Freiwillig Dosto? (Allgemeines Forum)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Freitag, 20.02.2015, 08:48 (vor 4067 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Colaholiker, Freitag, 20.02.2015, 08:49

Dann liefere ich mal ein paar Gegenargumente:

- Sehr gute Aussicht im Oberdeck

Dafür schwankt es oben wie auf einem Kamel. Bitte Spucktüte bereit halten.

- Hoher Fahrkomfort durch hohe Masse

Ich bin kein Experte für Fahrwegstechnik, aber geht das nicht auch mit erhöhtem Verschleiß der Infrastruktur einher?

- Möglichkeit zum stufenlosen Einstieg

Wenn man den Einstieg unten und passend zum Bahnsteig hat, ja. Wenn man aber von da, wo man eingestiegen ist, in einen anderen Wagen oder dorthin, wo die Aussicht so gut ist, möchte - dann sind da viele Stufen im Weg.

- Sehr grosse Stehplatzreserven

Was im S-Bahn- und Regionalverkehr durchaus von Vorteil ist, ja. Wir reden hier aber vom Enisatz in IC-Zügen, also Fernverkehr. Da strebt man ja eher weniger den Stehplatz an.

- Kürzere Wege am Bahnsteig

Faktisch richtig, aber von untergeordneter Wichtigkeit. Da ich im ICE 1 oft Wagen 14 buche, weiß ich, wie weit der Weg werden kann, wenn der Zug "plötzlich" umgekehrt gereiht ist. Passiert aber nicht so oft, daß Dein Argument daher besonders schwerwiegend wäre.

- Kürzere und damit billigere Bahnsteige

Auch hier faktisch richtig, doch auch das geht nicht ohne aber. Auf längeren Bahnsteigen hat man mehr Platz zum Warten. Breiter werden Bahnsteige in aller Regel ja auch nicht gebaut, und wenn ich mir überlege, daß sich der Andrang, der sich meinetwegen in Hamburg Hbf auf die knapp 400 Meter eines ICE 1 verteilt plötzlich auf die Hälfte verteilt, dann muß man die Leute schon am Bahnsteig doppelstöckig warten lassen.

- Weniger Gewicht pro Sitzplatz

Du hast gewonnen. Da fällt mir echt kein Gegenargument ein. ;-)

- Evtl. weniger Kosten pro Sitzplatz

Gerade im Fernverkehr, wo man Wagen wesentlich länger nutzen kann als im Regionalverkehr (Stichwort Abstellung von fast neuem Material aufgrund von Ausschreibungsbedingungen) ist das in meinen Augen auch nur untergeordnet.

Bei kurzen Distanzen ist wohl die längere Passagierwechselzeit ein Nachteil, allerdings fährt die S-Bahn Zürich mit den Dostos nicht schlecht.

Im Nah- und Regionalverkehr flutscht das denke ich (zumindest bei den hiesigen Bombardier-Dostos) aufgrund der breiten Türen besser als es beispielsweise bei i-Wagen gehen würde. Aber das sind ja auch wieder die Verkehre, wo die meisten Fahrgäste mit wenig bis gar keinem Gepäck unterwegs sind. Wenn die Leute dann aber ihre schweren Koffer treppauf, treppab schleppen müssen, dauert der Fahrgastwechsel deutlich länger.

Bei sehr langen Distanzen hat man oft relativ viel Gepäck dabei, da glänzt der Dosto auch nicht besonders. Richtig schweres Gepäck hingegen ist im Dosto dank des stufenlosen Einstiegs eher besser aufgehoben.

Wenn man sich nur in dem Unterstock aufhalten will, in den man eingestiegen ist, ja. Wenn man nur in den Nachbarwagen will oder nach oben, muß man das Gepäck über deutlich mehr Treppen schleppen als man beim Einstieg in einen einstöckigen Wagen hätte. Und dann ist da eben noch das Problem des fehlenden Stauraums aufgrund der geringen Innenraumhöhe im doppelstöckigen Bereich...

Diese Fahrzeuge für den Einsatz im Fernverkehr nach wie vor für vollkommen ungeeignet haltende Grüße,
der Colaholiker


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