...finde ich durchaus vergleichbar [Parallelen] (Fahrkarten und Angebote)

musicus, Montag, 04.07.2016, 11:47 (vor 3614 Tagen) @ Colaholiker

Du wirfst hier mehrere Sachen durcheinander.

Eigentlich nicht, denn im Kern geht es mir um zwei Punkte, die durchaus bei deinem Beispiel zur Bahn analog sind:
a) man möchte mehr Beinfreiheit/Platz als üblich -> Bahn: Aufpreis durch Wahl der 1. Klasse; Flieger: preferred seating
b) man möchte einen ganz bestimmten Platz für die Reise -> Bahn: Aufpreis durch Reservierungsentgelte in der 2. Klasse; Flieger: ebenfalls Reservierungsentgelte, wenn auch nicht (schein-)fakultativ

Der Vergleich stimmt nicht mal für die "Mehr Platz"-Plätze, da man in der 1. Klasse der Bahn deutlich mehr mehr Platz hat als in den "Preferred seating"-Reihen dieser Fluggesellschaft.

Mir ging es um den Grundsatz "Mehr Platz" - sonst nichts. Wegen überschaubarer Flugerfahrung und Unwissens um die Sitzkonditionen der "dieser Fluggesellschaft"-Airways entziehen sich auch die konkreten Differenzen meiner Kenntnis, was insofern sekundär ist, als es mir um eine prinzipielle Betrachtung ging.

Äpfel, Birnen, und so. Zumal meine Kritik sich eben nicht auf "Preferred Seating" bezog, sondern auf ganz normale Sitzplätze in der Sardinendosenklasse.

Ok. Mein argumentativer Fehler. Geschenkt.

Das wäre etwa so, als ob man bei der Bahn ausschließtlich Abteilplätze hätte, und zur Nutzung alle Gang- oder Fensterplätze in diesen Abteilen nochmal 60% mehr zahlen müßte. Eine normale Fahrkarte (egal welcher Klasse) berechtigt nur zur Nutzung der Mittelplätze der jeweiligen Klasse.

Eine normale Fahrkarte der Bahn berechtigt erstmal zur Nutzung gar keiner Plätze, es sein denn, sie sind gerade zufällig frei - Stichwort "kein Sitzplatzanspruch" - ansonsten gibt's eben den Steh- oder Gangplatz.

Oder um es nochmal in konkreten Zahlen für den Flieger auszudrücken: Von acht Plätzen in einer Reihe sind nur zwei(!) überhaupt ohne Zuzahlung buchbar. Also für drei Viertel aller Sitzplätze in der Economy-Klasse muß man extra Geld hinlegen. Demnach müssen also 75% der Passagiere in dieser Klasse zwangsweise mehr bezahlen, sobald die Gratisplätze vergriffen sind!

Nun gut - dann lautet die Parallele eben nicht "Klassenfaktor" sondern "SP-Kontingentierung". Die Preisspreizung bei der Bahn war ja erst Thema hier, da sind deine gut 50% aus dem Flugverkehr ebenso wie der Klassenfaktor von 1,6 geradezu putzig. Wie muss man sich als Bahn(neu)kunde fühlen, wenn man "19€" plakatiert sieht und dann 39€ oder gar Normalpreis für die gewünschte Verbindung berappen muss... Ich gehe mal davon aus, dass mindestens 75% der Reisenden in einem Zug nicht mit einem 14,25€/19€-Fahrschein reisen.

Im Flugverkehr ist er eine notwendige Voraussetzung, um überhaupt transportiert zu werden. Natürlich ist ein Stehplatz oder ein Bodensitzplatz im Zug nicht schön, keine Frage - aber es ist kein Grund, wieso man nicht transportiert wird.

Das stimmt natürlich nicht. Wenn der Zug überbesetzt ist, müssen die Leute ohne Reservierung zuerst wieder raus. Auch im Bahnverkehr hierzulande ist - mindestens theoretisch, mitunter auch praktisch - also eine Sitzplatzreservierung notwendige Voraussetzung, um mit einer *bestimmten* FV-Leistung transportiert zu werden. Randnotiz: Dem 08/15-Kunden von der Straße dürfte dieser Umstand nur unzureichend bekannt sein.

Somit ist Dein Vergleich zwar sachlich richtig, baut aber auf völlig falscher Voraussetzung auf, und ist somit am Thema vorbei.

Ich schließe daraus: Dein *eigentliches* Thema war es, sich über hohe Aufschläge für "Platzreservierungen" nordamerikanischer Airlines zu mokieren und ob deren Existenz zu argumentieren, dass das Preissystem der DB transparent sei? Sagen wir so: in puncto Reservierungen ist das System der Bahn weniger intransparent als jenes "dieser Fluggesellschaft". Einmal mehr mein Mantra: mir ging es um nichts anderes als Parallelen (s. Wortwahl im Titel) zwischen den Praktiken der Bahn und jenen im Flugverkehr.

Ich gebe zu, sobald man hier in Frankfurt aus dem U- und S-Bahn-Bereich raus kommt, ist man mit dem Auto wirklich oftmals besser dran. Aber im Fernverkehr ist das Auto in Deutschland für mich absolut keine Alternative. Mein kleiner Japaner hat Hessen schon seit langer Zeit nicht mehr verlassen. Ich pendele seit vier Jahren regelmäßig zwischen meinen beiden Heimaten, und ich bin diese Strecke noch nie(!) mit meinem Auto gefahren. Und das werde ich vermutlich auch erst dann tun, wenn ich irgendwann die Möglichkeit habe, umzuziehen...

Das ist natürlich immer eine subjektive Entscheidung, die sehr stark von den persönlichen Umständen abhängt. Hätte ich keine "langen" Distanzen (ca. 500 km) zu überwinden und zeitlich attraktive Bahnverbindungen dafür zur Verfügung, würden meine Aufenthalte in ländlichen Räumen - wo ich derzeit glücklicherweise Automobile von Familie und Freunden gegen Erstattung des verfahrenen Benzins quasi entgeltfrei nutzen kann - mit ihren unzureichend ausgebauten und/oder durch teure Verbundtarife finanzierten ÖPNV-Strukturen durchaus die Anschaffung eines PKW rechtfertigen.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum