Ja, darf sie. (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Mittwoch, 11.05.2022, 08:34 (vor 13 Tagen) @ GUM

Hey.

Also muß es in den Haushalten eine enorme Kaufkraft geben, wenn dann Internetverträge für 50 bis 80 Euro/Monat + diverse Abos für Inhalte abgeschlossen werden. Obwohl das Kupferkabel es problemlos ermöglichen würde Filme herunterzuladen.

Für das Geld bekommt man schon hintereinander nutzbare, übertragbare Monatskarten des Verkehrsverbundes.

Hier kämpft der Verkehrssektor zu wenig für einen wertigen, richtigen Platz in der Gesellschaft.

So etwas mag vielleicht als eine Jubiläums- oder Kennenlern-Aktion richtig sein.

Aber um Haushalten bei der Inflation entgegenzukommen.

Also ich weiß nicht...

Doch, du weißt. Und zwar völlig richtig.

Die Verramschung führt nur dazu, dass dem Produkt auch keine Wertschätzung entgegengebracht wird.

Und deine Beschreibung mit der Kaufkraft trifft es ja. Regelmäßig höre ich auch junge Leute klagen, wie teuer doch der ÖPNV sei. Sie fahren aber mit Jugend-Freizeitkarte für 20,70€ monstlich im gesamten VBN oder für 15€ monatlich mit der Jugendnetzkarte im GVH. Wo ist da was teuer? 15€ im Monat sind 180€ im Jahr - also ungefähr die Kosten eines Paares anständiger Nike-Sneakers. Dann kaufen sie mal eins weniger im Jahr - und fahren dann quasi fast gratis. Oder warten mal 3 Monate länger auf das neue IPhone ...

15€ - in der Aktienwelt wäre das Ramschniveau. Und so wird der Zug dann auch behandelt. Schuhe auf'm Sitz. Müll wird da fallengelassen, wo er anfiel. Das WC ist ein Event-Spielplatz.

Während genug andere denken: wozu dann überhaupt bezahlen?

Der Nv/Verbund wird als teuer EMPFUNDEN, weil die Preisgestaltung mit festen Einheitspreisen psychologisch betrachtet Unfug ist. Es müßte auch im NV und im Verbund ein SP/SSP-System wie im FV her. Zeitkarten, die immer in allen Zügen gelten, sind teurer. Wer sich auf ruhigere Züge beschränkt, zahlt weniger. Der Metronom z.B. kennzeichnet volle Züge aks Sardinenzüge. Warum nicht Zeitkarten oder Einzel-/Tagestickets preisreduzierter anbieten, die solche Züge ausschließen. Wer sich dann bewußt Luxus leisten will und das Gefühl, sich diesen gönnen zu können, der zahlt dann mehr. Man könnte Tickets und Züge auch farblich kennzeichnen. Gab es bei den rosaroten Preisen der guten alten Bundesbahn nicht auch 2 Rosatöne? Immerhin erkannte schon selbst die, das Preisvielfalt ein Erfolgsmodell ist! Nur so ewiggestrige Bahnfuzzys träumen ja vom Einheitspreis; Strecke A nach B kostet immer X, Strecke C nach D kostet immer Y. Nein, es würde alles noch besser, würde man auch im reinen NV/Verbund Preise noch mehr differenzieren.

Zumal der Kollege Henrik ja Recht hat, wenn er erwähnt, dass Bahnfahren eh schon immer günstiger geworden ist! Mir fiel neulich ein altes Niedersachsenticket in die Hände, kostete damals auch schon 24 Euro. Wie heute. Und für SSP mußte ich vor zig Jahren auch schon 25 Euro auf den Tresen legen.


Bei meinen Befragungen habe ich auch noch nie jemanden mit SP/SSP/Flexpreis über den Fahrpreis jaulen hören. Kritik diesbezüglich kommt praktisch nur von Verbundkundschsft. Was mich erst zu o.g. Gedankengängen inspirierte.

Was die Menschen von der Bahn abhält, ist das allgegenwärtige Chaos und die Unzuverlässigkeit. Die sich seit Jahrzehnten nicht bessert und auch absehbar mittelfristig allein ob der ganzen Bauerei auch nicht ändern wird. Die Hochglanzwerbung und 85%-Zufriedenheitspünktlichjubelmeldungen wirken ja wie Satire; 'weltfremd' trifft es auch. Sie beweisen nur die Ahnungslosigkeit der Chefetagen von der Basis.

Statt das Produkt zu verramschen, ist mehr Realismus zu verkaufen, Fahrpläne und Umstiege zu erstellen, die auch praktisch funktionieren können. Es passt nicht zusammen, wenn Netz Trassen quasi sekundengenau berechnet - im Betrieb aber 5:59 Min als pünktlich selten; und dort mit der Einstellung auch gearbeitet wird.

Und dann braucht es viel mehr Personal. Im Zug. Am Bahnsteig. Ich lade jeden ein, mal mitzufahren und dabei zu sein, wenn die Kunden davon ausgehen, dass ich Bahnbediensteter bin. Ihr werdet staunen, was da alles gefragt wird. Und wie dankbar die Leute für Kleinigkeiten sind! DAS muss der ÖV leisten: Kundendienst. Und zwar persönlicher. Der über die reine Beförderung hinaus geht. Denn unpersönliche Beförderung kann ich auch im Pkw haben. Nicht mal unkomfortabeler; ich muss nur aufmerksam bleiben.

Schöne Grüße von jörg


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum