Derartige Systeme für Bahn und Auto zu kompliziert und teuer (Allgemeines Forum)

Bahngenießer, Sonntag, 20.05.2018, 11:28 (vor 2877 Tagen) @ Aphex Twin

Auch für den Autoverkehr wäre es sinnvoll, wenn sich jeder vor der Fahrt mit Start und Ziel anmelden müsste und vom System so geführt würde, dass es (fast) keine Staus gibt. Hier ist es besonders einleuchtend, dass so etwas so schnell nicht kommen wird.

Bei der Bahn ginge es zwar vielleicht prinzipiell besser, es ist aber dennoch momentan nicht umsetzbar.

1) Flexpreis-Kunden, Zeitkarten-Inhaber und BahnCard100-Inhaber wollen sich oft gerade nicht vorher auf einen Zug festlegen. Gegen Plätze, die nur für Sparpreis-Fahrgäste reserviert sind, würden sie Sturm laufen. Sie möchten auch bei Unregelmäßigkeiten jederzeit ihre Reiseroute ändern dürfen, indem sie statt in Düsseldorf schon in Köln aussteigen, weil es dort mit dem Anschluss kurzfristig doch besser klappt. Und plötzlich ist der Anschlusszug dann doch ein IC und kein RE.

2) Der Grundgedanke einer nicht sitzplatzgebundenen Reservierung ist nicht schlecht, es fehlt aber an praktikablen Lösungen. Denn es fahren die unterschiedlichsten Personengruppen mit der Bahn. Manche sind sehr unerfahren und hilflos, andere ganz und gar nicht. Viele haben ein Handy oder Smartphone oder Laptop dabei, andere nicht oder kennen sich damit schlecht aus. Viele kaufen die Fahrkarten auch noch im Reisezentrum, in der DB-Agentur, im Reisebüro, am Automaten, im Zug oder lassen sie sich von ihrem Sohn oder von der Personalabteilung der Firma im Internet buchen. Manche finden auch nur mit fremder Hilfe den richtigen Zug, den richtigen Wagen, den richtigen Platz. Und ein nicht allzu kleiner Anteil an Fahrgästen weiß auch nicht, was sich hinter den Reservierungsanzeigen "Reserviert für BahnComfort" oder "ggf. reserviert" oder "ggf. freigeben" verbirgt. Und wenn es noch vielfältiger würde, dann würden viele resignieren und sich erstmal auf irgendeinen Platz setzen, bis ein selbstbewusster in Anspruch nehmender Fahrgast oder ein Zugbegleiter kommt.

3) Wenn ein Flexpreis-Kunde seine Fahrkarte durch Hinzubuchen einer Reservierung (sitzplatzgebunden oder nicht) zu einer Fahrkarte mit Zugbindung macht, würde er die Reservierung in manchen Fällen nicht kaufen. Wenn er flexibel bleibt, bucht er einfach irgendeinen Zug und nimmt dann gelegentlich doch einen anderen. Manchmal schafft er dann vorher noch eine Umbuchung, manchmal fährt er einfach ohne Reservierung.

4) Und wenn man keinen angenehmen Sitzplatz hat, geht man vielleicht auch erstmal ins Bordbistro und versucht es beim nächsten Halt nochmal, doch einen besseren Platz zu finden. Oder man geht sowieso erstmal ins Bordbistro, weil am Bahnhof die Umsteigezeit für einen Kaffee mal wieder nicht gereicht hat oder in den anderen Wagen erstmal die Gänge mit Trolleys (im Zweirichtungsverkehr) verstopft sind.

Daher: Bitte nicht zu kompliziert!


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