Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 2/5 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Freitag, 29.01.2021, 09:43 (vor 1881 Tagen) @ Krümelmonster

Auch am Samstagmorgen machte ich mich auf zum Bahnhof von Žilina. Heute fuhr ich Richtung Westen. Ich hätte 9:20 Uhr mit dem Schnellzug aus Košice fahren können, etwas mehr Umsteigezeit hatte ich jedoch mit dem Regionalzug um 8:50 Uhr, der in Žilina begann und 20 min länger brauchte (auch wegen 9 min Pause in Púchov). Und siehe da, der Schnellzug hatte natürlich ein paar min Verspätung.^^ Ich nahm natürlich den Regionalzug, erfreulicherweise gebildet aus einem CityElefant. Er hielt u. a. in Košeca – ich frage mich, wie viele Leute wegen undeutlicher Aussprache schon dort gelandet sind statt in der zweitgrößten Stadt des Landes. :p Trenčianska Teplá wurde nach anderthalb Stunden pünktlich erreicht.
[image]
56 Technik, die begeistert
[image]
57 Blick Richtung Považská Bystrica
[image]
58 Dem Elefanten entstiegen
16 min hatte ich, um nach Trenčianske Teplice umzusteigen. Jene Verbindung war als „Personenzug“ (wir würden dazu Regionalzug sagen) angeschrieben und durchgesagt, tatsächlich war es eine Art Überland-Straßenbahn. Sie wartete sogar 2 min auf den verspäteten Schnellzug.^^ Auch hier wurde im Zwei-Mann-Betrieb gefahren (wie ja fast überall in der Slowakei), der Ticketverkauf fand während der Fahrt statt. Die Gesamtstrecke kostet glorreiche 70 ct pro Richtung.^^ Betrieb findet nur an Sommerwochenenden statt mit drei oder vier Zugpaaren pro Betriebstag. Zumindest hupen konnte die Straßenbahn wie eine richtige Eisenbahn. Das wird auch reichlich praktiziert, da sie innerstädtisch im Straßenraum fährt.^^ Dort ging es extrem langsam voran. Außerorts schafft sie tatsächlich 30 km/h – das traut man dem Vehikel gar nicht zu. :-O Die Fahrzeit für die 5,4 km lange Gesamtstrecke beträgt 18 min – das macht eine planmäßige Geschwindigkeit von 18,1 km/h.^^ Während der halbstündigen Wendezeit in Trenčiankse Teplice schaute ich mir den Ort an.
[image]
59 Die Überland-Straßenbahn von Trenčianska Teplá nach Trenčianske Teplice (die beiden Orte verwechsle auch ich gelegentlich :D)
[image]
60 Der Anschluss vom Schnellzug aus Košice wäre sogar abgewartet worden
[image]
61 Die Entdeckung der Langsamkeit
[image]
62 Schmaler Bahnsteig
[image]
63 Das Rathaus von Trenčianská Teplá
[image]
64 Man beachte den Van, der unbedingt noch möglichst knapp vor uns durch wollte… -.-
[image]
65 Am Ziel angekommen
[image]
66 Unten links neben der Tür steht: „Dieser Wagen darf nur am Zugschluss eingereiht sein“. Upsi.^^
[image]
67 Die Strecke wurde an einem Tag errichtet. Kann man diese Leute bitte mal nach Schland schicken?^^
[image]
68 Das kleine, absolut nichtssagende Bahnhofsgebäude von Trenčianske Teplice
[image]
[image]
[image]
69 – 71 Repräsentative Architektur des Kurorts
[image]
[image]
72 – 73 Ich habe Fragen… :-s So viele Fragen!
Anschließend fuhr ich zurück nach Trenčianska Teplá, wo ich planmäßig eine Dreiviertelstunde Wartezeit hatte. Leider gibt es keinerlei Sehenswürdigkeit im Ort. -.- Man sah noch die Hinweise, dass Arriva aktuell nicht fuhr. Arriva hatte 2019 mit alten 628ern die einzige umsteigefreie Verbindung von Prag nach Nitra aufgenommen. Es war nicht nur die einzige Fernverkehrsverbindung nach Nitra (immerhin 6.-größte Stadt der Slowakei), sondern auch der einzige tägliche PV über den Grenzübergang Vlárský průsmyk/Horné Srnie. Sonst fährt dort nur Fr & So Nachmittag je ein grenzüberschreitendes Zugpaar. Am 31.12.2019 stellte Arriva die Verbindung zunächst bis Ende Januar ein, Ende Januar bis Ende Februar, Anfang März hieß es, man wolle aber Sommer wieder fahren, und dann kam Die Seuche… Jene Bahnstrecke fehlt mir bis heute. -.- Während der Wartezeit passierte wenig. -.- In der App CP (steht für „cestovné poriadky“ – „Fahrpläne“) sind die Verspätungen aller Züge stets aktuell ersichtlich, sehr nützlich. Auf den Bahnhöfen ist man sparsamer mit der Kommunikation und hat auch nicht immer den neuesten Stand. 11 min nach der Abfahrtszeit meines Zuges kam die Durchsage, dass dieser 10 min verspätet sei. :D Dann kam er aber gleich angerauscht, der Fahrgastwechsel ging schnell, mit + 13 ging es los Richtung Hauptstadt.
Ich ging zunächst ins Restaurant, wo ich ein Mittagsschnitzel inkl. Getränk für 8,30 € aß. Die Gastro-Frau war sozialistisches Original: Als in Trenčín Leute mit Gepäck einstiegen und Platz nehmen wollten, schnauzte sie sie an: „Bringt euer Gepäck in den Gepäckwagen. Hier ist ein Restaurant. Gepäck gehört nicht ins Restaurant!“ 10 min später kamen sie wieder. Sie: „Ich hab euch doch gesagt, dass der Gepäckwagen gleich der nächste ist. Bringt euer Gepäck dorthin, dafür haben wir doch nen Gepäckwagen hier im Zug!“. :D Nachdem ich gefuttert hatte, verzog ich mich ein paar Wagen nach hinten (war gar nicht so leicht, einen Platz zu finden, auf der Hauptstrecke sind die Schnellzüge ja wirklich immer voll) und staunte, wie oft hier einzelne Loks durch die Gegend fahren. :D Während der einstündigen Fahrt bis Trnava reduzierte sich die Verspätung nur um eine Minute. Dort stieg ich aus und wartete noch eine halbe Stunde, um anschließend in modernen Dosto-Wagen eines Regionalzugs weiterzufahren. Denn bei der Befahrung unbekannter Bahnstrecken geht es mir nicht allein um Vollbahnen (sonst hätte ich ja nicht die beschwerliche Reise mit dem weiten Fußweg zur Waldbahn Orava auf mich genommen :p), sondern um Schienenstrecken generell (ausgenommen Standseilbahnen :p). Die erste Station des Regionalzugs in der Hauptstadt war nach einer guten halben Stunde Bratislava-Rača, wo ich ausstieg.
Unweit des Bahnhofs befindet sich Cintorín Rača, die provisorische Endhaltestelle der Tram. Normalerweise geht es noch drei Stationen weiter bis Komisárky, aber wegen Bauarbeiten nicht letzten Sommer. Von hier fuhr ich mit der Tram in die Innenstadt, sodass ich nun bereits die Linie 3 aus Petržalka (siehe erstes Kapitel) voll befahren hatte.^^ Anschließend lief ich durch die Innenstadt zum Hbf., um weiterzufahren.
[image]
74 Regionaler Opa in Trenčianksa Teplá
[image]
75 Spuren der Geschichte: „Achtung! Die Züge AEx … des Betreibers Arriva werden auf dem kompletten Laufweg Prag – Nitra und zurück ab dem 31.12.2019 bis auf Weiteres ersatzlos ausfallen.“
[image]
76 Die Tram hält Mittagsschlaf – da wird man direkt neidisch
[image]
77 Weiter geht’s!
[image]
78 Die Burg von Trenčín
[image]
79 Mittagessen
[image]
80 Dosto nach Blava
[image]
81 Am Stadtrand angekommen
[image]
82 Hier noch die Auflösung des Bahnhofsrätsels der Kategorie „Folterinstrument“ :p
[image]
83 Wegen Bauarbeiten fuhr hier mehrere Wochen lang keine Tram. Und wenn ich mir die Schienen so anschaue, bezweifle ich, dass da ohne weitere Vorbereitungen einfach so wieder eine fahren kann. :D
[image]
84 Tram an der provisorischen Endstation Rača
[image]
85 Auch hier testen wir die Sitze
[image]
86 Wenn du zu unkreativ bist, einen Namen für deine Straße zu finden, nennst du sie einfach „Schöne Straße“ :D
[image]
87 Der Platz der Freiheit strotzt vor sozialistischem Charme :-)
Von Bratislava-Hbf. ging fuhr ich noch weiter Richtung Westen. Dabei saß ich in den gleichen modernen Dostos wie auf der Fahrt von Trnava nach Bratislava-Rača. Im Wagen herrschte abwechselnd normale Beleuchtung und Notbeleuchtung.^^ Ich passierte den nunmehr westlichsten Punkt des Streckennetzes von ŽSSK, woraufhin mich mein Handy in Österreich willkommen hieß. :D Der Netzempfang ist in der Slowakei zwar generell besser als in Deutschland, aber immer noch schlechter als in vielen anderen Ländern.
Nach einer halben bis Dreiviertelstunde erreichte der Zug Malacky, wo auch ich ausstieg und in einen Bus wechselte. Ich fahre ja gern Zug, aber dieselbe Strecke hin und einfach nur zurück versuche ich normalerweise doch zu vermeiden. :D Deshalb jetzt per Bus. :p Der Bus fuhr nun Richtung Osten durch die Region Záhorie. Bei Plavecké Podhradie thront die Burg Plavecký Hrad hoch auf einem Felsen und bescherte mir einen kleinen Fußmarsch, weil ich sie unbedingt fotografieren musste und deshalb meine Ausstiegshaltestelle verpasste. :D
[image]
88 Bei dem Anblick kaum zu glauben: Der Bahnhof Bratislava Železná Studienka liegt tatsächlich in einer Hauptstadt mit fast einer halben Million Einwohner :D (ok, 425.000 sind’s)
[image]
89 Der einzige Bus, wo der Fahrer wenigstens irgendwie vor Der Seuche geschützt war. Auch hier gab’s freilich nur Vordereinstieg auf Ticketkauf beim Fahrer…
[image]
90 In der Region Záhorie ist es offensichtlich oft windig ;-)
[image]
91 Das Foto war es Wert :D
[image]
92 So sah der Bus übrigens aus
Ich beeilte mich beim Laufen, denn den folgenden Zug zu verpassen, wäre wirklich blöd. Es war spätnachmittags, der nächste würde erst morgen fahren.^^ Ein Anreiz, diesen Sommer doch nochmal in die Slowakei zu fahren, war die Möglichkeit, noch ein paar exotische Strecken abzuhaken. Das ist ja inzwischen eigentlich immer mein Grund, in dieses Land zu fahren, – abgesehen natürlich vom Anwenden der Sprachkenntnisse – doch diesmal war es möglich, Strecken zu befahren, auf denen normalerweise gar kein regelmäßiger PV verkehrt. Da sich auch die Slowaken dieses Jahr bei der Wahl der Urlaubsziele sehr einschränken mussten, hatte ŽSSK an den Sommerwochenenden sog. Ausflugszüge aufgelegt. Es gab 10 verschiedene Linien. Sechs davon bedienten Relationen, die sonst nicht umsteigefrei bedient wurden (z. B. aus den Großstädten Košice & Prešov ins Slowakische Paradies), für vier der Linien waren eigens Strecken reaktiviert worden, auf denen min. 9 Jahr kein planmäßiger PV mehr stattgefunden hatte. Nur einer der Ausflugszüge fuhr in der Westslowakei: von der Hauptstadt bis Plavecké Podhradie. Der Personenverkehr hier wurde wie auf vielen anderen Bahnstrecken im Land Anfang 2003 auf dem hinteren Abschnitt eingestellt, 2005 auch auf dem vorderen Abschnitt. Güterverkehr bis zum Zementwerk Rohožník gab es durchgehend. Im Gegensatz zu den anderen Strecken der Ausflugszüge war diese Strecke nicht erst dieses Jahr wieder aktiviert worden, sondern hier verkehrten bereits seit 2017 im Sommerhalbjahr regelmäßig Wochenend-Züge. Die Strecke führt von Plavecké Podhradie noch weiter nach Plavecký Mikuláš, die Schienen liegen auch noch, doch dieser Abschnitt war nie reaktiviert worden. Für die letzte heutige Fahrt stand ein 813er-Doppel (je 2 zusammengeschraubte & modernisierte, aber trotzdem nicht schöne Brotbüchsen) mit antriebslosem Beiwagen in der Mitte bereit. Ich wollte eigentlich den Beiwagen entern (denn der grummelt nicht so), aber er bot keinerlei Sitze, sondern nur Platz für Fahrräder. Selbstverständlich war er leer. :D Generell war der ganze Zug sehr schlecht ausgelastet (unter 10 %), obwohl es Samstagnachmittag & Traumwetter war. Gut, die Sommerferien waren ja vorbei. Hinter mir saßen Großeltern, die ihrem Enkel bloß die Strecke zeigen wollten und nur zwei Stationen innerhalb des hinteren Abschnitts mitgefahren sind.^^ Ich frage mich ja, wo die 813er herkommen. Sonst fahren ganz im Westen der Slowakei eigentlich nur welche zwischen Kúty und Skalica. Wahrscheinlich hat man die genommen, die bis letztes Jahr von Zohor nach Záhorská Ves (westlichster Bahnhof des Landes) fuhren. Denn jene Strecke ist seit Dezember 2019 stillgelegt.
Die Fahrt begann pünktlich (wäre auch komisch wenn nicht, aber der ŽSSK traue ich alles zu :D). Wir schlichen mit 30 km/h über heftige Schienenstöße. Bis zum zweiten Zwischenhalt Rohožník (wo der „hintere“ Abschnitt in den vorderen übergeht) hatten wir bereits die Fahrzeit verdoppelt, d. h. + 9. Man hätte ja auch vorher wissen können, dass die Strecke nicht schnell ist oder es im Laufe der bereits zwei Monate dauernden Saison feststellen können, aber dann wäre es nicht die ŽSSK. Pünktlich (unter + 5) waren wir auf dem Abschnitt, wo nur die Sonderzüge fahren, einzig bei Abfahrt am Startbahnhof. :D Irgendwann nahm die Schildkröte plötzlich Speed und hüpfte regelrecht über die schlechte Strecke mit 70 Sachen – nicht schön...^^ 70 km/h in dem Teil sind auch auf normaler Strecke schon nicht schön wegen der Geräuschkulisse, und wenn ŽSR dann noch einen regelrechten Parcours hinstellt, wird's echt nur noch halbgeil. -.- In Jablonové gab es sogar einen Stationswärter. Für 10 Zugpaare pro Woche. Das ist doch mal ein Traumjob! :D Wenn man jetzt noch ändern würde, dass man anstelle vom Sommer im November, Januar und der ersten Februar-Hälfte fahren würde, würde ich sofort auswandern! Nach einer Dreiviertelstunde machte der Zug in Zohor (nahe Malacky) Kopf, weiter ging’s auf der Strecke Břeclav – Kúty – Malacky – Bratislava mit „normalem“ Zugverkehr unter größtmöglichem Getöse mit 80 km/h in die Hauptstadt. Schneller schafft der Zug auch nicht. Er klang eh schon, als ob er gleich auseinanderfällt… An einen russischen Panzer erinnert nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Federung… Einmal kam uns ein interessantes Gespann entgegen: eine uralte E-Lok, zwei uralte Dieselloks und dann eine tatsächlich noch ältere E-Lok (müsste abgebügelt gewesen sein). Sonst nichts dran. :D Nach insg. knapp anderthalb Stunden wurde der ausbrechende Feuerberg auf dem Grill (Bratislava… …) pünktlich erreicht.
[image]
93 Streckenende
[image]
94 Zug & Bahnhofsgebäude
[image]
95 Ein ganzer Wagen nur für Fahrräder *‿*
[image]
96 Der Bahnhofsmensch von Jablonové
[image]
97 Hier trifft die Nebenbahn auf die Strecke Břeclav – Bratislava
Ich hatte wieder 40 min Zeit zum Umsteigen.^^ Dann ging es gen Žilina. Später machte ich mich auf ins Restaurant. Das Essen war leider nicht so viel für einen hungrigen Magen. Aber dafür guut!
[image]
98 Wir überführen – völlig planmäßig – eine weitere Lok
[image]
99 Ziel erreicht!
[image]
100 Rollendes Restaurant
[image]
101 Dreimal dürft ihr raten, was in Linkskurven mit der Sauce passiert ist :D
Zwanzig vor elf hatte ich es dann beim fünften Versuch endlich geschafft: Ich bin erstmalig mit einem Schnellzug pünktlich angekommen! :D (Er hat die Verspätung wieder aufgeholt. :p)

--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

Meine alten Reiseberichte (inkl. Bildern) verschicke ich gern per Email - bitte per Direktnachricht melden!


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum