Mehr Geld ist nicht die Lösung - weniger Stunden auch nicht (Allgemeines Forum)

sibiminus, Dienstag, 23.01.2024, 12:33 (vor 807 Tagen) @ Co_Tabara-98

Vielleicht aufgrund der Lektüre eines Textes auf rbb24.de. Zitate: "Dieses Angebot würden aber nur ganz wenige Mitarbeiter in Anspruch nehmen. Es gebe offensichtlich keinen Bedarf, schlussfolgert Seiler." Es geht weiter: "Dem widerspricht die GDL vehement", was nicht wirklich korrekt ist, denn der fehlende Bedarf bei Absenkung ohne Lohnausgleich wird im Prinzip bestätigt: "... könnten die wenigsten auf das Geld verzichten, das eine Absenkung der Arbeitszeit mit sich bringen würde. Dennoch würden die allermeisten sehr gern weniger arbeiten ..." Dass die wenigsten "verzichten könnten", kann man nun glauben oder nicht.

Was dort nicht erwäht ist: Die Arbeitszeitabsenkung ist nicht nur mit Gehaltseinbußen verbunden, sondern muss vom Arbeitgeber auch genehmigt werden. Was bei Personalmangel kein Automatismus ist. Darüberhinaus hatte die DB vor einiger Zeit auch mal verlautbaren lassen den "Netto"personalzuwachs nicht benennen zu können, weil Personalabgänge nicht gesammelt erfasst werden und deswegen auch immer nur die "Brutto"einstellungen vor Abzug der Abgänge bekanntgegeben werden. Deswegen existieren bei der DB keine Zahlen darüber, wie viele statt einer individuellen Anpassung ihrer Arbeitsbedingungen einfach gekündigt haben und sich in Zeiten von Fachkräftemangel einfach etwas Besseres gesucht haben.

In anderen Worten: Würde die DB (hypothetisch) ein Angebot mit einer Lohnerhöhung von 8,57% (gestaffelt über ein paar Jahre) plus 555 Euro bei gleichbleibender Arbeitszeit vorlegen, wären doch im Prinzip die GDL-Forderungen genauso erfüllt. Die GDL könnte dann ihren Mitgliedern empfehlen, die wöchentliche Arbeitszeit individuell abzusenken, z.B. entsprechend der prozentualen Lohnerhöhung.

Der Arbeitgeber lehnt die Arbeitszeitabsenkung ab. Was nun? Da kann man ja in diesem Punkt genauso das DB-Angebot der Arbektszeitabsenkung unter Vorbehalt ausreichendem Personals annehmen, Effekt ist identisch.

Vielleicht aber nicht zur Zufriedenheit vieler Mitarbeiter? In einem kürzlich bekanntgewordenen Offenen Brief, immerhin von der GDL im Wortlaut veröffentlicht, heißt es: "... zu jeder erdenklich unmöglichen Uhrzeit mit Dienstbeginn und Dienstende am Tag oder in der Nacht. Und das mit möglichen Schichtlängen von bis zu 12 und gar 14 Stunden". In dem RBB-Artikel geht das oben begonnene Zitat übrigens weiter: "weil sie durch unregelmäßige Arbeitszeiten, lange Schichten und die oft nicht vorhandene Planbarkeit ihrer Dienste überanstrengt seien."

Daraus ist nicht erkennbar, welcher Tarifvertrag angewendet wird. Deswegen ist gut möglich, dass der offene Brief salopp gesagt fehlenden Jahresschichtrasterplan und Schichtrahmen anmahnt. (Ja, ich habe in meinem Beitrag vorher die Schichtrahmen der Monatsdienstpläne vergessen zusammen mit dem Jahresschichtrasterplan zu erwähnen.)

In dem Zusammenhang der Hinweis auf das TEG bzw. §4a TVG: Die DB wendet je nach Wahlbetrieb unterschiedliche tarifvertragliche Regelungen an.

Und warum fordert die GDL dann ausschließlich mehr Gehalt, auch wenn sie diese Forderung künstlerisch anders verpackt?

Stimmt halt nicht.


Doch, siehe oben.

Inwieweit schützt das von dir beschriebene Vorgehen vor einer Ablehnung durch den Arbeitgeber wegen betrieblicher Gründe? Ist die Forderung, die diese Hintertür schließt, rein monetär? Ist das Ersetzen von 36-h-Ruhe durch 48-h-Ruhe oder länger eine rein monetäre Forderung?

https://youtu.be/hkL_mAVEkdE Ab Minute 30 kann sich jeder die Vorstellung der GDL-Forderungen selber ansehen.


Das viele Geklatsche ist etwas nervig, und ab ca. Minute 50 fällt der Ton öfters aus, da hab ich das Zuhören abgebrochen. Dennoch danke für den Link.

Ist halt ein GDL-Video. Jedoch ist trotz Geklatsche und Tonaussetzer die rund halbstündige Vorstellung nicht uninteressant, es werden etwa 20 Slides zum Thema Forderungen besprochen. Mit doppelter Wiedergabegeschwindigkeit wirds angenehmer.

Der Punkt ist doch ein anderer, nämlich dass erstens mit abgesenkter Jahresarbeitszeit die Abschaffung besagter 36-h-Ruhe und damit mehr Freizeit möglich wird.


Die Verlängerung der genannten Ruhezeit ist bei der aktuellen Wochenarbeitszeit unmöglich? Das mag ich kaum glauben. Vielleicht kannst du das einem Nicht-Eisenbahner erläutern.

Das mag regional und lokal sehr stark variieren, denn es gab auch schon Einsatzstellen, deren Mitarbeiter trotz Personalmangel Jahr für Jahr Minusstunden gemacht haben, weil das Leistungsvolumen und die Schichtplanung so bescheiden waren. Anders herum haben andere Einsatzstellen umsomehr Überstunden geleistet. Das sind Themen, an die man durch Direktionsrecht und unternehmerische Freiheit halt nicht herankommt als Gewerkschaft oder Interessensvertretung.

Vielleicht habe ich das auch missverständlich formuliert: Der von der GDL gewählte Weg sieht die Absenkung so vor, um Kurzruhen wegzubekommen. Ich möchte das nicht als zwingend oder den einzig möglichen Weg verstanden wissen - ich hab von Tarifpolitik auch viel zu wenig Ahnung um sowas sagen zu können.

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"Diese Preise sorgen dafür, daß die Bahn an anderer Stelle immer mehr rationalisieren und einsparen wird. Nicht oben in den Höhenluftbüros, nein, unten an der Basis auf dem Bahnsteig oder im Zug. Am Fahrkartenschalter. Bei den Ansagen." ~ Alibizugpaar


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