Soll man Fahrgäste anschwärzen beim Zub? Ja! (Allgemeines Forum)

Ralle622, Bonn, Freitag, 13.08.2010, 11:16 (vor 5802 Tagen) @ Frank-RE

Anschwärzen? Bei einem so dreisten Betrug: Ja! Im Interesse aller.

Es wäre auf jeden Fall richtig gewesen, sich sofort bei der Kontrolle zu melden, wenn man denn den Mut dazu hat. Schließlich "zahlt" im Ergebnis nicht die Bahn für Schwarzfahrer, sondern deren zahlende Kunden.

In diesem Fall handelt es sich auch nicht mehr "nur" um Erschleichen von Leistungen, sondern um Betrug (hat einen höheren Strafrahmen). Ja, höchstwahrscheinlich würde ein solches Strafverfahren (wenn es denn soweit kommt) von der Staatsanwaltschaft bei Ersttätern wegen Geringfügigkeit eingestellt. Aber: Wer weiß, ob die Dame das nicht öfter macht. Das katastrophale an der Begebenheit ist: Die Täterin sieht, dass sie damit durchkommt und wird ermutigt, auch in Zukunft so zu handeln. Als Abschreckung taugt auch ein im Ergebnis eingestelltes Strafverfahren. Beim nächsten Mal wäre sie ja dann Wiederholungstäterin und könnte nicht mehr mit einer Einstellung rechnen.

Ergebnis: Man sollte den präventiven Aspekt der Einleitung eines Strafverfahrens nicht unterschätzen, selbst wenn es nachher eingestellt wird. Spezialpräventiver Aspekt: Abschreckungswirkung auf den Betroffenen. Generalpräventiver Aspekt (Wirkung auf Mitreisende, die die Umstände kennen): Negative Generalprävention: Abschreckung von "Kunden", die mit dem Gedanken spielen, auch so zu betrügen - positive Generalprävention: Bestärkung der wirklichen Kunden, die korrekt ihr Ticket (nach-)lösen in ihrem Handeln.

Was mich schockiert, sind hier geäußerte Meinungen, die darauf hinauslaufen, es sei legitim oder zumindest nicht verurteilenswert, schwarz zu fahren, weil ja die Leistung der Bahn bzw. ihr Tarifsystem nicht gefällt. Wo kämen wir denn hin, wenn ich mir im Supermarkt alle Produkte, die mir nicht gefallen, kostenlos einstecken würde?
Ebenso falsch ist es, der Bahn fehlende Kontrollen vorzuwerfen. Natürlich wäre mehr Personal in den Zügen angebracht. Aber fehlendes Personal kann keine Rechtfertigung sein, schwarz zu fahren - auch nicht moralisch. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, dem Hauseigentümer, dessen Haus besprayt wurde, vorzuwerfen, er habe es nicht richtig bewacht. Im Übrigen ist eine absolute Kontrolle in Zügen kaum durchführbar, zumindest nicht bei dichten Haltabständen wie im Ruhrgebiet. Andernfalls wäre der Personalaufwand sehr hoch, was letztendlich wieder höhere Preise zur Folge haben müsste.


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