) ist also im gleichen Zeitraum 14 Prozent teurer geworden.

Die Debatte "Der Fernzug ist so teuer" ist aus meiner Sicht ein vorgeschobenes Argument. Wichtigere Hindernisse vom Umstieg Auto -> Öffentliche Verkehrsmittel sind aus Sicht der Autofahrer*innen:

Die meisten dieser Punkte lassen sich leider nicht so richtig ändern, denn sie sind systemimmanent für den Öffentlichen Verkehr.

Ich habe deshalb eigentlich nur 2 Möglichkeiten:
- ÖV so billig machen, dass die Einsparung die o.g. Nachteile überkompensiert [Pull]
- Autofahren so teuer oder anderweitig unattraktiv machen, dass das die o.g. Nachteile überkompensiert [Push]

Aber die Schlacht Auto vs. ÖV wird meines Erachtens nicht im Fernverkehr über den Flexpreis Hamburg-Hannover ausgetragen. Diese Schlacht entscheidet sich im ÖPNV im Ballungsraum.
Und leider erlebe ich gerade hier den von dir festgestellten, negativen Trend:

Preis Einzelfahrt Großbereich Hamburg 2009: 2,70 Euro [Quelle]
Preis Einzelfahrt Großbereich Hamburg 2018: 3,30 Euro [Quelle]
Macht eine Preiserhöhung von 22 Prozent in 9 Jahren.

In der Großstadt zahle ich mittlerweile immer etwa 7 Euro pro Tag, wenn ich nur hin und zurück will. Da kann ich direkt die Parkkosten gegenrechnen, denn die Spritkosten und Fahrzeug-Abnutzung sind ja marginal. Selbst wenn ich fürs Parken dann 9 Euro zahle, könnte ich mich aus den o.g. Gründen trotzdem noch fürs bequemere Auto entscheiden.

Im SPNV lande ich für Tagesausflüge ins Umland immer bei ungefähr 20 Euro. Darüber hinaus gibt es teils sehr großzügige Gruppenrabatte, aber den Autonutzer in Standardbesetzung (nämlich allein) überzeugt das natürlich nicht. Vor allem müsste der Preisrabatt ja viel stärker sein, um die weiteren Nachteile von oben noch zu kompensieren.

Von einer Erhöhung des Flexpreises Hamburg-Hannover sind hingegen nur die bisherigen Bahnnutzer*innen betroffen - und die auch meist nur mit BC50-Rabatt, also praktisch zur Hälfte.
Autonutzer*innen überzeuge ich doch sowieso nur mit einem günstigen Sparpreis auf dieser Langstrecke. Bedenke: Der Sprit für die etwa 160 km dürfte so ca. 15-20 Euro kosten. Hinzu kommt die Abnutzung, aber wir sind trotzdem noch weit entfernt von den mind. 42 Euro der Bahn.
Die Dynamisierung der (unrabattierten) Flexpreise hat also aus meiner Sicht keine Auswirkungen auf den modal split, sondern ist die einzige Möglichkeit, einer ressourcenschonenden Auslastungsverteilung zwischen Spitzen- und Nebenzeiten.

Deine Forderung, die Preise gerade zur HVZ zu senken, führt ja nur zu anderen (meist ineffizienteren) Verteilungsmethoden. Zum Beispiel stark überfüllte Züge oder Abweisung von Spontanfahrern, weil der Zug "ausverkauft" ist.

Allzeit gute Fahrt
Eingleisigkeit


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