Einmal zum Bodensee und zurück (mit 11 Bildern) (Reiseberichte)

lokuloi, Samstag, 31.07.2021, 18:06 (vor 1693 Tagen)

Mit einem halben Jahr Verspätung war es Anfang Juli so weit: Meine Erstbefahrung der ABS 48 stand an. Und so machten wir uns am Morgen des 9. Juli auf den Weg zum Münchner Hauptbahnhof und wurden dort von einem als Rabe verkleideten ETR 610 begrüßt, der auf den Namen Goethe hört:

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Der Zug sollte bis Zürich fahren:

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Wir würden nicht ganz so weit mitfahren, denn wir hatten folgende Verbindung für uns ausgesucht.

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Wir hatten im Wagen 7 im Familienbereich reserviert. Vom Familienbereich sollte man sich aber nicht zu viel versprechen. Es ist einfach ein bisschen bunt angemalter Tisch in einem ansonsten ganz normalen 4er-Vis-a-Vis-Großraumbereich. Wer also die Kleinkindabteile aus den IC(E) kennt, wird hier eher enttäuscht sein. Aber da die Auslastung – zumindest im Wagen 7 – eher bescheiden war, störte uns das nicht weiter – und wir die (nicht vorhandenen) Mitfahrer nicht. Ob die Auslastung nur Corona-bedingt war, ist schwer einzuschätzen. Die Auslastung der restlichen Züge des Wochenendes spricht eher nicht dafür. Hier ist jedenfalls noch reichlich Kapazität vorhanden, um Fahrgaststeigerungen zwischen München und der Schweiz aufzufangen.

Die Fahrt ging eher gemütlich los, aber ich denke niemanden, der sich nicht dafür interessiert, wäre aufgefallen, dass wir bis Buchenau hinter eine S-Bahn hergeschlichen sind. Danach wurde es flotter, allerdings konnte ich auf der sporadisch eingeblendeten Geschwindigkeitsanzeige nie 160 km/h entdecken, ich glaube es war sogar immer unter 150 km/h. Ab Geltendorf dann meine persönliche Elektropremiere in diesem Abschnitt.

Auch und gerade hinter Buchloe ging es flott weiter. Auch wenn es hier oft „Sparausbau“ genannt wird, fand ich es durchaus beeindruckend hier auf eingleisiger Strecke so schnell vorwärtszukommen und was aus der bestehenden Infrastruktur herausgeholt wurde. Man könnte es auch einen zugeschnittenen Ausbau nennen, der zu den derzeitigen Anforderungen passt.

Nur das Wetter spielte nicht so ganz mit, und so fuhren wir weiter durch’s verregnete Unterallgäu:

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3 Symbolbild ;-): Verregnetes Unterallgäu hinter Familien“abteil“.

Nach einer guten Stunde haben wir die halbe Luftlinie, aber erst ein gutes Viertel der Fahrzeit hinter uns! In Memmingen kreuzten wir den ersten Gegen-EC, der direkt im Nebengleis stand. Die Auslastung in die andere Richtung schien wesentlich besser zu sein (oder bei uns saßen einfach alle weiter vorne). Prinzipiell scheint die Lastrichtung am Morgen aber schon eher in Richtung München zu sein als aus München raus.

Hinter Memmingen kam dann die Neigetechnik spürbar zum Einsatz und wir wackelten nun durchs kurvenreiche Württembergische Allgäu. Apropos Kurven: ich finde es durchaus bemerkenswert, dass die befahrene Strecke quasi in allen Kreuzungsbahnhöfen die abzweigende Strecke darstellt. Ob Buchloe, Memmingen, Leutkirch, Kißlegg oder Hergatz: immer war schon eine Strecke da, bevor die von uns befahrene angeschlossen wurde.

Kurz vor dem Bodensee wurde es nicht nur wieder zweigleisig, sondern auch das Wetter wurde langsam besser:

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Durch die Verbindungskurve in Richtung Lindau-Reutin geht es nur in sehr gemächlicher Schleichfahrt. In Reutin sind wir trotzdem auf die Minute pünktlich. Entweder geht es hier (noch) nicht schneller, oder wir mussten ein wenig Verfrühung abbummeln, und die Strecke hat doch mehr Reserven, als hier kolportiert wird.

Inzwischen haben wir den Bodensee nicht nur erreicht, wir sehen ihn auch durch das gegenüberliegende Fenster:

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Die bis hier her flotte Fahrt wird zusehends gemächlicher. Für die folgenden 28 km Luftlinie werden wir eine Stunde benötigen. Das liegt nicht nur daran, dass der Bodensee im Weg liegt, sondern auch an den länglichen Aufenthalten. In Bregenz kommt uns wieder ein EC nach München entgegen, auch der scheint beim Blick durch die Fenster durchaus einige Passagiere zu befördern. Bevor es rechts abgeht Richtung Schweiz halten wir nochmals ein paar Minuten und müssen eine S-Bahn aus der anderen Richtung passieren lassen. Zwischen Lauterach und St. Margrethen ist gefühlt noch alles Baustelle. Wir überqueren den Rhein und befinden uns nun in der Schweiz. In der Abstellung vor St. Margrethen ist ein weiterer ETR610 abgestellt. Wir erreichen St. Margrethen pünktlich, hätten hier planmäßig 7 Minuten Aufenthalt. Als diese abgelaufen sind, kommt dann die passende Durchsage: Wir erhalten noch einen Zugteil, deswegen verzögert sich die Abfahrt noch. Ob wir unseren vorgesehenen Slot noch erreichen werden, oder jetzt eine halbe Stunde warten müssen? Das Kupplungsmanöver gelingt unspektakulär, aber spät. Mit 7 Minuten Verspätung geht es weiter, der Zugbegleiter gibt jedoch bekannt, dass wir bis St. Gallen wieder pünktlich sein werden. Was soll ich sagen: er sollte recht behalten. Insbesondere ab Rohrschach geht es sehr flott die Kurven den Berg hinauf. Hier können die Neigetechnik und 11.000 kW mal zeigen, was sie leisten können.

Nach ziemlich genau 3 Stunden erreichen wir unser Zwischenziel St. Gallen. Ab Dezember geht das nochmals eine halbe Stunde schneller. Leider wirkt sich das nicht auf die Gesamtfahrzeit nach Konstanz aus, sondern führt nur zu einer bei Stundentakt denkbar ungünstigen Umsteigezeit von 51 Minuten. Der Ausstieg aus dem Zug auf den niedrigen Bahnsteig ist mit Buggy ein wenig abenteuerlich, aber es funktioniert. Der Umstieg zu Gleis 6 ist bequem über zwei Rampen zu bewerkstelligen.

Dort fährt dann mit nur sehr kurzem Aufenthalt pünktlich der RE nach Konstanz ein und aus. Es erwartet uns allerdings nur von Zuggattung und Fahrplan ein RE, das Fahrzeug ist eindeutig eine S-Bahn mit 2+3 Bestuhlung und Sitzbänken. Das macht nichts, denn wir müssen es uns ohnehin im Mehrzweckabteil gemütlich machen. Zumindest auslastungsmäßig ist hier von Corona nicht zu merken, sie ist für schweizer Verhältnisse durchaus hoch, und es wird teilweise sogar gestanden.

Der Stadler GTW 2/8 (RABe 526) fährt wieder erstaunlich flott den Hang zum Bodensee hinunter. Da wir uns ja jetzt in der Schweiz befinden ist natürlich auch das Wetter besser:

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In Hägenschwill-Winden müssen wir noch kurz eine Kreuzung abwarten, aber dann geht es echt flott mit nur zwei Zwischenhalten nach Konstanz.

Ein Blick zurück auf den Thurbo 768-7:

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Hier passt das Fahrzeug und die Bahnsteighöhe zusammen, es geht mit einem funktionierenden Lift hinunter in die Bahnsteigunterführung – um am Ende vor einem defekten Aufzug zu stehen. Das heißt dann wohl Buggy tragen.
Unsere Unterkunft ist fußläufig vom Bahnhof Konstanz aus zu erreichen und wir haben nun eine verlängertes Wochenende am Bodensee vor uns. Ein paar Impressionen ohne Bahnbezug dazu.

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Für die Rückfahrt entscheiden wir uns für einen Weg mit Boot-Anteil, auch wenn die Überlegung einer 612er-Abschiedsfahrt über Radolfzell im Raum stand. Schlussendlich wurde es aber diese Verbindung:

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Auf der Überfahrt mit dem Katamaran kam uns sowohl Ferdinand als auch Zeppelin gleichzeitig entgegen:

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In Friedrichshafen nutzen wir die Aufenthaltszeit für einen kurzen Besuch der Strandpromenade. Am Hafenbahnhof ist unser Zug wie alle anderen Züge hier auch für Gleis 3 angekündigt. Er kommt schließlich auf Gleis 2. Der Lokführer erklärt dann sogar allen auf dem Bahnsteig (ca. 4-5 „Parteien“), dass dies der fürs andere Gleis angekündigte Zug ist. Eine Dreifachtraktion Regioshuttles bringt uns schließlich zum Stadtbahnhof. Ab Dezember fahren auch hier E-Triebwagen, die Oberleitung im Hafenbahnhof hängt schon.

Trotz Elektrifizierung soll sich am prinzipiellen Fahrplan ja erstmal nichts ändern, mal schauen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Wunschkonzert: bitte einen durchgehenden RE Ulm – Friedrichshafen Hafen mit Anschluss an den Katamaran. Gerne mit Anschluss an den FV nach München in Ulm. Theoretisch sollte das recht gute Fahrzeiten ergeben.
Zu meiner Überraschung ist Friedrichshafen Stadt nicht barrierefrei, d.h. Tasche, Buggy und Kind die Treppe hinunter und nebenan wieder hinauf. Es klappt in der vorgesehenen Umsteigezeit, aber bis wieder alle „marschbereit“ sind, steht der Zug schon da.

Ab jetzt gibt’s keine Bilder mehr, was nicht nur daran liegt, dass die Südbahn eher unfotogen ist und die Strecke Ulm – München schon gefühlte 1.000 mal befahren wurde, sondern auch an der Auslastung der Züge. Die sind beide gut gefüllt, und ich habe schon das Gefühl, dass die Leute im Moment noch wenig gewillt sind, jemanden zu sich sitzen zu lassen. Wir haben aber einen Dreier-Notsitz vor der Wagenübergangstür im „Zwischenstock“, der sich alles in allem als ganz praktisch erweist.

In Aulendorf warten wir dann auf Anschlussreisende, woher eigentlich? Bei uns „vorne“ ist niemand eingestiegen, mit 10 Minuten Verspätung ging‘s schließlich weiter. Uns wars egal, der bahnsteiggleiche Anschluss nach München war gesichert, der Anschluss zum ICE nach Norden klappte aber nicht mehr. Ich wage zu behaupten, dass das mehr betroffen hat als die Anschlussreisenden in Aulendorf. Hier kann ich das warten nicht so ganz nachvollziehen.

Der EC 117 war wie gesagt sehr gut gefüllt und da die genaue Rückfahrt erst recht kurzfristig stattfand, hatten wir auch nicht reserviert. Ich wäre mit dem Kinderwagenstellplatz neben dem Kleinkindabteil zufrieden gewesen. Dies war allerdings mit nicht mehr als Handgepäck durchgehendem Großkoffer belegt. Ein engagierter Zugchef machte uns dann aber sogar das Kleinkindabteil frei und so war auch der letzte Abschnitt sehr entspannt und wir kamen weitgehend pünktlich wieder in München an.

Viele Grüße,
Uli


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