Wir haben mal Vlotho "fluten" lassen... ;-) (Allgemeines Forum)

Blaschke, Freitag, 19.02.2016, 21:53 (vor 3709 Tagen) @ zugvogel

Hallöchen!


Gegeben seien 2 Triebwägelchen, die miteinander verknüpfelt sind, man zwischen ihnen aber nur am Bahnsteig wechseln kann. Jedes Triebwägelchen hat EINE Toilette. Gegeben sei eine eingleisige Strecke, wobei auf einigen Unterwegsbahnhöfen gekreuzt wird. Weiterhin sei ein Weihnachtsmarkt mit eingebaut ins Szenario. Nach dessen Besuch auf der Rückfahrt bei einigen Passagieren ein dringendes Bedürfnis besteht.

Nun nehmen wir weiter an, dass beide Toiletten in beiden Triebwägelchen außer Gefecht sind. Es gibt keinen Schaffner, sondern nur im vorderen Triebwägelchen einen Fahrgastzähler. Der wird von den Bedüftigen aber zum Generalmanager des Bahnunternehmens gemacht und aufgefordert, nach Lösungen zu suchen. Einige Fahrgäste gaben an, es bis zum planmäßigen Ausstiegs- bzw. Umstiegshalt nicht auszuhalten.

Eine Rückfrage beim Triebfahrzeugführer ergab, dass die Toiletten auch nicht ausnahmsweise kurz aufgeschlossen werden könnten - die seien voll, weil andere IDIOTEN von Fahrgästen diese verstopft haben mit Handwaschpapier und das vermutlich irre lustig hielten. Das bringt nun aber auch keinen Trost und lindert den Druck nur wenig bis gar nicht.

Also überlegte sich der Lokführer, dass sich die betroffenen Damen und Herren beim Kreuzungsaufenthalt in Vlotho ans Bahnsteigende oder eben vor dem Zug ins Gleis begeben mögen, um ihrer Notdurft Herr zu werden. Es ist zum Glück Abend und zur Weihnachtsmarktzeit dann zwangsläufigerweise auch dunkel draußen. Der Bahnsteig bietet bestenfalls Funzelbeleuchtung, ist alt und zumindest länger als der benötigte Platz für unsere Triebwägelchengarnitur. Und etwas Gestrüpp fand sich auch. Mangelnde Pflege und ein Zustand wie in einem Horrorfilm sind also nicht unbedingt von Nachteil.

Die Überlegungen und Gedanken des Lokführers gab der Fahrgastzähler dann einzeln an die Protestante, äh, Protestierenden weiter. Bewußt nur so, um eine allgemeine Völkerwanderung zu unterbinden, denn wir wollten nachher nicht durchzählen müssen, ob alle Leutchen wieder im Zug sind und vor allem eben nicht mehr im Gleis.

Zum Glück, welch Wunder, waren wir pünktlich am Kreuzungsbahnhof. Und so konnte die paarminütige Fahrpause von einer Handvoll Reisenden zur Erleichterung genutzt werden.

Übrigens haben sie sich danach bedankt; beim Fahrgastzähler, dem vermeintlichen Generalmanager des Verkehrsunternehmens, der bei all der Action selbstverständlich seine Kompetenzen, äh nein, ich muß es anders ausdrücken, Kompetenz war ja vorhanden; also, der seine Befugnisse bei all dem Tohuwabohu natürlich ARG überschritt, denn eigentlich darf er nichts anderes als Fahrgäste zählen. Und zwar wirklich nichts anderes.

Nun wurden hier aber trotzdem die Fahrgäste korrekt gezählt, alle Beteiligten haben es überlebt, niemand ging verloren oder wurde im Gleis überfahren. Der Zug war nachher so pünktlich wie vorher, so dass jeder Fahrgast seine gewünschten Anschlüsse bekam. Niemand hat sich noch beschwert oder hat Klagen und Proteste und Eingaben angedroht und erklärt, dass er den UN-Generalsekretär persönlich kennt und der sich jetzt des Falles annehmen werde.

Kurzum: Alles war gut.

Auch wenn mitlesende Fantatiker jetzt ob all der Verstöße gegen die Vorschriften toben werden und die beteiligte Bahn jetzt recherchieren wird, welcher Zug das denn wohl gewesen sein könnte, um nach all den Jahren noch Disziplinarverfahren einzuleiten. Und natürlich darf auch der Satz nicht fehlen: Hier ging es gut, aber was wäre, wenn es nicht gut gegangen wäre? Jaaaaaaaaaaaaa, das ist es eben. Manchmal geht es auch nicht gut aus. Dann säße jetzt der Lokführer im Knast und der Fahrgastzähler ebenfalls. Und würde hier nicht ellenlange Berichte über eine kleine Begebenheit zum besten geben - für manchen vielleicht eine schöne Vorstellung. Wenn es dann noch ein Schweizer Knästli wäre ....

Schöne Grüße von

jörg


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum