Zivilcourage im öffentlichen Raum (Allgemeines Forum)

sappiosa, Freitag, 09.10.2009, 15:26 (vor 6114 Tagen) @ bahn-user

Und nein, ich denke nicht, dass dies ein emotionales Betroffenheitsgesülze meinerseits ist, sondern ein wichtiger Unterschied (auch für die konkreten Opfer übrigens!).

Hallo Bahn-User,

willst Du wirklich sagen, Du möchtest lieber mit Gehirnerschütterung nach einem Unfall im Krankenhaus liegen als mit Gehirnerschütterung nach einem Faustschlag?
Nichts anderes bedeutet nämlich Deine Aussage. Von tödlichen Vorfällen ganz abgesehen.

Ich habe mal einen Vortrag gehört, wo der Vortragende dem Publikum zwei Fragen gestellt hat:

a) Wieviele Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland bei Verkehrsunfällen zu Tode gekommen?
Antwort: ca. 300

b) Wieviele Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland von Sexualmördern umgebracht worden?
Antwort: 2

Wir neigen alle dazu, Gefahren durch "böse Menschen" maßlos zu überschätzen, Gefahren durch Unfälle dagegen herunterzuspielen. Die gleichen Eltern, die ihre Kinder auch am hellichten Tag niemals alleine durch Parks ziehen lassen würden, schnallen sie im Auto kaum an und treten rücksichtslos aufs Gaspedal.

Und bei den Aussagen "Die Jugend wird immer brutaler" geht gleichzeitig völlig unter, dass die gesamte Kriminalität in Deutschland seit Jahrzehnten kontinuierlich zurückgeht. Wenn man die Medien liest, muss man das Gegenteil glauben - es regiert die Angst. Und die sorgt dann fatalerweise auch dafür, dass gerade bei solchen Fällen sich wirklich keiner traut, einzugreifen oder auch nur die Polizei zu rufen. Ein Teufelskreis.

Ich maße mir nicht an, die Umstehenden zu verurteilen - Deine Aussagen zu Hemmschwelle und Schockstarre kann ich sehr gut verstehen. Meine Anklage gilt viel eher den Medien, die Deutschland zum Horror-Zoo erst hochreden.

Schöne Grüße
Daniel (aka Sappiosa)


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