Im schlimmsten Fall -> Beförderungsverweigerung (Allgemeines Forum)

Murrtalbahner, Freitag, 18.05.2018, 18:16 (vor 2879 Tagen) @ worfie

Das wäre in Deutschland kaum vermittelbar und würde wohl einen medialen Shitstorm auslösen und in jedem Fall dazu führen, dass sich Fahrgäste von der Bahn abwenden.
Als BC100-Inhaber würden wohl die meisten Leute die Karte kündigen, wenn mit ihnen so umgesprungen werden würde.


Aber in Deutschland sieht es doch genauso aus. Ich hatte mal eine Heimfahrt, die ich Vormittags im Sommer mit einem IC ab Hannover Richtung Nordsee antrat. Eingestiegen dachte ich mir schon "hmm, ganz schön warm hier, gehste lieber erstmal weiter" und noch bevor ich einen Platz im nächsten Wagen eingenommen habe, kam auch schon ein Kollege mit Flatterband entgegen, um sicherzustellen, dass sich auch ja kein Beförderungsfall in den nicht gewarteten und halb schrottreifen Eurofima-Wagen den Hitzetod holt. Um dem Ruf seines Brötchengebers gerecht zu werden wurde das Prozedere dann auch noch in mehreren anderen Wagen wiederholt. Mit einem Blick auf den Kalender, Freitag Vormittag, dachte ich mir, na, das wird ja noch lustig werden. In Bremen wurde es dann auch lustig. Ich stieg aus, weil ich sowieso eine andere Verbindung ab dort geplant hatte, aber schaute mir das bunte Treiben auf dem Bahnsteig noch etwas an. Der Zug war plötzlich de facto reservierungspflichtig geworden und um diesen geistreichen Einfall tatkräftig umzusetzen hat man noch eine größere Menge an schlecht ausgebildeten DB-Sicherheit-Hilfssherrifs auf den Bahnsteig gekarrt, die mit der Empathie und Kundenorientiertheit ehemaliger Volkspolizisten alle anderen Fahrgäste am Betreten des Zuges hinderten. Die beste Stelle war dann noch die Frage eines Kunden, der bereits seit einer Stunde wartete, weil der eigentlich gebuchte Zug wegen der ewigen Rollbahn-Verspätungen nicht erreicht wurde, an das Rotkäppchen auf dem Bahnsteig, wie er denn jetzt sein Fahrtziel erreichen kann. Die knappe und präzise Antwort der Stellvertreterin der Deutschen Bahn: "Fahrn se halt mit dem Auto!". Und wenn man hier jetzt im Forum teilweise die Beiträge über die Spielzeug-"Intercity" zwischen Bremen und Oldenburg liest, scheint die Situation nicht besser geworden zu sein.

Gut, nun wird jener Kunde sicherlich auch nicht zwei Tage an der Weser hat verbringen müssen, aber trotz alledem weiß man doch nie, was da hinten noch an der Reisekette eines Kunden dranhängt. Und z.B. einen Langstreckenflug wegen einer solchen Schlechtleistung zu verpassen, obwohl man nicht kurz auf knapp geplant hat, sondern einen Zeitpuffer von vielen Stunden eingebaut hat, dürfte sicherlich mehr als ärgerlich sein, zumal ich in Deutschland bereits Zugräumungen durch die Bundespolizei mit ansehen durfte bei Zügen, die nach japanischen Verhältnissen gerade mal zu 50% ausgelastet sind.

Das Problem ist doch, dass es die DB auf vielen Strecken nicht auf die Reihe bekommt, ein Nachfrage gerechtes Angebot anzubieten. Da werden lieber haufenweise Fahrzeuge ausrangiert, anstatt sie einzusetzen und Fahrgäste ein ansprechendes Angebot zu machen. Und nein, nicht jede Strecke ist überlastet und keine Trassen mehr zu bekommen.


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