EU: mangelnde Internationalisierung (Sammelantwort). (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 22.11.2021, 10:12 (vor 17 Tagen) @ amtrak

amtrak:

Richtiges Fazit in diesem Artikel!

Vor allem dieser Passus "gefällt" mir:

"So the only place you will get a €19 ticket from Budapest to Zagreb is the Hungarian railways website mavCSOport.hu. It rolls off everyone's tongue, of course. A household name... not."
Instead, consumers have to turn to niche travel agencies or to train nerds such as Smith, who shares the best routes on his travel website for free.

"Smith" ist der Mann von Sitzplatz einundsechzig.
Es ist kaum vorzustellen, aber im TEE-Zeitalter hatte man die Materie besser verstanden. Mit dem System, das eine Fahrkarte Amsterdam-München für Jan organisierte, organisierte man eine Fahrkarte München-Amsterdam für Otto, Zürich-Den Haag für Roger, Paris-Groningen für Jean-Pierre und Mailand-Rotterdam für Giancarlo.
Ich erinnere mich 1989, als ich meine erste internationale Fahrkarte kaufte. Das ging damals noch per Fernsprecheranruf (die deutsche Sprache war damals noch nicht mit Leihwörtern wie Telefon verunziert). Am Reisetag meldete ich mich beim Bahnhof Helmond (der damals noch sowas wie einen Schalter hatte), identifizierte mich mit meinem Passport und sagte dass ich kam, um meine Fahrkarte nach Rovereto(IT) abzuholen. Intercity bis Köln, danach Dolomitenexpress mit zwei Stunden Übergang. Ein paar Minuten später war ich zwar einen dreistelligen Betrag an NLG armer, aber eine internationale Bahnfahrkarte reicher.

Damals gab es noch kein Internet, keine Email, keine Handys. Aber es gab ein staatenübergreifendes System! Und dann war es egal ob der gebuchte Platz in einem IC, EC, TGV, D-Zug oder Nachtzug war (ICE gab es noch nicht).
Oh Ironie: jetzt versucht man mit einem "TEE 2.0" diese guten alten Langstreckenverbindungen neuzuerleben. Ich sehe allerdings lieber, dass sowas wie Railscanner kommt, so wie es Skyscanner für die Airlines gibt. Der Umstieg in Madrid für meine Reise Amsterdam-Lissabon nehme ich in Kauf.

Eine Lösung, um die komplizierten Buchungssysteme zu umgehen, war Interrail.

Wenn auch nur teilweise. Der Geschäftsmann, der Amsterdam-Strasburg reist, wird sicher und wohl kein Interrail kaufen.

Wenn man nun im eurail/interrail-Community-Forum lest, wie schwierig es ist, in IT/ES/FR Plätze vorher online zu buchen...

Problem durfte eher sein, dass sehr viele (zuviele?) Züge reservierungspflichtig sind. Nicht nur Frecciarossa, AVE und TGV aber auch der italienische IC der auf der dortigen Fernverkehrsrangliste ganz unten steht. Dass man mit Interrail nicht in den TGVs kommt, wäre noch zu verkraften, wenn man dafür dann in die Intercités kommt (2007 war das noch Corail). Zudem hat man in den Intercités doch etwas mehr Landschafts- und Bahnerlebnis als im TGV.

Altmann:

Trotzdem frag ich mich, ob man in unseren fortschrittlichen Zeiten nicht auch eine andere Art des Vertriebs finden könnte. Wie wäre es, wenn Bahnens sich fortschrittlich zeigen, und man die Reservierung z.B. per Fax tätigen kann? Ich hoffe, Bahnens arbeiten bereits daran!?

Es gab mal (gibt immer noch?) Railteam. S.i.w. sogar eine NL-Initiative. Da waren alle nationale FV-Produkte (ICE, TGV, AVE, PKP/CD/SBB-IC, railjet, Frecce), EC, Thalys, eurostar und ICE International drin. Es galt das Verfahren HOTNAT (Hop On The Next Available Train). Sollte man im Falle München-Brüssel in Köln den ICE-Anschluss verpasst haben, durfte man auch Thalys fahren.
Nun stammte das ganze aus der Zeit als es noch keinen Privatfernverkehr (vor allem NTV a.k.a. .italo) und keine Billigbahn (Ouigo, izy, AvLo, EVA usw.) gab.

MartinN:

Da führte man ETCS ein um den europäischen Bahnverkehr zu harmonisieren und was machen die verschiedenen Bahngesellschaften? Sie verbiegen das ETCS so, dass es nun ETCS für jedes einzelne Land gibt.

Das sind s.i.w. nicht (nur) die Bahngesellschaften, die das machen. Hier in NL gibt es drei unterschiedliche Dialekte des ETCS Level 2: eine für die Betuweroute, eine für die HSL-Zuid und eine für Amsterdam-Utrecht. Grund für dieses Ergebnis: es waren drei unterschiedliche Projekte und es haben drei unterschiedliche Konsortien von Unternehmen jeweils eine Ausschreibung gewonnen.

Die Betonköpfe in den oberen Etagen der verschiedenen Bahngesellschaften müssen endlich weg und damit auch dieses Kleingärtchendenken der Bahnen endlich beerdigen. Auf Linien auf denen schon seit Jahren internationaler Eisenbahnverkehr herrscht ist das länderspezifische ETCS durch ein internationales zu ersetzen.

Definiere "international". Das kann hier in NL die HSL-Zuid nach Brüssel sein oder Amsterdam/Maasvlakte-Zevenaar-Deutschland, aber auch die grenzüberschreitende Bummelbahn Heerlen-Aachen.
Die EU definiert "Magistralen". Das sind aber Bündlungen von Strecken. Bei Rotterdam-Genova ist im Personenverkehr z.B. die Rennbahn K-F gemeint und im Güterverkehr die Links- und Rechtsrheinische. Hinzu kommen Umleiterstrecken, bei uns in NL die Brabantroute (Kijfhoek-Breda-Venlo-Köln) versus die Betuweroute. Nun liegt auf der Betuweroute ETCS Level 2, auf der Brabantroute nicht. Heisst also, wenn die Betuweroute gesperrt ist, braucht ein Güterzug theoretisch eine andere Lok. In der Praxis ist es selbstverständlich so, dass eine ETCS-Maschine mit ATB zurechtkommt, wenn sie das zugehörige Übersetzungsmodul hat. Allerdings steht sowas das Wunschverfahren "ETCS only" im Wege.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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