Herzlichen Undank (Allgemeines Forum)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Mittwoch, 12.12.2018, 08:12 (vor 2673 Tagen) @ Berlin-Express

Ich bin zwar nicht GUM, möchte aber auf einige der Nichtargumente mal eingehen.

Es haben wenige Tausend Mitarbeiter von über 300.000 Mitarbeitern gestreikt, vom kompletten Stilllegen kann also keinesfalls die Rede sein.

Das Produkt, das man dem Kunden verkauft, nämlich die Transportdienstleistung, ist durch den Streik größtenteils entfallen. Dabei ist es für den Kunden zweitrangig, ob beispielsweise die Zugpersonale oder jede Art von Büromitarbeiter ihren Dienst angetreten haben oder nicht, wenn die bestellte und bezahlte Leistung nicht erbracht werden kann. Oder, um es mal krasser auszurdrücken, auch wenn das SocialMedia-Team gearbeitet hat, hat mich das nicht von A nach B gebracht.

Wie kommst du darauf?

Die Auswirkungen sprechen für sich.

Geiselnahme? Ich wage mal zu behaupten, dass sämtliche Fahrgäste die Züge verlassen durften, wenn sie den wollten. Jeder Streik ist in irgendeiner Form "Erpressung", anders würde es ja keinen Sinn ergeben.

Auch wenn ich es schon gefühlt tausendmal gesagt habe - es werden die Leute "erpresst", die nichts dafür können und auch nicht die Situation ändern können. Die Chefetage wird im Auto zur Arbeit kutschiert und juckt sich nicht dran. Stattdessen steht die zahlende Kundschaft (die ja bereits bezahlt hat!) dumm da und bekommt selbst Probleme.

Am Sonntagnachmittag angekündigt steht ja der Rechtsweg für eine Eilentscheidung auf Unterlassung nicht unbedingt offen. Bei Beginn um 05 Uhr frühmorgens am Montag gibt es wohl kein deutsches Gericht, welches in der Nacht von Sonntag auf Montag tagen könnte.

Selbst wenn würde sich die Beklagte Zeit zum Schriftsatz lesen ausbedingen und die Klageerwiderung herauszögern.

Damit hat die Gewerkschaft dem Arbeitgeber die Chance auf rechtsstaatliche Überprüfung genommen. Das ist unfair. Viele Kunden = Eure Lohnzahler werden sich das merken.

Aha...

Man muß kein Jurist sein, um den Trick zu kennen, sämtliche Fristen und Zeitpunkte zu seinen Gunsten zu nutzen.

Zusätzlich zum kalten Wetter hat sich die Gewerkschaft also den perfekten Tag zum Kundenvergraulen ausgesucht.


Weil?

Montag, Mistwetter, reicht doch!

Es muss auch nicht sein, dass die DB schlechte Arbeitsbedingungen bietet.

Es muß auch nicht sein, daß zigtausend Pendler, von denen vermutlich nicht mal ein Dutzend, falls überhaupt ein einziger, irgendetwas für diese Arbeitsbedingungen kann oder etwas an ihnen ändern kann, darunter leiden müssen. Wenn ich Streß mit meinem Nachbarn habe (hab ich zum Glück nicht, ich konnte deichseln, daß ein Kumpel von mir, der gerade eine Wohnung gesucht hat, dort einziehen konnte), terrorisiere ich damit ja auch nicht irgendwelche Leute, die halt gerade bei mir vor'm Haus lang gelatscht kommen.

Was möchtest du uns damit sagen?

Daß die Auswirkungen auf Dritte noch viel größer sind, als die meisten hier mit ihrem Horizont, dessen Radius nur knapp über null liegt, vorstellen können. Ich habe es im Gegensatz zu Dir anscheinend verstanden.

Ahja...

Die Buhrufe und Beschimpfungen der Pendler gegen die Streikposten sprachen eine deutliche Sprache.

Mal zwischen Bayern und Berlin übersetzende Grüße
der Colaholiker

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