Danke :-) (Allgemeines Forum)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 13.01.2015, 07:35 (vor 4101 Tagen) @ lululu

Gern geschehen :)
Es hat schon einen Grund, dass ich einen Langstock benutze. Wenn es auch ohne gehen würde, hätte man den nicht erfunden, aber diese Logik ist für manche Leute irgendwie zu hoch.

Für mich als Sehenden ist das verdammt schwer vorzustellen, daß das richtige Training und ein Langstock es wirklich so eine selbständige Mobilität ermöglicht.

Ich weiß man kann es nicht unbedingt vergleichen, aber ich erinnere mich da immer an die Übungen aus meiner Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr, wenn es drum ging, wie suche ich in verqualmten Räumen ohne Sichtnach Vermißten Personen. Wir hatten dazu präparierte Atemschutzmasken, deren Scheibe durch Milchglas ersetzt war. Gesehen hat man damit nichts mehr, nur noch eine mehr oder weniger helle Fläche vor den Augen. Da haben wir uns nur kriechend fortbewegt, und trotzdem war das verdammt schwierig, selbst wenn es bekannte Räume waren.

Ich würde jetzt niemals auf die Idee kommen, die Ansage so zu interpretieren, dass sich links und rechts nicht auf die Fahrtrichtung beziehen. Ich kenne ehrlichgesagt auch keinen Blinden/Sehbehinderten, der auf die Idee käme die Ausstiegsseite nicht mit der Fahrtrichtung in Verbindung zu bringen.

Und hier nochmal herzlichen Dank für die Bestätigung.

Während der Fahrt ist es zwar manchmal nicht ganz so leicht die Fahrtrichtung auszumachen, wenn man beim losfahren nicht drauf geachtet hat. Allerdings spätestens beim Bremsen kriegt man die ohne Probleme raus :).

Das kann sogar ich nachvollziehen, wenn ich übermüdet im Zug sitze und eindöse, kommt es schon mal vor, daß ich hochschrecke, weil mein Gleichgewichtssinn der Meinung ist, wir fahren plötzlich in die andere Richtung, und ich habe meinen Ausstieg verschlafen. Erst wenn ich die Augen öffne und nach draußen sehe, synchronisiert sich das wieder. Oder eben beim Bremsen, weil vorne ist da, wo man beim Bremsen hin fällt. ;-)

Ich könnte mir allerhöchstens vorstellen, dass dieses "in Fahrtrichtung ..." für geistig beeinträchtigte Menschen hinzugefügt wird.

Aber die sehen ja dann den Bahnsteig. Und an den meisten Stationen ist recht eindeutig zu erkennen, auf welcher Seite ist ein Bahnsteig und auf welcher Seite nicht, sofern man sehen kann. Natürlich könnte jetzt im Individualfall noch zur geistigen Beeinträchtigung eine Sehbehinderung kommen, aber ich denke, irgendwo kommt der Punkt, wo es mit der selbständigen Mobilität auch schwierig wird.

Wo wir gerade beim Thema sind - mir ist da etwas aufgefallen, was Du mir vielleicht beantworten kannst. In Hildesheim ist in der Nähe des Bahnhofs ein Fußweg neu gebaut worden. Dabei kamen auch Platten mit grobem Rillenmuster zum Einsatz, die sich sicher mit dem Langstock gut ertasten lassen. Jetzt führt der Weg auf einen Straßenübergang zu - dort ist, bevor es auf die Straße geht, quer zum Weg ein Streifen mit diesen Platten gelegt. Was mich aber irritiert ist, daß die Platten im Bereich des abgesenkten Bordsteins mit den Rillen quer zum Weg liegen und in dem Bereich, wo der Bordstein nicht abgesenkt ist, längs. Normal achte ich auf solche Details weniger, mir fiel es nur auf, weil ich mit meinem Koffer immer die Wahl habe, die Längsrillen zu durchfahren und dann über die Stufe zu rumpeln, oder ich rumpele mit dem Koffer über die Querrillen und habe dafür keine Stufe. Intuitiv hätte ich es eher andersherum gemacht - Längsrille da, wo keine Stufe folgt und Querrille dort, wo es eine Stufe, also ein Hindernis gibt. Okay, das hat jetzt mit Bahnverkehr nur noch insofern zu tun, daß es eben in der Nähe des Bahnhofs ist, aber das Thema Barrierefreiheit interessiert mich eben.

Neugierige Grüße,
der Colaholiker


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