die „guten“ Zeiten bei DB FV endeten mit Corona (Allgemeines Forum)

Henrik, Freitag, 27.06.2025, 01:18 (vor 172 Tagen) @ Velaro-Fan

Wann waren denn die „guten“ Zeiten bei DB Fern?

weiß jemand, zu welcher Zeit etwa die großen Bestellungen getätigt wurden, die nun offenbar reihenweise storniert werden? Was hat sich seither geändert?

Braucht man die L nicht für den Amsterdam-Verkehr?

Die ICE L werden für den Amsterdam-Verkehr eingesetzt werden, zunächst jedoch national.
Bis dahin wird ab Jahresende der ICE 3neo diese Verkehre übernehmen.

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Die „guten“ Zeiten bei DB Fernverkehr würde ich einordnen in den Jahren bis Corona, sprich bis März 2020.

Im Jahre 2015 präsentierte der DB Vorstand ein Ausbau des Fernverkehrsnetzes bis 2030 an, im A- wie B-Netz, mit ambitioniert prognostizierten FV-Fahrgastzahlen 2030.
Die Bundesregierung setzte nochmal einiges drauf und sprach von sehr ambitionierten Verdoppelung der Zahlen auf 2030 mit Bezug auf 2015.
Parallel wurde zu der Zeit am Deutschlandtakt gearbeitet.
Und die Realität in den anschließenden Jahren?
Tatsächlich lief alles bestens hinsichtlich der Fahrgastzahlen.
Ein Rekord jagte den nächsten.
Der Chef Lutz sprach gar von Wachstumsschmerzen..
..und von politischen wie gesellschaftlichen Rückenwind in Bezug auf die Bahn - zu recht.
2019 - das FFF-Jahr. Flugscharm war ein Begriff.
Und unser damaliger Bundesverkehrsminister kam auf die Idee, den Mehrwertsteuersatz auf FV zu senken - das erfolgte zum Jahre 2020.
Mit dem Beschluss dafür zog der Bahnvorstand die Bestellung für Züge HGV 2.0 vor - die ICE 3neo.

Später wurde die Bestellung erhöht, der Rahmenvertrag voll ausgereizt.
Dieser soll dem Bericht nach auch weiterhin wahr genommen werden, aber zeitlich gestreckt werden.

Der ICE L wurde im Feb 2019 bestellt mit 23 Zügen, im Mai 2023 um 56 Zügen erhöht.
Von dieser Bestellung in Höhe von 79 Zügen scheint es nun mit dem Hintergrund der Verzögerungen von Talgo eine Stornierung von Zügen auf 60 Zügen geben.
Offizielle Aussagen gibt es dazu noch nicht - wird es gewiss irgendwann geben, nebst Erklärungen wieso.

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Tja.. was geschah?
Bekanntlich so einiges,

Corona ab März 2020 - Pünktlichkeitswerte stiegen, aber Fahrgastzahlen sanken extrem,

Home-Office wurde massiv eingeführt und auch anschließend fortgeführt, wenn auch geringer,
auch fand da grundsätzlich eine Umstellung beim Verkehr diesbezüglich statt.
Dazu kam in dem Bereich (trifft auch den privaten Verkehr) diese 3 Jahre mit diesem ohne Wirtschaftswachstum, was sich natürlich auf den FV auswirkt.
Diesbezüglich sehen die Aussichten nicht gut aus. Die Wirtschaftswissenschaftler prognostizieren maximal ein Wirtschaftswachstum von max 2% für die nächsten Jahre.

Feb 2022 dann der Beginn des Russland-Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine mit entsprechenden Folgen, hier vor allem die Inflation.

In der Folge erhöhte die Regierung das Eigenkapital der DB, was den Nebeneffekt hatte der Erhöhung der Trassenpreise - nach wie vor Thema.

Und nun gibts auch das Deutschlandticket.
Dieses hat gravierende Auswirkungen auf den DB FV mit eher kürzeren Reiseweiten.

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Rekordwerte gibts bei DB FV nach wie vor,
man findet sie, wenn man sie sucht. Die DB präsentiert sie auch,
der EM-Juni letzten Jahre zum Beispiel, oder ICE-Verkehrsleistung letzten Jahres, der ICE-Auslandsverkehr, spezielle Strecken.. etc.
..wäre aber eben auch unter anderen Umständen höher gewesen.
Zudem kamen die erhöhten Baustellen mit Auswirkungen auf den Verkehr (auf die nächsten Jahre kein Ende abzusehen),
das negative Image der DB, das bis Corona noch so hingenommen wurde.. führt nun zu Konsequenzen bei den Fahrgästen, erst recht da deren Geld knapper wird, s.o.

Und eben.. das Netz, die ambitionierten Hoffnungen, Planungen der 2010er Jahre bzw. ab Mitte dieser,
dass es gegen Ende dieses Jahrzehnts / Anfang der 2030er so einige NBS-Projekte fertiggestellt werden würden, nebst Knoten-Projekte,
davon ist kaum noch was übrig - zehn Jahre später vielleicht.

Entsprechend desolat sieht die aktuelle finanzielle Situation von DB FV aus und vor allem die Perspektive
und vor dem Hintergrund klinge ein solches 100-Seiten Positionspapier (mehr ist das nicht) plausibel.


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