Alles S-Bahn in Rhein-Main? (Allgemeines Forum)

naseweiß, Freitag, 19.12.2014, 12:19 (vor 4127 Tagen) @ Frankfurt (Main) Süd

Das ist natürlich ein Punkt. Davon abgesehen: Charakteristisch für eine S-Bahn sind IMHO auch eigene Gleise auf Strecken, die auch von anderen Zügen benutzt werden. Aber das ist wahrscheinlich nur in Berlin konsequent der Fall, oder?

Weder Berlin noch Hamburg haben hundertprozentig eigene S-Bahn-Infrastruktur. Berlin: In Karow und Strausberg fahren Regionalzüge kurz über S-Bahn-Gleise. Hamburg: Die Mehrsystem-S3 fährt bis Stade auf eine Mischstrecke, die S4 soll ggf. ebenfalls Mehrsystem/Mischbetriebs-Anteile erhalten. In allen anderen Netzen ist die Quote dennoch schlechter.

Hierzuverbundgebiete wird ja schon ewig über den Bau entsprechender Gleise Richtung Friedberg diskutiert.

Der Bau der Gleise bis Bad Vilbel sollte schon längst begonnen haben, hätte es nicht unnötigerweise beharrliche Versuche der Verhinderung gegeben. Die Fortsetzung bis Friedberg wird aber sicher erst viel später folgen.

Richtung Niedernhausen braucht man sie wahrscheinlich nicht wirklich, da fährt ja sonst nur noch der SE (oder gibts da relevanten GV?).

Weder nach Niedernhausen (S2/SE20) noch nach Wiesbaden (S1/SE10) sind eigene S-Bahn-Gleise nötig. Nach Limburg fährt kaum GV und der SE20 ist nur wenig schneller als die S2. Und trotzdem nach Wiesbaden einiger GV fährt und der Fahrzeitunterschied SE10 zu S1 größer ist, sollte auch dort die Mischstrecke ausreichen. Problematisch ist aber der Knoten Höchst/Farbwerke mit zu vielen höhengleichen Abzweigen. Dort müsste man mal ordentlich ausbauen.

Gravierender ist die Situation auf der S8/S9. Hier stünde nach der S6 der nächste Ausbau an, in Form des Abschnitts Bischofsheim-Mönchhof, AFAIK dreigleisig.

Da fällt mir dann noch die Linie nach Riedstadt-Goddelau ein, die ja in Hbf (hoch) beginnt und endet. Was macht die eigentlich zur S-Bahn?

Bekanntermaßen trugen im FVV fast alle Nahverkehrszugstrecken rund um Frankfurt S-Bahn-Linien-Nummern. Sie wurden im Uhrzeigersinn nummeriert, startend mit der Strecke nach Wiesbaden, in die Landeshauptstadt und erste Eisenbahnstrecke ab Frankfurt. Im FVV-Liniennetzplan (z.B. 1984) waren sie als schwarze S-Bahnen von den bunten, eigentlichen S-Bahnen zu unterscheiden.

- S1-S6 eigentliche S-Bahnen mit ET420 und Stammstrecken-Einbindung ab 1978
- S7/S8 Hanau nord-/südmainisch
- S9/S10 Rodgau/Dietzenbach
- S11/S12 Dreieich/Darmstadt
- S13 Riedbahn
- S14/S15 bzw. Flughafen-Mainz-Wiesbaden (ab 1980 beide mit ET420, allerdings ein von beiden Linien nur bis Hbf, im Beispiel S14 sogar noch schwarz, später dann auch bunt)
- "K/T/N-Bahnen" (Königstein, Taunus, Niddertal) kamen später noch hinzu, wurden aber nicht zu schwarzen S-Bahnen, sondern erhielten diese Buchstabem. K und T könnten später sogar noch bunt geworden sein, da "Privatbahnen", N wohl eher nicht.

Von diesen alten Linien soll nun nur die S11 (Dreieichbahn) absehbar nie S-Bahn werden, da vermutlich zu geringe Nachfrage. Die ehem. S8, S9, S10, S12 sind bereits integriert, die ehem. S7 wartet auf den Ausbau (Nordmainische). Die heutige S7, ehem. S13, ist nun ein Proivsorium und verkehrt mit S-Bahn-Fahrzeugen. Da die Riedbahn aber stark belastete Mischverkehrsstrecke ist, kann kein reiner, dichter und sicherer Takt angeboten werden. Zusätzlich ist die Stammstrecke mit 24 Züge/h voll belegt, sie kann nicht mehr hinzu ohne das was anderes raus muss.

Die S7 hält wegen des Mischverkehrs und der fehlenden Stammstrecken-Einbindung vollständig an 76-cm-Bahnsteigen! Die 96 cm der S-Bahn-Fahrzeuge verhindern die Barrierefreiheit, welche mit Regio-Fahrzeuge (z.B. 425) gegeben sein könnte. Hinzu kommt noch, dass von der Struktur dieser Strecke ein Durchbindung auf die Rhein-Neckar-S-Bahn denkbar wäre, letztere fährt mit 425ern. Meiner Meinung nach sollte auch nicht mehr in RE und S-Bahn unterschieden werden, sondern ein 30-min-Takt RE/S-Mischung angeboten werden, plus HVZ-Verstärker Mannheim-Lampertheim und Frankfurt-Groß-Gerau. Große Veränderungen sind allerdings nicht zu erwarten, solange nicht die Ried-NBS für den Fernverkehr gebaut wird und somit auf der Altstrecke mehr Luft ist.

Die ehem. K-Bahn wird wohl keine weitere, richtige S-Bahn werden, höchstens Mehrsystemstadtbahn als Verlängerung der U5 Europaviertel. Selbst wenn die Nachfrage groß genug für S-Bahn-Betrieb wäre, stünde der zu volle Innenstadttunnel dagegen. Die ehem. T-Bahn soll wohl teilweise, bis Usingen, durch die verlängerte S5 übernommen werden. Die ehem. N-Bahn ist es etwas problematisch, da zur HVZ 4/5-Dostos im 30-min-Takt (oder nun mehr Desiro?), aber sonst eher wenig Nachfrage, dazu recht lange Strecke und weit außerhalb Frankfurts. Allerdings wurde im Münchner Netz gerade die Linie A elektrifiziert und in die Linie S2 integriert. Von der ländlichen Struktur, Entfernung und der Nachfrage sollte beide Strecken sehr ähnlich sein. Das sollte eigentlich Hoffnung machen!

Gruß, naseweiß

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