Es muss erst weh tun, damit etwas in Bewegung kommt (Allgemeines Forum)

Sese, Dienstag, 20.07.2010, 17:22 (vor 5829 Tagen) @ ICE-T-Fan

Das meine ich auch gar nicht. Dass derzeit wegen jedem Furz schlecht über die Bahn geschrieben wird, halte ich sogar für vorteilhaft: nur so bekommt man Feuer unter dem Hintern und *vielleicht* ändert sich ja auch mal etwas.
Was mich an der Frontal-21-Sache nur stört: Hier wird versucht, einen fundierten, seriösen Bericht abzufassen (oder auch nur versucht, den Anschein eines selbigen zu erwecken...). Tatsächlich wird es wohl, wie so sooft bei Frontal21, daraus hinauslaufen, dass man ein paar Zahlen aus dem Kontext reißt, wild kombiniert und zusammen mit ein paar Denkanstößen dem Publikum zum Fraß vorwirft. Auf dass es sich seinen Teil denken möge - rein interpretieren kann man ja immer viel. Guter Journalismus wäre es, wenn man dazu sagen würde, was wirklich dazu gehört.

Beispiel aus dem Link oben:

Nach Frontal21-Recherchen verzeichnet die Deutsche Bahn auch häufig Störungen an den Sicherungsanlagen der Zugstrecken. Am 16. Juli 2010 zum Beispiel, einem ganz normalen Verkehrstag, kam es zu über 200 Störfällen. 670 Züge waren unter anderem von Signal-, Weichen- und Stellwerksstörungen betroffen.

Was denkt der Otto-Normal-Fernsehzuschauer:
- Sicherungsanlagen: Die sorgen für die Sicherheit der Eisenbahn
- 200 Störfälle an einem Tag? 670 Züge betroffen?
--> Dann sind ja an einem Tag 670 Züge nicht sicher unterwegs gewesen - die Sicherungstechnik war ja gestört. --> Die Störfälle treten bestimmt auf, weil an der Wartung gespart wurde

Sicher, das mag nicht jeder genau so denken, aber ich bin mir sicher, dass der Großteil sagt: Boah, ganz schön unsicher. Dabei wäre interessant zu wissen, was die 200 Störfälle denn waren und welche Auswirkungen sie haben.
Ein Störfall einer Sicherungsanlage wäre zum Beispiel, wenn an einem Bahnübergang der Haupt- und Nebenfaden eines roten Lämpchens kaputt sind und dieses nicht mehr leuchtet - wohlgemerkt hat jede Straße pro Bü-Seite wenigstens zwei. Konsequenz des Störfalls wäre, dass sich der Bahnübergang verschließt und auf seine Entstörung wartet, ggfs. gibt der Fdl dem Tf einen Befehl, weil der Bü seit langer Zeit verschlossen ist und somit mit Rotlichtquerungen zu rechnen ist. Sicherheitseinbußen für den Schienenverkehr: Null.

Anderes Beispiel Weichenstörung: Eine Weiche wird nicht in Endlage erkannt. Fährt die Eisenbahn dann einfach auf Gutdünken drüber? Nein. So lange, wie nicht sicher geklärt ist, was mit der Weiche ist, wird keiner darüber fahren.

All das sind Sachen, die man bei Frontal21 vergeblich sucht. Es werden scheinbar für sich sprechende Zahlen ausgekippt, ein bisschen dazu gedichtet und den Rest mag sich der Zuschauer denken.

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Grüße,
Sese


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