Vorteile von Randbahnsteigen (Allgemeines Forum)

heinz11, Montag, 25.04.2022, 20:58 (vor 1442 Tagen) @ Alphorn (CH)

Für den Kunden ist aber auch die Zeit, die man am Bahnhof verbringen muss, ein Faktor. Weitwanderwege sind da kein Vorteil (kosten erstens Zeit, sind zweitens beschwerlich und mühsam) - und so werden Bahnhöfe zu sehr zu Flughäfen (die man genau deswegen hasst) ...

Ich verstehe deinen Gedankengang grad gar nicht.


Lass mich helfen: Bei einem Inselbahnsteig in der Mitte muss man sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg Treppen steigen, um nach Hause zu kommen. Das kostet Zeit und verlängert die Gesamtreisezeit, auch wenn die reine Fahrzeit gleich bleibt. Bei Randbahnsteigen hingegen entfällt auf einem der beiden Weg das Treppensteigen und die Reisezeit verkürzt sich entsprechend.

Das Problem kann durch Rampen reduziert werden, besonders wenn sie auf gerader Linie zum Ziel liegen. In der Schweiz sind Rampen sehr verbreitet, weil sie viel billiger gebaut werden dürfen: Sie sind mit 12% doppelt so steil wie in Deutschland (müssen dafür aber unter Dach sein - was auf einem Bahnsteig sowieso der Fall ist). Zudem kann man die Kosten der dadurch ersetzten Treppe abziehen. Ich vermute allerdings, das Österreich die gleichen Regeln wie Deutschland hat, und 6%-Rampen mit Plattformen sind für Nichtbehinderte eher untauglich, wodurch man die Zahl der Treppen vermutlich nicht reduzieren kann.

Ich will Dir Deinen Stolz auf Schweizer Rampen nicht nehmen, aber Du stellst es so dar, als ob beim Rampenbau eine Längsneigung von 12% der Regelfall sei. Mitnichten!

In der einschlägigen VSS-Norm heißt es:
"
Längsneigung

Die Längsneigung von Rampen ist so gering wie möglich auszuführen, max. 6% (Anh. Ziff. 6.2).
Wenn die räumlichen und baulichen Randbedingungen es erfordern sind Längsneigungen im Freien bis max. 10%, überdacht bis max. 12% zulässig (Anh. Ziff. 6.2).
"

Das bedeutet, die Regellängsneigung für Rampen beträgt auch in der Schweiz maximal 6%. Die Überdachung ist somit nicht der Freibrief für eine generelle Längsneigung von 12%. Inwieweit man in der Schweiz da großzügig ist und in der Praxis alle Augen inclusive der Hühneraugen zudrückt, um die Ausnahme anwenden zu können, entzieht sich meiner Kenntnis.


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