Geschichtsbilder (Aktueller Betrieb)

liebe70, Samstag, 05.06.2010, 17:27 (vor 5833 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von liebe70, Samstag, 05.06.2010, 17:28

auch wenn wir ganz tüchtig vom Thema abkommen, noch mein Senf, da ich das Faß aufgemacht habe. In der Hoffnung, daß die Diskussion nicht so ausartet wie dieser Beitrag. ;-)

Als Deutscher benutze ich normalerweise die deutschen Bezeichnungen, sofern es welche gibt und sie gebräuchlich sind. Normalerweise, weil ich selber inkonsequent bin. Ich denke, im Zeitalter von Wikipedia und Google sollte die Verwendung der deutschen Namen kein Problem darstellen, da man die entsprechenden Übersetzungen schnell herausfindet.

Ich sehe es als Frage der Höflichkeit gegenüber meinem Gesprächspartner (hier mitlesender User) an, bestimmte Bezeichnungen so zu lassen, wie sie allgemeinüblich sind oder sie in Klammern zu erklären, wenn ich unbedingt nun den deutschen Ausdruck nehme. Dazu gehört für mich auch, meine Beiträge vor dem Senden nochmals in der Vorschau zu sehen, um Rechtschreibfehler zu korrigieren. (Bevor nun die nächste Diskussion losbricht: Für mich sind "muss" und "muß" usw. absolut gleichwertig. Ebenso toleriere ich Tipfehler.)

Das ist der deutsche Grotzkotz, die Namen aus der Annextion der Tschechei zu verwenden. Aus der Wikipedia: "1046 erfolgte die älteste Erwähnung über Břeclav Bretyzlawe aus einer mittelalterlichen Schenkungsurkunde." (Hervorhebung duch mich). Lundenburg? Haben die Deutschen erst später daraus gemacht.


Vermutlich sollte ich jetzt zu einer umfangreichen geschichtlichen Abhandlung einsetzen. Ich verzichte darauf. Nur zwei Anmerkungen.

Erst ein längeres Zitat aus
Friedrich Prinz (Hg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Böhmen und Mähren. Berlin 1993, S. 54f. (das Kapitel stammt von Peter Moraw): [...]

Also: Die deutschen Namen auf dem Gebiet der Tschechoslowakei sind kein Ausdruck eines deutschen Imperialismus, den es in der vornationalen Zeit ohnehin nicht gegeben hat, sondern sie sind Ausdruck der Politik der Herrscher des Mittelalters, die deusche Kaufleute und Fachleute in ihre Territorien holten.

Gut, dennoch sollte man sich an die heutigen Gegebenheiten halten - und da heißt Lundenburg Břeclav. Im Übrigen haben dieses gezielte Hereinholen von Kaufleuten und Handwerkern nicht nur im Mittelalter viele Herrscher gemacht, beispielsweise Kurfürst Friedrich Wilhelm mit den Hugenotten.

Ferner: Die Habsburger erreichten die Herrschaft über Böhmen durch Wahl. Siehe hier unter Punkt II.:1526 nach dem Tod seines Schwagers Ludwig II. von Ungarn und Böhmen in der Schlacht bei Mohacs erreichte [Ferdinand I.] seine Wahl zum Kg. von Böhmen, wodurch er die damit verbundene Kurstimme für Habsburg gewann [...].

Auch zu Zeiten der Habsburger hieß Břeclav so.

Mit »deutsche[m] Grotzkotz« hat die Verwendung der Bezeichnung Lundenburg also nichts zu tun. Ich würde eher das vermittelte Geschichtsbild als Ursache für diese Wortwahl vermuten.

Einverstanden.

Vor dem Hintergrund der jüngeren Geschichte wird die Frage, ob man die deutschen Bezeichungen östlich der heutigen deutschen und österreichischen Grenze überhaupt noch benutzen darf, sicherlich noch öfter diskutiert werden. Meine Antwort ist ein klares Ja.

Sofern man die dann wenigstens freundlicherweise die amtsübliche Schreibweise in Klammern dazu setzt...

Übrigens: Auch auf dem Gebiet der deutschen Hauptstadt, Berlin, gibt es slawische Gründungen. Bitte zukünftig also Kopanica sagen, und nicht Köpenick ;-) (die slawische Bezeichung Spandaus ist nicht überliefert).

Ich stamme aus Magdeburg und wohne in der Nähe der Kleinhaussiedlung in Johannisthal, am Rande der Königsheide... :-)

Gruß, Ralf


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