Kap. 2/4: (Früh-)Sommer in Südwesteuropa [AD] (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Mittwoch, 03.06.2020, 20:33 (vor 2124 Tagen) @ Krümelmonster
bearbeitet von Krümelmonster, Mittwoch, 03.06.2020, 20:33

Einen ganzen Tag blieben wir in Andorra, gleich zwei Nächte schliefen wir im Fürstentum.
Unser Hotel befand sich direkt in der Fußgängerzone der Hauptstadt. Sie hat 22.000 EW. Nun ja, in der Liga der langweiligsten europäischen Hauptstädte ist Andorra la Vella auf jeden Fall sehr weit vorn mit dabei (dagegen ist selbst Podgorica spannend^^). Die Stadt liegt ziemlich genau 1000 m über dem Meer, morgens herrschten unter 5 Grad Außentemperatur. Soweit ich weiß, ist Andorra das einzige Land der Welt ohne eigenes Postwesen.^^ Für den Versand ist sowohl die spanische als auch die französische Post zuständig, deren Briefkästen stets direkt nebeneinander stehen. Man sollte allerdings darauf achten, das frankierte Schriftstück in den richtigen Kasten zu werfen. ;-) Der Versand innerhalb des Landes ist kostenlos, aber es dürfte in den allermeisten Fällen schneller gehen, wenn man den Brief persönlich vorbeibringt. ;-) Einmal sah ich auch einen Stromkasten von Electricité de France. :-O
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300 Immer diese wundervollen Ausblicke aus dem Hotelzimmer :D
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301 Briefkästen
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302 Die Orientierung entlang der Hauptstraße durchs Land ist ganz einfach: bergab nach Spanien, bergauf nach Frankreich ;-)
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303 Straßenszene in der Hauptstadt :p
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304 Panorama von Andorra
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305 Berge & Bunker (das ehemalige Parlamentsgebäude)
Mittags liefen wir Richtung Süden aus der Stadt heraus und besuchten die alte Kirche von Santa Coloma sowie die unweit gelegene Steinbrücke Pont de la Margineda. Das waren schon die spannendsten Sachen hier.^^
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306 Die alte Steinkirche Santa Coloma
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307 Die Pont de la Margineda
Mit dem Bus fuhren wir zurück in die Stadt. Das ganze Fürstentum ist gespickt mit Kreisverkehren. Entlang der Hauptstraßen gibt es Busverbindungen in einem für die Bevölkerungsdichte beachtlichen Takt. Die Bushaltestellen befinden sie meistens in den Kreisverkehren, sodass eine Haltestelle beide Richtungen bedient. Teilweise baute man einen doppelten Kreisverkehr mit nur einer Bushaltestelle.^^ Eine inländische Fahrt kostet unabhängig von der Entfernung 1,85 €. Die Linien werden von unterschiedlichen Betreibern gefahren, wenn man innerhalb eines Betreibers umsteigt, gilt es als Einzelfahrt, sonst zahlt man neu.
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308 Was es nicht alles gibt :D
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309 Naja -.-
Nach dem Mittagessen stellte ich fest, dass meine Hose irgendwie locker war. Da hatte sich irgendwie ein Teil vom Gürtel gelockert. Hoch in die Berge wollten wir aber auch noch. Das machten wir gleich, solange die Temperaturen dort noch erträglich warm waren. Also fuhren ins alte Steindorf Ordino (hat übrigens nichts mit den kreidezeitlichen Riesenechsen zu tun, die sich keine Hände waschen konnten und deshalb ausstarben) und liefen etwas umher. Hier herrschten nur noch 12 Grad, während es 300 m weiter unten in der Hauptstadt immerhin 16 Grad hatte.
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310 – 311 Alte Steinhäuser hoch oben in den Bergen in Ordino
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312 He, Rechte am eigenen Bild und so!
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313 Mit solchen Bussen sind die Bergdörfer angeschlossen
Wieder unten suchten wir eines der zahlreichen Shoppingcenter auf, damit ich meine Hose nicht länger festhalten musste.^^ Auch Andorra ist offiziell kein EU-Mitglied und als Steuerparadies bekannt. Günstig sind in erster Linie Alkohol und Tabak, aber viele fahren dort auch hin, um Modeartikel zu kaufen. Es herrscht(e?) reger Bauboom und (fast) Vollbeschäftigung. Der Wohlstand ist getrieben durch die Nicht-Zugehörigkeit zur EU und damit den Sonderstatus bzgl. Zoll. Die Einkaufstouristen stellen eine der wichtigsten Einkommensquellen des Landes dar (zudem ist der Wintersport wichtig), für das Center direkt gegenüber von unserem Hotel bekamen wir schon beim Check In 10-%-Gutscheine. :D Aufgrund der abgeschiedenen Lage (per Bus 3 h ab Toulouse oder Barcelona, letzteres ist deutlich größer und besser angebunden, deshalb kommen die meisten Touristen aus Spanien) profitiert auch die Hotellerie. Kleiner Exkurs an dieser Stelle zu den überaus erfolgreichen Zwergstaaten, die generell zu boomen schienen: Von den Ländern, die ich auf dieser Reise besucht hatte, herrschte auch in Malta herrschte nahezu Vollbeschäftigung (ganz im Gegensatz zum nahen Sizilien), es gab einen regelrechten Bauboom (ich erinnere an die „Stille Nacht auf Maltesisch“). Viele einfache Arbeitskräfte wie Kellner kamen aus Osteuropa, das merkte man an deren Englisch, welches im Gegensatz zu dem der Malteser nicht völlig fürchterlich klang. :p Getrieben wurde die Entwicklung auf Malta maßgeblich durch Tourismus und wohl durch eine bestenfalls fragliche Finanzpolitik (der Übergang zur Mafia ist eher fließend). Die Situation in Monaco sollte klar sein. ;-) Dass es Liechtenstein gut geht, ist auch bekannt. In Luxemburg steht der Wohlstand immerhin auf einer „gesünderen“ Grundlage (etabliertes Finanzsystem)…
Auch in Andorra war Roaming auch hier nicht kostenlos, blöderweise hatte ich kein Offline-Wörterbuch für die Amtssprache Katalanisch finden können.^^ Dennoch bemühte ich mich und versuchte regelmäßig, meinen Wunsch auf Katalanisch vorzutragen, wurde dafür mitleidig angeschaut und erhielt die Antwort auf Spanisch. Ja super, sooo viel weiter brachte mich das auch nicht. :D Zwar hat man mit Spanisch öfter zu tun, es ist also etwas vertrauter, aber wenn man Französisch und etwas Italienisch beherrscht, kann man etwas mehr katalanische Worte verstehen als spanische. Gesprochen klingen die beiden Sprachen für einen Laien übrigens sehr sehr ähnlich, der Akzent ist fast gleich, da muss man schon auf einzelne Worte achten, um zu wissen, in welcher Sprache z. B. das Radio gerade läuft. Die gebürtigen Andorraner sprechen zwar alle Katalanisch, doch gängigste Umgangssprache im Land ist mittlerweile Spanisch. Viele Arbeitskräfte (gerade die gering bezahlten wie Busfahrer) kommen aus Spanien oder auch aus Portugal. Französisch hingegen wurde kaum gesprochen, und mit Englisch sah es auch eher mau aus.^^
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314 Eines der unzähligen Einkaufszentren, hier erstand ich meinen neuen Gürtel :D
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315 Die ganze Stadt erinnert an den Zollbereich eines Flughafens
Abends gingen wir in dieselbe Bar wie am Vorabend und sahen dort auch dieselbe Kleingruppe aus Spanien. Luxi meinte: „Haben die nichts Besseres zu tun, als jeden Abend hierher zu gehen?“ Ich entgegnete: „Was meinst du, was die gerade über uns denken?“ :D Ich sollte essen, während im Fernseher gerade eine Doku lief, wie übelst hässliche Raubfische hinterhältig ihre Beute erlegen… -.-
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316 Interessante Kombination :D

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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