Mein Bericht zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnel (m.56B.) (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 19.06.2016, 14:22 (vor 3587 Tagen)

Hoi zäme,

Nun kommt hier auch noch mein Bericht von den Eröffnungsfeierlichkeiten rund um den Gotthard-Basistunnel (GBT).

Ich fuhr am Samstag, 04. Juni 2016, hin. Am Morgen hiess es, um 05:25 das Haus zu verlassen um den Stadtbus zum Bahnhof zu erreichen. Der IR fuhr planmässig um 05:42 Uhr in St. Gallen ab und erreichte Zürich HB auch pünktlich um 06:53 Uhr. Ich nutzte die Zeit, um noch einmal etwas zu schlafen; mit einem Tagesklassenwechsel im bequemen A4-Wagen.

In Zürich HB war mein Ziel dann der Extrazug um 07:16 Uhr:

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Per Infotext wurden die Reisenden auf den Extrazug hingewiesen, auf dem Nachbargleis fuhr um 07:09 Uhr noch der Takt-ICN nach Lugano. Der Extrazug bestand aus einer Doppeltraktion Re 420, zehn BFC- und drei A4-Wagen; nochmal mit einem anständigen Schnellzug über die Gotthardbergstrecke! Leider ab Dezember nur noch im stündlichen Tilo-Flirt oder im gelegentlich verkehrenden Gotthard-Panorama-Express (mit drei Panoramawagen), die stündlichen IR fallen weg.

Einmal auf der Nordrampe das Chilleli vo Wasse:

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Und auf der Südrampe die unterste Talstufe, die mit Kehrtunnels überwunden wird:

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Der Zug war zwischen Zug und Erstfeld sehr gut gefüllt, aber jeder hatte einen Sitzplatz. Da viele Leute jeweils zuerst den GBT befuhren und via die Bergstrecke zurückfuhren, leerte sich der Zug in Erstfeld recht stark. Man konnte den GBT mit dem Spezialbillett immer nur in eine Richtung befahren, in die andere Richtung befuhr man die Bergstrecke. Ich entschied mich, zuerst die Bergstrecke zu befahren.

Um kurz vor zehn kam ich dann schliesslich in Biasca an, dem ersten Bahnhof südlich des Basistunnels. Biasca hoffte bis zuletzt noch auf einzelne Halte von IC-Zügen durch den Basistunnel. Man musste sich aber bewusst werden, dass dadurch die Züge in Bellinzona und Lugano die Taktknoten nicht mehr erreichen würden und so für das ganze Tessin die regionalen Anschlüsse verlorengingen.
Durch Biasca wird künftig jeder Güterzug in Nord->Süd-Richtung aus dem Basistunnel durchfahren. Das halbstündliche Paket aus zwei bis drei Güterzügen muss am Südportal auf die alte Strecke wechseln, um dem nachfolgenden IC/EC auf der schnellen oberirdischen Umfahrungsstrecke an Biasca vorbei Platz zu machen. Südlich von Biasca, wo die Strecken wieder zusammentreffen, werden die Güterzüge dann hinter dem sie überholenden IC/EC wieder einfädeln. Dass Biasca somit vom Basistunnel nur Nachteile erhält, macht hier einen gewissen Ärger auch verständlich. Lediglich in den Nachtstunden, wenn der Personenverkehr ruht, kann der Güterverkehr vollständig auf der Umfahrungsstrecke an Biasca vorbeigeführt werden. Wenigstens in der Nacht wird also ruhiger im Dorf.

Hier in Biasca gab es bereits den ersten Festplatz rund um den Bahnhof, einige Eindrücke:

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Hier noch das ein oder andere historische Fahrzeug:

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Ein Blick in den Bahnhof Biasca:

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Die zusätzlich zu den Takt-IR fahrenden Extrazüge Biasca-Erstfeld über die Bergstrecke wurden mit EWIV-Pendeln oder Tilo-Flirt geführt.

Auf der Südseite des Bahnhofs Biasca befindet sich ein Erhaltungs- und Interventionszentrum (EIZ) für den Gotthard-Basistunnel. Hier sind Rettungs- sowie Unterhaltsfahrzeuge stationiert. Dasjenige EIZ am Nordportal in Erstfeld werden wir später noch sehen.

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Man konnte dann auch das selbstfahrende Postauto noch testen, welches sonst in er Innenstadt von Sion als Test eingesetzt wird. Es fährt noch etwas langsam und auch sehr übervorsichtig. Für grössere Aufgaben ist die Technik definitiv noch nicht bereit, das wird noch einige Zeit dauern. Bis auf weiteres können sich also die Chauffeure in ihrem Job noch sicher fühlen.

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Nun wollte ich aber auch mal weiter und begab mich zu den grossen AutoPostale. Die fuhren hier Stossstange an Stossstange, das war wirklich gut organisiert. Lange Wartezeiten entstanden so keine.

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Die Shuttlebusse brachten die Leute vom Bahnhof Biasca an das Südportal des Gotthard-Basistunnels. Hier in Pollegio steht auch die Betriebszentrale Süd (BZ Süd), eine von vier landesweiten Fernsteuerzentralen der SBB. Von hier wird der gesamte Zugverkehr auf der Gotthardstrecke und im Tessin geleitet. Üblicherweise ist die Steuerung des Zugverkehrs zwar automatisiert, aber bei Unregelmässigkeiten muss dann ein Fahrdienstleiter, hier auch Zugverkehrsleiter genannt, dann zwischendrin doch mal eingreifen.

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Unter dem Periskop stand dann eine Maquette des künftigen Gotthard-Paradezugs «Giruno» (Stadler EC250). Es gab auch noch einige zusätzliche Informationen auf einem Infoblatt:

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Hier war der Schreiber wohl schon so vom unternehmenseigenen Sprachleitfaden indoktriniert, dass er nicht nur «SBB» als Wortmarke in den Singular gesetzt hat, sondern auch fälschlicherweise auch noch die ausgeschriebene Version. Die Schweizerischen Bundesbahnen sind nämlich offiziell im Plural zu schreiben, nur das Kürzel SBB wird als eigenständige Wortmarke vom SBB-Marketing in den Singular gesetzt (auch wenn man in der Schule lernt, dass Plurale in der Abkürzung im Plural bleiben, aber seis drum).

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Die Giruno-Triebzüge werden künftig (2021 ff) sämtlichen Personenverkehr im Gotthard-Basistunnel bestreiten. Auch der neue EC Frankfurt-Milano wird dann selbstverständlich mit diesen neuen SBB-Triebzügen geführt. Diese neue EC-Verbindung wird ab Dezember 2017 erstmal mit Pendolini RABe 503 in Betrieb gehen; und dann sobald sie verfügbar sind auf eben diese neuen Triebzügen umgestellt.
An dieser Stelle auch noch eine Anmerkung, dass es bei den EC-Wagenzüge der SBB via Köln nach Hamburg derzeit keine Planung gibt, diese auf Giruno umzustellen. Grundsätzlich wäre es jedoch möglich. Aber somit bleiben die Wagenzüge erstmal.

Es wird mit diesen Zügen stündliche EC Zürich-Milano, zweistündliche IC Zürich-Lugano und zweistündliche IC Basel-Luzern-Lugano geben. Die EC Frankfurt-Milano sind im IC-Takt Basel-Luzern-Lugano integriert, die dazu ab Basel und Lugano nach Frankfurt und Milano weitergeführt werden. Insgesamt wird durch den Basistunnel im Zielkonzept ab Dezember 2020 ein lückenloser und minutengenauer Halbstundentakt angeboten, der sich aus den drei genannten Takten zusammensetzt.

Lediglich an Wochenenden sollen dann auch mal andere Züge durch den Basistunnel fahren als nur die Giruno. An schönen Wochenenden gibt es einen starken Ausflugsverkehr aus der Deutschschweiz ins Tessin. Die Verkehrsspitzen sind dann Samstags und Sonntags Morgens ins Tessin runter und Abends zurück nach Zürich. Hierfür werden dann im zweistündlichen IC-Takt Zürich-Lugano einzelne Züge in Lastrichtung mit Twindexx statt Giruno geführt. Durch die Twindexx können mit der Doppelstöckigkeit punktuell mehr Sitzplätze angeboten werden. Wie die Giruno werden die Twindexx vollständig GBT-tauglich sein.

Ein fünfteiliger Giruno wird im September erstmals in Berlin an der InnoTrans vorgestellt. Im Juni 2017 sollen mit einem ersten kompletten elfteiligen Zug erste Testfahrten in Velim starten.


An dieser Stelle unterbreche ich den ersten Teil. Der zweite Teil folgt gleich im Anschluss.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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