Italien: "Wenn der Zug dem Flugzeug das Wasser abgräbt" (Allgemeines Forum)

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Donnerstag, 16.12.2021, 22:55 (vor 192 Tagen) @ GibmirZucker

So ungünstiger ist die Lage von Berlin auch nicht. Zwar gibt es nordöstlich von Paris noch Lille, aber der grenzüberschreitende Verkehr nach Belgien ist eben auch grenzüberschreitend. Wenn Paris-Bruxelles Grund für eine LGV ist, warum dann nicht Berlin-Stettin und Berlin-Warschau, wenigstens als Mix ABS/SFS?

Nun, Polen hat vielleicht auch andere Prioritäten derzeit. Es würde für deren Seite womöglich gar nicht so schwer sein, einen Ausbau auf 200 km/h anzustoßen.

Es hat wohl damit zu tun, dass trotz aller Bemühungen die Grenzen zwischen Ost und West aus den Köpfen der Planer noch weiter verschwinden müssen. Es spricht zum Beispiel Bände, dass erst jetzt man die Hauptstrecke Wien - Bratislava elektrifiziert und zweigleisig ausbaut. Mit anderen Worten, noch 30 Jahre nach dem Mauerfall hat es eine eingleisige nicht elektrifizierte Bahn, die auf 120 ausgebaut ist und 2 europäische Hauptstädte, die sonst kaum so nah liegen wie dort, verbindet... Dabei hat man dort eines der längsten völlig geraden Strecken in Europa.

Oder. Wien - Breclav. Auf dem ganz kurzen tschechischen Abschnitt kann man schon 160 fahren, in Österreich nur 120-140 auf einer geraden Strecke.

In die andern Richtungen könnten Verkehre auch gebündelt werden, Berlin-Hannover ist distanzmäßig auch nicht viel anders als die LGV Atlantique und mit Abzweigungen nach Düsseldorf-Köln und Frankfurt werden auch nicht geringere Potentiale erschloßen als mit Rennens/Nantes und Bordeaux.

Bündelt man die Verkehre aber nicht eh schon massiv?

Und Hannover-Frankfurt gibt es noch Synergien mit Hamburg-Frankfurt. Erfurt ist kleiner als Lyon, aber München liegt näher an Berlin als Marseille an Paris. Luxuriös ist sogar die Situation, dass mit Leipzig eine Halbmillionenstadt noch angebunden werden kann. Es gäbe zahlreiche Argumente, dass dir Struktur in Deutschland sogar günstiger ist als in Frankreich.

Bis man drauf kommt, wie die Bevölkerungsdichte aussieht. Außerdem, in Frankreich ist der Regionalverkehr abseits der Ballungsräume eher weniger ausgeprägt und wenn ich mir anschaue, was da für Fahrpläne in der Provinz gefahren werden, denke ich mir auch so... ne

Sicher, nicht alles ist bahntechnisch an Deutschland schlecht,

Das meiste sogar ziemlich gut!

in Frankreich ist das Angebot in der Fläche eher schlechter. Aber grundsätzlich sind die Siedlungsstrukturen in Deutschland nicht gerade ungünstig für den HG-Verkehr.

Nicht so günstig wie in Frankreich. Schauen wir uns alleine das Netz der Hauptstrecken in Europa auf https://openrailwaymap.org/ an, sehen wir schnell die Unterschiede. Man erkennt sofort die Grenze zu Frankreich.
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Und auch beim Zoom-In, wo die Nebenbahnen sichtbar werden, werden die Unterschiede sehr deutlich:

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Frankreich hat eine sehr schwache Bevölkerungsstruktur. Dementsprechend fällt es leichter, die Investitionen auf einige wenige Hauptstrecken zu fokussieren und da irgendwie auch regionale Erschließungen durch TGV-Halte im Nirgendwo mit Anschluss an Bus bzw. MIV zu bieten...

übrigens, Italien hat es halt auch leicht, mit ein paar wenigen Korridoren die Erschließung zu erfüllen.

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Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
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(Bildquelle: ČD)


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