IC-Streichungen im Dezember 2014 (Allgemeines Forum)

moonglum, Hagen, Montag, 07.04.2014, 18:55 (vor 4383 Tagen) @ Frank Augsburg

Als ich irgendwann einmal vor Jahren mit einem "Experten für DB Fernverkehr" zufällig in Köln in der DB Lounge zusammentraf und sprach, sagte ich in etwa, es können ja kaum noch weiter bergab gehen. Wie geradezu kindlich naiv diese meine Aussage damals gewesen ist. Zeichen echter Lebensunreife. I am so sorry!

Nur eine Handvoll von Beispielen:
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Im Jahre 2014 klappt nämlich immer wieder nicht bzw. immer noch nicht zuverlässig das Kuppeln bzw. Entkuppeln ganz einfacher ICE3 im Kölner Hbf. Simple Routine auf geradem Gleis, die einfach nicht klappen will...

Wagenausfälle, insbesondere Bistros und Restaurantwagen sind nach wie vor mehr als häufig anzutreffen, gefühlt sind sie häufiger denn je. Und noch etwas Schönes: Wagenparks mit komplett durcheinander gepuzzelten Wagenreihungen SAMT fehlenden Wagen, herrliches Verwirrspielchen, vor Allem auf der stark nachgefragten Rollbahn. Macht Reisen doch erst wirklich spannend und trifft auf jener Strecke besonders viele Reisende - Ist das herrlich!

DoSto-Züge als IC lackiert und bezeichnet sollen die Zukunft auf einigen Strecken sein, natürlich komplett ohne Gastronomie, obgleich die Modulkonzepte des Wagenanbieters auch Gastro-Module im Angebot hätten. Komfortable Sache.... Ein Caddy rumpelt dann die Treppen rauf und runter und serviert Sandwiches und labbrigen Kaffee? Aber ja. Es erspart doch, Treppauf, treppab durch den Zug zum Bistroabteil zu wandern.
Was, und der Kinderwagen passt nicht durch den engen Durchgang von Wagen zu Wagen, was wegen permanenter geänderter Wagenreihung sich zunehmend als Problem darstellt und häuft? Sagten Sie Kinderwagen? Was bitte haben jene in einem Zug im Jahre 2014 und später zu suchen? Nichts, gar nichts. Rollkoffer? Die größte Pest seit Erfindung des Koffers.

Die schleichende Tendenz immer mehr ICE3 in Deutz-Tief halten zu lassen, verdammt immer mehr Reisende mit Anschlusssuche dazu die steilsten Bahnsteigtreppen weit und breit mit Gepäck hinauf oder hinab zu wuchten, um an Anschlüsse zu gelangen. Kein Aufzug auf die wichtigen Gleise 1,2,4,5,7,8, keine Gepäckträgerhilfe, keine Rolltreppen, kein DB Auskunftspersonal weit und breit. Würde ja alles Geld kosten. (Und das braucht man ja eher vll. für das Betreiben der Londoner Busse.... )
No-Go für ältere Menschen, behinderte Menschen, von Müttern mit Kleinkindern und Gepäck und Kinderwagen - siehe oben - ganz zu schweigen.

Man zwackt der Wupperstrecke immer mehr Zugläufe ab, nun den viel genutzten ICE 516, der ab Juni via Düsseldorf fahren wird. Einfach so. Man munkelt, weil es ein neuer ICE in Doppeltraktion sei. Das glauben Sie nicht, dass DAS der Grund sei?
Na und? Egal! Wen interessiert den Ihre Meinung. Haben Sie eine Lobby? Nein. Eben! Na also!

Und wenn der 516 nun wie oft etwas später kommt, dann wartet da auf Gleis 4 kein IC 2022 in Köln in Richtung Wuppertal. Der ist natürlich weg. Also gibt es einen feierabendüberfüllten RE, den RE7 von Gleis 2. und wieder heisst es treppab, treppauf. Womit diese Zugverbindung für einige aus der Elterngeneration in meinem Umfeld gestorben ist. Die Sicherheit direkt DURCHGEHEND nach München (und dann ebenerdig weiter) und zurück zu kommen, hatte viele Reisende auf den 515/516 geleitet. Aber das müssen die DB Statistiker ja wissen, wenn sie gut gearbeitet haben. Damit ist also nun auch Schluss.
MEIN GOTT, WIE KANN MAN SICH NUR SO ANSTELLEN? ANDERE NACH DÜSSELDORF mussten bis vor Kurzem umsteigen, was soll der Schmarren? Sie wagen einzuwenden, dass nach Ddorf ja reihenweise ICE durchfahren und nach Wuppertal nur einer, und der sei jetzt weg? Sie Dummerchen von einem Bahnkunden! Lächelnd verweist man auf jenen ICE, der über Nürnberg fährt und zu lauschiger Abendzeit gegen 22:59 Hagen Hbf erreicht, wenn das mal keine durchgehende Direktverbindung ist. Was, wie? Dann geht es aber nicht mehr in Richtung Bestwig oder Lüdenscheid? Na und? Wozu gibt es denn Taxi? Und 22:59 ist doch früh am Tag! Immer noch über eine Stunde bis Mitternacht. Und überlegen Sie mal, wie viele Stunden Sie bis zur Abfahrt des ICE nach Hagen im Biergarten bleiben können. Na, ist das Nichts? Und unter uns. Wir reden von HAGEN. Wissen Sie wie unwichtig HAGEN ist? Stadt mit einem LANDGERICHT und einer FERNUNIVERSITÄT, wo immer mehr Menschen studieren? Denkste. Die Fernuni zieht mit der DB an einem Strang:

"Deutschlands größte Hochschule, die Fernuni Hagen, klagt nach jahrelangem Studentenzuwachs über Überlastung und will den Ansturm bremsen. Die Uni-Leitung will zum Sommer die Zahl der Studenten um zehn Prozent drücken, von jetzt 88.000 auf rund 80.000. "Die Belastungsgrenze ist erreicht", so Rektor Helmut Hoyer. Die Zahl der Studenten habe sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt. Mehr Ressourcen habe es aber nicht gegeben."

Regelmäßig fahren einem die Anschluss-IC auch bei minimalen Verspätungen in Köln oder Dortmund vor der Nase weg.....
Provozierend warten IC's auf der Hohenzollernbrücke auf Einfahrt, da (so verkündet es der Lautsprecher) das Gleis im vorausliegenden Streckenabschnitt noch blockiert ist und fahren erst ein, wenn der Anschluss ICE nach München gerade abfährt. Und Beobachter schwören mehrfach Stein und Bein, dass Gleis 7 vorher seit Abfahrt des Zugs in Richtung Eifel seit etwa Minute 50 frei gewesen ist, hallo: FREI GEWESEN IST. Nett, nicht wahr? Platzkarte verfallen, na und? Dafür dürfen Sie nun eine Stunde warten, dazu noch einmal in Mannheim umsteigen, ohne Platzkarte, gegebenenfalls stehen, na und? Sie müssen halt besser planen!

De facto plant also der kluge Mann für Reisen LÄNGERE ZEITEN EIN als vor 10 Jahren. Warum das?
Weil man ja verpassten Anschlüssen vorbeugen will.
Hagen-Stuttgart mit Umstieg in Köln....
KRM hin oder her. Der Zeitvorteil ist sofort Makulatur, wenn man auf Nummer sicher gehen will und einen Zug früher startet, um den wichtigen Anschluss nicht zu verpassen. Der Preis dagegen ist dank KRM höher denn je.

Nun also SCHACH DEN URLAUBS-IC's.
Ist ja auch dumm: Urlauber, Familien, die einfach nur in den Urlaub wollen bzw. heim rollen wollen. Schrecklich.
Die sollen gefälligst umsteigen! Irgendwo rasch, schnell mit allem Gepäck, Treppen runter, Treppen rauf.
Sie lernen aber auch nicht, dass sie besser mit dem Auto in Urlaub fahren oder zumindest das verdammte viele Gepäck weglassen. Dabei macht man es ihnen doch schon so schwer wie möglich. Nur 8 Minuten in Münster, um vom RE7 den IC zur Nordsee zu bekommen. Und wehe der RE7 bummelt hinter Hamm und steht mal wieder vor dem altbekannten gestörten Bahnübergang. Da muss man gute Nerven haben, Nerven wie Drahtseile und in Münster verdammt schnell sein. Familie mit Kindern und Gepäck? Die Kleinen kommen nicht so schnell voran?
Zug verpasst, ätschibätschi!
Und was passiert? Diese Einfaltspinsel versuchen es beim nächsten Urlaub erneut.Sie lernen einfach nicht, dass die DB sie gar nicht haben will. Nun:
Die DB hat ein Einsehen. Sie schafft jene IC einfach ganz ab. Damit ist auch dieses Problem gelöst.
Umsteigen von Lüdenscheid kommend in Hagen Hbf, dann in Münster Hbf, dann in Emden. Modernes Reisen zur Nordsee im Jahre 2016? Spinnerte ältere Zeitgenossen sprechen von Zuständen, als man 3x am Tag von Hagen ans Meer durchfahren konnte. Die müssen träumen, haben Fieber oder so.

Und noch einmal Urlauber: Wenn schon irgendein verrücktes Bundesland einen IC zum blöden Urlaubsort haben will, soll bitte ein Zuschuss vom Land kommen. Was hat DB Fernverkehr damit zu tun? Der Zug ist doch nahezu jeden Tag leer, andere Berichte sind Fälschungen und Fantastereien, Träumereien... Man hat sorgsam Statistik geführt. Im November, im Februar hat man jeden Dienstag genau gezählt: Hier sind die Zahlen: Da herschauen. Fast leerer Zug!
Sie meinen das seien keine adäquaten Monate? Man solle Dezember oder März oder die Sommermonate nehmen, man solle auf die Tage mit den Bettenwechseln achten? Na na na, es gibt schließlich jede Menge andere Züge statistisch zu überprüfen. und DAS HIER sind verlässliche Zahlen, jawoll, Ende und aus.

Fazit:
Jede Menge Entwicklungen, bei der vielen Menschen nur schlecht wird.
Aber sie haben leider keine Lobby. Keinen Einfluss, um die Verantwortlichen mit einem festen Tritt in hohem Bogen aus dem Office zu kicken und Vernunft einziehen zu lassen. Vernunft? Vernunft heisst heute MAXIMALE EFFIZIENZ und nicht etwa EINGEHEN AUF DIE BEDÜRFNISSE DER UNTERSCHIEDLICHEN GRUPPEN AN REISENDEN.

Ein Mitreisender, seines Zeichens Industrieller aus Unna, meinte kürzlich:
Wissen Sie, das sind alles Zeichen des Niedergangs im Lande. Die fetten Jahre sind vorbei.
Globalisierung soll der rettende Anker sein. Mit Inlandkomfort, Inlandverlässlichkeit und maximalem Inlandservice habe das natürlich nichts mehr zu tun. Ob das erfolgreich gedacht ist, wird seiner Ansicht nach die Zukunft zeigen. Sagt er lächelnd und fügt an:

Wissen Sie, mit Statistiken kann man so herrlich lügen....

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

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