Die Europaletten und ihre Nachbarn – Kap 2/2 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 21.05.2022, 21:07 (vor 1408 Tagen) @ Krümelmonster
bearbeitet von Krümelmonster, Samstag, 21.05.2022, 21:07

Analyse heißt auf Estnisch übrigens analüüs. :D
Einige Brüller der estnischen Sprache hatte ich ja immer wieder schon eingeworfen. Die richtigen Perlen habe ich aber für den Schluss aufgehoben. :-) Hier steht abweichend die Beschriftung vor den Bildern. ;-)

669 Die Hauptstraße von Tartu heißt Rüütli. Ihre Verlängerung heißt übrigens Küüni. :D
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670 Trinkspiel: Für jedes estnische Wort, das komisch ausschaut, trinken wir einen… (2021: Alle tot…)
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671 Gümnaasium – liebe Esten, findet ihr nicht selbst, dass das schräg aussieht? :D
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672 „Wie viele Doppelvokale wollt ihr haben“ – Esten: „Ja.“
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673 EE: „Wie schreibt man das?“
XY: „So wie man’s spricht!“
EE: „Darf ich noch irgendwo ein fancy i einbauen?“
XY: „…“
EE:
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674 Uff! Aber -süsteem versteh ich! :D
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675 Und schließlich noch ein Reim-Klassiker:
Eine Kuu macht Muu
Viele Küüa machen …

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(Tschuldigung)


Man hätte als Unwissender ja vermuten können, die drei kleinen baltischen Länder, die seit dem 2. Weltkrieg die gleiche Geschichte hatten, seien sich alle sehr ähnlich. Ich denke ich habe deutlich gemacht, dass dem überhaupt nicht so ist. Eine Auflistung der Unterschiede finde ich dennoch übersichtlich:
Litauen:
-- gemeinsame Geschichte mit Polen, waren im Mittelalter mal ein Großreich, daher bis heute katholisch
-- mangels direkter Nachbarschaft mit dem russischen "Kernland" eher wenig russischer Einfluss
-- furchtbar hässlich klingende Sprache.^^ Ist eine indo-europäische Sprache, aber sehr altertümlich, hat fast keine Fremdworte, selbst mit Kenntnissen der (entfernt verwandten) slawischen Sprachen versteht man absolut nix.^^
-- dort sieht man auf jeden Fall Armut
-- auch wenn die Landschaft schon hier sehr skandinavisch anmutet, wirkt Litauen von den baltischen Ländern insgesamt am stärksten osteuropäisch und überhaupt nicht nordisch

Lettland:
-- keine eigene Geschichte, vor dem 1. WK immer fremdbeherrscht
-- traditionell evangelisch, wobei seit der sowjetischen Ära die Religion keine derart große Bedeutung mehr hat
-- wirkt wie ein Übergang von Ost- nach Nordeuropa. Die Letten schauen nicht wie Osteuropäer aus, sondern wie Nordmänner. Allerdings leben im Osten & in Riga sehr viele Russen. Man käme mit Russisch dort super klar (außerhalb des rein russischsprachigen Ostens allerdings nur, solange man keinen Job braucht).
-- die lettische Sprache ist mit Litauisch verwandt, aber Lettisch hat reichlich Fremdworte. Mit Russisch- & v. a. Deutsch-Kenntnissen versteht man wenigstens hin und wieder mal ein Wort Lettisch.^^ Lettisch klingt weder wirklich schön noch wirklich hässlich.^^
-- ich kann es verstehen, wenn Leute ohne Kenntnisse slawischer Sprachen Litauisch oder manchmal auch Lettisch anfangs für slawische Sprachen halten, denn v. a. Litauisch klingt sehr „osteuropäisch“ (Rumänisch ja aber auch!), bei Lettisch ist das nicht so stark ausgeprägt, aber vielleicht auch die erste Vermutung

Estland:
-- sprachlich überhaupt keine Gemeinsamkeiten mit den anderen Ländern im Baltikum, sondern mit Finnland. Anders als Finnisch hat Estnisch allerdings viele Fremdworte (v. a. aus dem Deutschen) – wie fragwürdig die einge-„Estnisch“-ten Schreibweisen aussehen, haben wir ja gemerkt. :D Estnisch klingt wunderschön. *‿* (Nicht so melodisch-harmonisch wie Finnisch, aber auch nicht so monoton und viel menschlicher :D)
-- auch keine eigene Geschichte, ebenfalls vor dem Ersten Weltkrieg stets fremdbeherrscht
-- traditionell evangelisch, wobei das in der Sowjet-Ära weitestgehend verloren gegangen ist. Heute gibt es deutlich weniger Protestanten als Russisch-Orthodoxe; der Anteil der heute Konfessionslosen müsste einer der höchsten in Europa sein (vielleicht hinter Tschechien).
-- Wirkt aufgrund der nordisch klingenden Sprache und der anderen Kultur überhaupt nicht mehr osteuropäisch, sondern komplett nordisch. Bloß Rentiere gibt’s keine (Elche durchaus). Wenn da nicht die Russen wären.^^ Allerdings kommt man mit den Russen wenig in Berührung, solange man nicht in deren Gebiete fährt. Viele haben anscheinend selbst mit der restlichen estnischen Bevölkerung kaum Kontakt.
-- im Vergleich mit den anderen beiden Ländern (v. a. Litauen) deutlich wohlhabender! Für Touristen aber damit auch spürbar teurer.^^

In allen drei Ländern kommt man als Tourist mit Englisch gut bis sehr gut durch. Die Älteren sprechen nicht alle Englisch, dafür dann i. d. R. Russisch. Wer sowohl Englisch als auch Russisch beherrscht, dürfte mit wahrscheinlich mehr als 98 % der Leute sprechen können.

--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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