Einmal zum Bodensee und zurück (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Dienstag, 03.08.2021, 13:31 (vor 1691 Tagen) @ lokuloi
bearbeitet von Twindexx, Dienstag, 03.08.2021, 13:32

Hoi,

Wir hatten im Wagen 7 im Familienbereich reserviert. Vom Familienbereich sollte man sich aber nicht zu viel versprechen. Es ist einfach ein bisschen bunt angemalter Tisch in einem ansonsten ganz normalen 4er-Vis-a-Vis-Großraumbereich. Wer also die Kleinkindabteile aus den IC(E) kennt, wird hier eher enttäuscht sein.

Es ist immer eine Abwägung mit der Sitzplatzkapazität. Daher heisst es ja auch Familienzone (im Onlinefahrplan mit dem Kürzel FZ gekennzeichnet) und nicht Familienabteil. Sämtliche EC der SBB sind bezüglich Familienzone so ausgestattet, so auch der EC nach München. In den Wagenzügen und den Giruno befindet sich diese Zone aber etwa in Zugsmitte, nur beim Astoro im Endwagen.

Ob die Auslastung nur Corona-bedingt war, ist schwer einzuschätzen. Die Auslastung der restlichen Züge des Wochenendes spricht eher nicht dafür. Hier ist jedenfalls noch reichlich Kapazität vorhanden, um Fahrgaststeigerungen zwischen München und der Schweiz aufzufangen.

Es ist nach wie vor eine deutlich niedrigere Nachfrage nach München und Bayern zu verzeichnen. Auch Flixbus bietet an den meisten Tagen von den Nonstopkursen in 3h 50min nur noch eine Fahrt pro Richtung an, früher waren es um die zehn. Das liegt nicht daran, dass nun sechs statt drei EC rollen, zumal dafür die IC-Busse komplett eingestellt wurden.

Auch und gerade hinter Buchloe ging es flott weiter. Auch wenn es hier oft „Sparausbau“ genannt wird, fand ich es durchaus beeindruckend hier auf eingleisiger Strecke so schnell vorwärtszukommen und was aus der bestehenden Infrastruktur herausgeholt wurde. Man könnte es auch einen zugeschnittenen Ausbau nennen, der zu den derzeitigen Anforderungen passt.

Das Problem ist aber, dass sobald etwas nicht exakt nach Fahrplan läuft oder man nur einen Zug mehr fahren möchte, das Kartenhaus krachend zusammenfällt.

Durch die Verbindungskurve in Richtung Lindau-Reutin geht es nur in sehr gemächlicher Schleichfahrt. In Reutin sind wir trotzdem auf die Minute pünktlich. Entweder geht es hier (noch) nicht schneller, oder wir mussten ein wenig Verfrühung abbummeln, und die Strecke hat doch mehr Reserven, als hier kolportiert wird.

Nein, da sind keine Reserven, die da abgebummelt werden. Die Strecke ab Lindau-Aeschach durchgehend bis Lindau-Reutin hat eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Allein hier gehen zwei Minuten Fahrzeit drauf. Nur schon die nicht umgesetzte Option von Vmax 80 km/h hätte zusätzliche 30 Sekunden Reserve gebracht und die Problematik der knappen Fahrzeit etwas entschärft. Mit 60 km/h handelt es sich nach dem Gleisfeld von München Hbf um den langsamsten Abschnitt auf der Gesamtstrecke München-Zürich.

In der Abstellung vor St. Margrethen ist ein weiterer ETR610 abgestellt. Wir erreichen St. Margrethen pünktlich, hätten hier planmäßig 7 Minuten Aufenthalt. Als diese abgelaufen sind, kommt dann die passende Durchsage: Wir erhalten noch einen Zugteil, deswegen verzögert sich die Abfahrt noch.

Das ist die Komposition für die Doppeltraktion des EC 197 Montag bis Freitag. Ab Fahrplanwechsel wird diese Doppeltraktion dann in Bregenz statt in St. Margrethen getrennt und damit am nächsten Morgen der morgendliche EC 290 Lindau-Reutin (06:52) - Zürich HB (08:27) auch jeweils Montag bis Freitag geführt.

Ob wir unseren vorgesehenen Slot noch erreichen werden, oder jetzt eine halbe Stunde warten müssen?

Es ist nicht so, dass man dann einfach eine halbe Stunde stehen bleibt, sondern man schleicht einfach anderen Zügen hinterher. Aber dieses Jahr haben wir zwischen St. Margrethen und St. Gallen noch sieben Minuten zusätzliche Reserve und in St. Gallen vier Minuten Haltezeit, als Kulturpuffer war das bisher schon öfter hilfreich. Wird dann ab Fahrplanwechsel spannend.

Der Ausstieg aus dem Zug auf den niedrigen Bahnsteig ist mit Buggy ein wenig abenteuerlich, aber es funktioniert. Der Umstieg zu Gleis 6 ist bequem über zwei Rampen zu bewerkstelligen.

Es sind 55cm-Perrons wie meistens in der Schweiz. In der anderen Unterführung hätte es Lifte statt Rampen auf alle Perrons gehabt.

Dort fährt dann mit nur sehr kurzem Aufenthalt pünktlich der RE nach Konstanz ein und aus. Es erwartet uns allerdings nur von Zuggattung und Fahrplan ein RE, das Fahrzeug ist eindeutig eine S-Bahn mit 2+3 Bestuhlung und Sitzbänken.

Beides ist Regionaler Personenverkehr (RPV), ein spezieller Unterschied bezüglich Komfort zwischen S-Bahn und RegioExpress ist nicht definiert. Bei den RE, die als Fernverkehr konzessioniert sind, findet ein Wandel zur Aufwertung zum IR statt.
Der Komfort im RPV ist vom jeweiligen EVU abhängig. Wobei Thurbo im schweizweiten Vergleich mit der günstigste Anbieter ist und ein Angebotskilometer den Kantonen am wenigsten kostet. Der RE Herisau-Konstanz fährt hauptsächlich durch den Kanton Thurgau. Beim Kanton Thurgau ist es so, dass dieser seine Leistungen sowieso in erster Linie bei Thurbo bestellt, da der Kanton Thurgau auch Miteigentümer von Thurbo ist.

Unabhängig davon ist mit der 2+3-Bestuhlung auf dieser Linie sowieso auf absehbare Zeit Schluss. Zum einen beschafft Thurbo über die SBB eine neue Fahrzeugflotte, die ab 2025 sukzessive die GTW ablösen wird, diese Flotte wird eine 2+2-Bestuhlung erhalten, und zum anderen wird der RE St. Gallen-Konstanz mit der Hochrheinelektrifikation via Singen und Schaffhausen nach Basel durchgebunden und den RE von Friedrichshafen zum Halbstundentakt ergänzen. Im Schweizer Abschnitt ab Konstanz wird wohl weiterhin Thurbo das EVU sein, aber es werden dann ziemlich sicher keine Thurbo-Fahrzeuge mehr auf dieser Linie eingesetzt.

Hier passt das Fahrzeug und die Bahnsteighöhe zusammen, es geht mit einem funktionierenden Lift hinunter in die Bahnsteigunterführung – um am Ende vor einem defekten Aufzug zu stehen. Das heißt dann wohl Buggy tragen.

Konstanz hat genau wie St. Gallen 55 cm hohe Kanten. Was in Konstanz passt, passt also auch in St. Gallen. Interessant ist jedoch, dass Konstanz und St. Gallen etwa gleich gross sind. Zumindest von den Bahnhöfen her ist das definitiv nicht ersichtlich.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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