Verkehrsleistung in der Schweiz und anderswo (Allgemeines Forum)

guru61, Arolfingen, Montag, 17.08.2015, 08:35 (vor 3891 Tagen) @ lokuloi

Hallo


Natürlich würden die nicht alle nicht mehr fahren. Aber ein Teil davon schon, und vor allem nicht soweit.

Natürlich, aber darum habe ich auch mit einem Besetzungsgrad von 2,0 und nicht 1.2 gerechnet!


Wobei das gar nicht mein Thema war. Tatsache ist, dass trotz dieser Mengen, die der ÖV befördert, in der Schweiz auch mehr Verkehrsleitung im MIV abgewickelt wird als in Deutschland. Einfach, weil insgesamt mehr gefahren wird.

Es hat auch niemand behauptet, dass der MIV kleiner ist als in D. Ich behaupte aber, dass der MIV wesentlich grösser wäre, ohne die gut ausgebaute Bahn.


Aber zur Verkehrsleistung der Bahn in der Schweiz. Es ist doch unstrittig, dass das schweizer Bahnsystem dazu führt, dass

- über weitere Distanzen täglich gependelt wird (da dank GA weitgehend entfernungsunabhängig)
- Freizeitfahrten länger werden (warum soll ich ins Hallenbad im Nachbarort fahren, wenn's am Bodensee schön Wetter ist, und es mich nicht mehr kostet?)
- Ein gewisser Teil an Freizeitfahrten aufgrund des GAs überhaupt erst stattfinden.

Das ganze ist dank des dichten Takts auch noch weitgehend unkompliziert.

Das sind die Nachteile, unbestritten. Nun wird aber gerade der Freizeitverkehr besonders gefördert, weil er die Züge in den Randzeiten füllt. Dazu auch das Nachtnetz, das es den Jungen möglich macht, in den Ausgang zu gehen und eben nicht mit dem geleasten BMW alkoholisiert in den nächaten Baum zu brettern. Die Kreuzchen an den Bundesstassen in D sprechen da Bände.

Beim Pendlerverkehr musst du auch folgendes sehen: Die Schweiz ist dezentral organisiert. Jeder Kanton und jede Gemeinde hat weitreichende finanzielle Kompetenz. Jede Gemeinde und jeder Kanton steht in einem Steuerwettbewerb mit andern Körperschaften.
Das hält erstens die Steuern nierdrig, und zweitens haben die Körperschaften ein Interesse, eine gut durchmischte Struktur zu haben.
http://www.google.ch/url?sa=i&rct=j&q=&esrc=s&frm=1&source=images&a...

Da wird aktiv Werbung gemacht.
Anderseits ist das auch eine Art Strukturhilfe: Jeder Steuerzahler der, hier in den Thurgau, auswandert, verbessert die finanzielle Situation des Kantons. Was am Schluss weniger interkantonale Finanhilfe bedeutet. So hat es der Kanton Schaffhausen vom Nettobezüger zum Nettozahler gebracht, seit die Verbesserung des OeVs greift.
Andererseits müssen die Firmen nicht aufs Land ziehen, weil die Leute eben flexibel sind.

Summasummarum ist die Schweiz damit nicht schlecht gefahren. Entvölkerte Gebiete, wie in Neubrandenburg haben wir nicht. Im Grossen Ganzen sind die Dörfer belebt und die Altersstruktur ist gut durchmischt.

Der Witz ist ja gerade, dass "die Schweizer" nicht auf dem Land wohnen, sondern munter zwischen Zürich und Bern (oder zwischen Lausanne und Genf, oder...) hin und herpendeln. Billig ist beides nicht, nehme ich mal an.

Kommt drauf an, wie du Land definierst. Der grosse Teil ser Schweizer wohnt ausserhalb der Städte.

Mein Beispiel: Ich wohnte in Weinfelden, und mein Arbeitgeber verlegte meinen Arbeitsplatz von Zürich nach Bern. Einen ähnlichen Arbeitsplatz hätte ich im Thurgau bekommen, aber 30 Kilofranken weniger im Jahr: Die Rechnung war schnell gemacht: GA kostet 6 Kilofranken, Wohnung in Bern mindestens 18 Kilofranken, Haus in Weinfelden ist abbezahlt, somit Wohnkosten höchstens 3 Kilofranken. Steuern in Bern wesentlich höher als in Weinfelden.

Da musst Du nicht lange rechnen, was günstiger ist.

Inzwischen wohnen wir im Raum Olten, mussten das Haus in Weinfelden verkaufen, und da ein anderes kaufen. Wir hatten wenigstens Glück, dass der Verkauf einiges mehr einbrachte, als der Kauf seinerzeit. Unsere Kosten waren gedeckt. Aber trotzdem ist und das Haus bei Olten fast 100'000 Franken teurer gekommen. Das Geld musst du erst mal haben.

Olten übrigens deshalb, weil meine Frau in Zürich arbeitet.

Ja. Unbestritten. Das die schweizer Wirschaft von der Bahn profitiert ist klar. Aber irgendwo, ganz oben im Text entstand der Eindruck, dass dadurch in der Schweiz weniger Auto gefahren wird, oder das Autofahren arg verkompliziert wird.

Dass weniger Auto gefahren wird, dank dem dass die Bahn da ist, zu der Aussage stehe ich.

Dass die Strasssn in den Städten, nicht wie in Deutschland beidseitig von parkierenden Autos gesäumt sind, kann man leicht feststellen. Gratisparkplätze gibt es nicht mal für Anwohner. In der Regel musst du die Berechtigung, auf öffentlichem Grund zu parkieren, teuer bezahlen:
Eine bunte Auswahl:

https://www.stadt-zuerich.ch/pd/de/index/dav/parkkarten_bewilligungen/parkkarten_bezieh...
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/Gruenes-Licht-von-Experten-fuer-Kuesnachter-Parkreg...
http://www.nzz.ch/zollikon-will-pendler-vertreiben-1.10727809
http://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/region-limmattal/ab-anfang-mai-wird-die-park...
http://www.homegate.ch/mieten/parkplatz-garage/kanton-zuerich
http://www.tc-rorschach.ch/index.php?id=110

Und ich kenne keine Bau- und Zonenordnung, in der nicht der Bau von Parkplätzen auf eigenem Grund vorgeschrieben ist.


Bevölkerungsdichte Berlin: 3.887 EW/km²
Bevölkerungsdichte Zürich: 4.450 EW/km²

Zürich hat wesentlich weniger umliegende Gemeinden eingemeindet als Berlin. Fairerweise müsstst du entweder die Agglo Zürich, oder nur Berlin Mitte vergleichen.


Gruss Guru


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