...was wäre wenn... (Reiseberichte)

Dr. Bahn, Dienstag, 02.10.2018, 10:09 (vor 2734 Tagen) @ Oscar (NL)

Aber auch nur auf der Rennbahn. Die gewonnene Zeit wird im Bahnhof abgebummelt, weil der Regionalverkehr nicht so gut ist wie in DE.

Nein, das kann man so nicht stehen lassen. Es sind unterschiedliche Konzepte.

Vergleichen wir mal zwei "Provinz"-Städte bei einer Reise in die jeweilige Hauptstadt [2], beide mit bekannt schlechter eisenbahntechnischer Anbindung fernab der HGV-Trassen. Paderborn und Clermont-Ferrand. Beide ca. 330-350km Luftlinie zur Hauptstadt und ca. 420-430 km Autofahrstrecke. Beide ca. 140-150 Tsd. Einwohner.

In Frankreich fahren direkte IC [1] über die Altstrecke nach Paris. Fahrzeit ca. 3:30h. Allerdings nur alle 2-4 Stunden mit Fokus auf die Lastzeiten.

In Deutschland gibt es einen stündlichen Takt. Dafür muss man immer(!) umsteigen, sich fast 2 Stunden in eine S-Bahn (BR 424/425!!) setzen und immer eine halbe Stunde am Hbf Hannover warten. Anschliessend reißt die Fahrzeit nur der ICE Hannover-Berlin raus, den man sich noch 1 1/2h gönnen darf. Gesamtfahrzeit: ca. 3:55h.

Was ist wohl attraktiver? Seltener, dafür direkt und schneller oder oft und umsteigen und langsamer? Auch die DB hat das mit ihrem Zielkonzept 2030 ja (versucht) zu erkennen...

Grüße
Dr. Bahn

[1] Über die "IC"-Tauglichkeit des dort verkehrenden Rollmaterials kann man sich natürlich trefflich streiten.

PS: Natürlich findet man sowohl für Frankreich als auch Deutschland trefflich Gegenbeispiele, das ist mir klar. Über Clermont-Ferrand nach Bordeaux muss man seit Sperrung der direkten Strecke z.B. nicht reden...

[2] Ja, die Hauptstadt-Anbindung ist nicht fair, weil Vorteil für Frankreich. Viele andere Verbindungen, wenn Sie über Paris führen, leiden in der Tat am Umsteigezwang via U-Bahn bzw. der Unternutzung der LGV Interconnexion Est. Aber man könnte, wenn man wollte!


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum