Fahrmotorstrennschalter / Stromrichter ICE 1 (Aktueller Betrieb)

Sese, Dienstag, 15.11.2011, 08:22 (vor 5362 Tagen) @ Twindexx

Ich bezog mich da auf die Situation Gruppenantrieb + Fahrmotorentrennschalter vs. Einzelachsantrieb ohne Fahrmotorentrennschalter. Und da bietet ein Einzelachs-SR ohne Fahrmotorentrennschalter das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis gegenüber einem Gruppen-SR mit Fahmotorentrennschalter.

ich würde sagen, das kommt immer ganz auf die Verfügbarkeit des Stromrichters an. Wenn der Stromrichter so gut wie nie ausfällt, und man ansonsten durch die Einzelachssteuerung keine großen Vorteile hat, dann sind die Kosten zwar deutlich höher aber der Nutzen wohl kaum. Deshalb wäre ich mit einer pauschalen Aussage, dass in jedem Fall der Einzelachsantrieb das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis hat, vorsichtig.

Der SK ist wesentlich öfter Schuld an einem Ausfall als der Motor. Bei den Stadler-Flirt soll die durchschnittliche Lebensdauer der ABB-Stromrichter sogar nur bei etwa 200 Tagen liegen. Bei SBB-Personenverkehr sprach man schon davon, die Flirt würden ihnen die Werkstätten zumüllen.

Stromrichterlebensdauer von 200 Tagen? Ich glaube kaum, dass sich die DB das gefallen lassen würde, denn damit liegt man ja im Bereich der alten Thy-SR und hätte nix gewonnen. Mir gegenüber wurde gesagt, dass die Verfügbarkeit des Stromrichters in etwa so hoch sein soll, wie die des Fahrmotors. Und letzterer geht ja nur alle Jubeljahre mal kaputt.

Ein Fahrmotorentrennschalter wird erst bei Permanentmagnetmotoren zur Pflicht aufgrund der Eigenschaften eines solchen Motors (Ein Permanentmagnet kann ja nicht abgeschaltet werden, daher muss der Motor im Störungsfall in jedem Fall komplett mittels Hauptschütz vom SR abgetrennt werden können, da das Ding ansonsten eine Dauerbremse wäre).

Trotzdem mag es Sinn machen, wenn - wie oben geschildert - der Stromrichter eine ähnlich hohe Verfügbarkeit hat, wie der Fahrmotor. Ich würde jedenfalls sagen, die paar hundert Euro für den Fahrmotortrennschalter tun keinem weh, im Gegenteil.

Mal ganz doof gefragt: Wieso sollte es bei der Dreipunkttechnik nicht möglich gewesen sein, Einzelachsantrieb anzubieten? Rein technisch ist das doch absolut kein Problem.


Es wäre schon möglich gewesen und ABB hat so etwas auch vor zwei Monaten in Bern an SuisseTraffic ausgestellt. Aber erstens braucht der Dreipunkt mehr Platz und zweitens steigt die Anzahl der benötigten Halbleiter in einem Mass, das dann voll auf den Beschaffungspreis durchschlägt; sprich, er ist merklich teurer. Auch der ABB-Mitarbeiter in Turgi bekommt die Halbleiter nicht zum Nulltarif von seinem Kollegen aus Lenzburg.

Platz hat man im ICE1 zu Hauf, der Bauraum der alten SR wurde nicht ausgeschöpft und im inneren der IGBT-Schränke ist viel Luft. Da gibt es deutlich kompaktere SR aus dem Hause ABB.
Im Prinzip und dementsprechned auch bezüglich der Anzahl der Halbleiter stimme ich dir natürlich zu, und man kommt genau da hin, wo ich meine: Was kann der Einzelachsantrieb im ICE1 besser als der Gruppenantrieb? Dass im Vergleich energieeffizienter Dreipunkt-SR vs. nicht so energieeffizientem Zweipunkt-SR, der seine Vorteile nur äußerst selten ausspielen kann, der Gruppenantrieb vorne lag, kann ich nur verstehen.

[Der Rest deiner Antworten bezog sich auf ice-t-411s Beitrag]

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Grüße,
Sese


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