Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 3/5 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Donnerstag, 04.02.2021, 20:04 (vor 1870 Tagen)

Hallo liebes Forum,

willkommen zurück zu meinen mehr oder weniger wilden Touren durch den Mittleren Osten im Jahr „Du weißt schon wann“.
Als noch alles gut war, bin ich ein Wochenende lang durch die Westslowakei gecruist. Im September verschlug es mich wie jüngst beschrieben nochmal länger in dieses Land.

Bisher hatten wir uns den Norden und Westen angeschaut, diesmal geht es weiter mit dem Süden & Westen. Es folgt auch wieder ein Abstecher ins Ausland, allerdings ist es diesmal nicht so unkompliziert wie in Polen. ;-)

An jenem Montag, dem fünften Tag meiner Reise, nahm ich den ersten Urlaubstag. :D
Žilina ist mit 80.000 EW die viertgrößte Stadt der Slowakei und von den zehn größten Städten des Landes die einzige, in der ich noch nie gewesen war. Deswegen wollte ich mir natürlich die Stadt anschauen, bevor ich weiterzog.
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125 Der Hauptplatz unterhalb der Altstadt von Žilina
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126 – 128 Der Marktplatz
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129 – 130 Weitere hübsche Gebäude der Altstadt von Žilina
Anschließend fuhr ich am Vormittag mit dem Bus Richtung Süden. Ich fuhr bis Rajec, natürlich nur, um von dort mit der Bahn zurück nach Žilina zu fahren. Auch sonst geht es mir gut. ;-) Mal wieder fiel mir auf, dass es in der Slowakei deutlich mehr junges Zugpersonal gibt als bei uns. Einerseits mangelt es auf dem Land an Alternativen, andererseits ist es attraktiv für all diejenigen, die gern in einer Einsatzstelle an einer Nebenstrecke unterkommen möchten (z. B. weil sie dort aufgewachsen sind), denn in den großen Städten, wo es Jobs gibt, ist nämlich auch der Druck auf die Wohnungen ordentlich. Auch scheinen erfreulicherweise die Drachen unter dem Zugpersonal weniger zu werden. Die Fahrzeit mit dem Zug von Rajec nach Žilina beträgt 44 min, davon 8 min für die Zugkreuzung. Busse schaffen die Strecke in 35 – 45 min, fahren aber viel häufiger. Dafür kosten die schnellsten Busse auch 1,75 € für eine einfache Fahrt, per Zug sind es 95 ct. In Žilina gab es auch viele innerstädtische Mitfahrer. Hier (und in Bratislava) gilt übrigens ein Verbundtarif übergreifend für alle städtischen Verkehrsmittel, Kauf im Zug ist nicht möglich. Mein Zug erreichte Žilina pünktlich an einem westlichen Stumpfgleis.
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131 Das ehem. Rathaus auf dem Stadtplatz von Rajec
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132 Der Bahnhof von Rajec
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133 Die kleine Schwester der Tatra heißt (wirklich^^) Fatra
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134 Eine einzige E-Lok reicht schon, um einen Dieselzug zu überholen :p
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135 Oh nein, das Monster ist erwacht :-O
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136 Mit dem linken bin ich gerade angekommen
Ich holte mein Gepäck aus der Unterkunft und verließ nun Žilina endgültig. Von der KiNe gab es ein Kopfschütteln und eine umfassende Belehrung, weil ich nicht wie gebucht mit dem stinkenden Schnellzug um 14:55 Uhr, sondern mit dem elektrischen Regionalzug um 14:30 Uhr losgefahren bin. Wie ich jetzt lernte, darf man in der Slowakei nicht früher als gebucht losfahren... Nach 19 min erreichte der Regionalzug Vrútky. Der Ort liegt zwischen Žilina und Kraľovany, wo ich am ersten Tag Richtung Orava umgestiegen war. Während der Wartezeit kam hinter jeder Durchsage der Hinweis, man solle doch bitte die Unterführung benutzen.^^ Die Leute hielten sich alle dran – meiner Meinung nach sollte man mittlerweile eher den Hinweis weglassen, damit man die Menschen gar nicht erst auf falsche Gedanken bringt… Ich konnte die versprochene 861er-Einheits nirgends ausfindig machen. Am Hausbahnsteig stand eine Brotbüchse. Ein Blick auf die Abfahrtstafel bestätigte meinen schrecklichen Verdacht: Ich musste für die zweistündige Fahrt in der Brotbüchse Platz nehmen… [zensierte Flüche] Wenigstens hatte sie einen Beiwagen, der hinten einen guten Ausblick bot – dafür fahre ich ja eigentlich Bahn. ;-)
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137 Mit dem rechten geht’s weiter. Das Monster verschmähe ich. :p
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138 Sieht wesentlich geräumiger aus als es ist^^
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139 Die grüne Lok hatte mich 2017 von der ukrainischen Grenze nach Košice gebracht
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140 Eigentlich sollte hier ein 861er, dieses typische moderne Slowakenteil fahren -.-
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141 Der 861er steht im Hintergrund neben dem Güterwagen. -.- Na wenigstens hat man aus der Gurke einen schönen Ausblick =)
Irgendwann kam das stinkende Urzeitmonster. Es war erst kurz nach meiner Ankunft hier mit + 7 in Žilina losgefahren. Hier wartete es nochmal alle Anschlüsse ab – selbst den Schnellzug mit nicht weniger als 25 min (!) Verspätung aus Košice. Irgendwann fuhr es los, und wir fuhren ihm mit + 10 hinterher. Ab Martin wurde es im nachmittäglichen Berufsverkehr richtig voll, und ich hatte Hunger. -.- So voll, wie es war, konnte ich keinesfalls die Maske absetzen. Bald saß neben mir jemand, der sein Maultäschle immer über seine Nase zog, sobald der KiN anrückte, und es wieder runterzog, sobald kein Personal mehr zu sehen war. Irgendwann reichte mir sein Gekaspere, ich (der ich ja immerhin betroffen war von seinem Scheiß!) bat ihn in meinem nicht perfekten Slowakisch, er solle seine Maske richtig tragen. Er verzog das Gesicht, aber tat wie geheißen. Ich bin ja überhaupt nicht machtgeil, aber ich muss schon sagen, das fühlte sich gut an. :p Auch künftig bat ich Mitreisende in meiner Nähe ohne Maske höflich und bestimmt, die Maske aufzusetzen. Und siehe da: Jedes Mal, wenn ich etwas sagte, war ich erfolgreich. In ca. zwei Dritteln war die Reaktion ein erschrockenes „Huch, klar, sorry!“, da hatten die Leute es einfach nur vergessen, in ca. einem Drittel ein missmutiger Blick. Viele denken sich wahrscheinlich, dass sie ihre Maske nicht richtig tragen müssen, solange eh niemand etwas sagt. Erst wenn man etwas sagt, kann man auch etwas verändern. :p (Natürlich versuchte ich vorher immer, meine Erfolgschancen zu eruieren: Bei Halbstarken oder Leuten, die offensichtlich konfliktfreudig sind und aus Prinzip keine Maske tragen, sage ich natürlich nichts, sondern setze mich wenn möglich um… -.-)
Leider konnte die Krücke von Schienenbus mit vmax 80 km/h nicht die Fahrzeiten des edlen 861ers halten, der Zug vergrößerte permanent seine Verspätung. Hinter Turčianske Teplice (da, wo das stinkende Urzeitmonster abbog Richtung Banská Bystrica) wurde es deutlich leerer. Hier begann der 4-h-Takt und der für mich unbekannte Abschnitt (bis Kremnica). Die vermeintliche Aussicht war meistens durch Wald blockiert, ein paar Mal gab es aber doch ganz schöne Blicke. Ausgerechnet jetzt kam ein älterer Herr zu mir nach hinten, der das Fenster neben der Tür zum Fotografieren öffnete (gut zu wissen, dass das geht!^^) und mich verdrängte. Er textete mich die ganze Zeit zu. Ich glaube, er wollte mir die Landschaft erklären, durch die wir gerade fuhren, aber er redete viel zu schnell, zu undeutlich und mit komischer Stimme. Jedenfalls habe ich keine Ahnung, was er mir erzählt hat. :p In Kremnica fuhren wir mit etwas über + 20 ein, der Tf ging erstmal raus und zündete sich eine Zigarette an. Ok, ich dachte, wir wären schon ordentlich verspätet, aber egal. :D Ich brauchte eine Weile, bis ich den Gegenzug, auf den wir nun warteten, finden konnte, denn er war mit + 50 unterwegs – das war mehr Verspätung als seine Fahrzeit vom Startbahnhof bis hierhin. :D Er hatte es sogar in die Tweets der ŽSSK zu den Unregelmäßigkeiten geschafft, beim ihm war nicht mal ein Grund angegeben. :D Indes hatte der Regionalzug, der mich von Žilina nach Vrútky gebracht hatte und gerade Richtung Poprad weiterfuhr, bereits + 35 angesammelt. Das muss man auch erstmal schaffen… Heute lief es wieder so richtig… Wir fuhren weiter. Hinter Kremnica schlängelte sich der Zug bald kurvenreich ins Tal des Hron hinunter. Zvolen wurde schließlich mit + 32 erreicht…
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142 Blick zurück auf den Bahnhof Vrútky
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143 – 144 Bahnhof Diviaky. Das Wort heißt übersetzt „Wildschweine“. :D Da es im Slowakischen keine Artikel gibt und auch Ortsnamen dekliniert werden, kann man nicht unterscheiden, ob jemand „in Diviaky“ sagt oder „in den Wildschweinen“. :D
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145 Horná Štubňa, hier zweigt die Strecke nach Priviedza ab. Ob die drei Wagen rechts jemals noch bewegt werden?
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146 Zugkreuzung in Kremnica
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147 Haltepunkt Jastrabá
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148 In den Kremnitzer Bergen
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149 Fahrt hinab ins Tal des Hron
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150 Krasser Zuglauf: Von Zvolen Pbf nach Zvolen Gbf. Der hat sogar 5 min gewartet auf uns. :D
Nachdem ich mein Gepäck ins Hotel gebracht hatte, wollte ich mir eigentlich ein nettes Restaurant zum Abendessen suchen. Doch selbst das verhinderte die Bahn. Ich fuhr heute Abend noch nach Krupina. Zwar würde ich zwar auch zwei Tage später nochmal hinfahren, aber auf der Strecke von Zvolen nach Krupina war die ganze Woche von 7 – 17 Uhr SEV. Wer denkt sich denn sowas aus? -.- Den Zug um 17:07 Uhr hätte ich selbst bei pünktlicher Ankunft in Zvolen nicht geschafft, deshalb blieb mir einzig der um 19:07 Uhr, der nicht von der Sperrung betroffen war. Allerdings hat man so in Krupina nur 2 min Umsteigezeit auf den Gegenzug – den letzten des Tages. Der letzte Bus des Tages zurück nach Zvolen startete nicht am Bahnhof und war daher auch nur ohne nennenswerten Puffer erreichbar. Ich dachte ‚Wird schon schief gehen!‘ und versuchte es. Um die Spannung zu steigern, verkündete ŽSSK, dass der Zug nach Krupina bereits mit + 8 losfahren würde wegen Wartens auf Anschlussfahrgäste. Tatsächlich war die Abfahrt mit + 10.^^ Die Fahrt dauerte 40 min, draußen wurde es dunkel. Mit + 7 wurde Krupina erreicht, mit + 5 verließ der Gegenzug mit mir die Stadt wieder Richtung Zvolen. :D Gut, ihm blieb ja auch wenig Anderes übrig als Warten oder Wums. :p
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151 – 152 „Einer von drei Panzerzügen, hergestellt in der Zeit des Slowakischen Nationalaufstandes. Den Arbeitern in den Eisenbahn-Werkstätten ein Symbol des Kampfes des slowakischen Volkes gegen den Faschismus.“
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153 Eeeeendlich reißt man dieses hässliche Ding ab! Wie oft ich mich schon über diesen Klotz geärgert habe! :D
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154 Motorisierung
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155 Zwar keine Privatbahn, aber private Bahn B-)
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156 – 157 Bahnhof zum Weglaufen – willkommen in Zvolen :D

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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